Sonntag, 16. April 2017

Glück


Mir geht's nicht gut. Gott liegt neben mir auf dem Sofa. Da er Kultur für ein Heilmittel hält, zeigt er mir einen Film. Er hat tatsächlich einen Film ... gemacht. Allerdings - kein Projekt, das ich ihm ans Herz gelegt hab. War ja klar. Was ist mit unserem Touquet-Streifen?, frage ich nachdenklich. Daran feile ich noch, sagt Gott. Die Melancholie hinter dem Humor muss ich noch ..., ich nicke. Das Stella-Plage-Projekt? Die Studie über Tristesse, seufzt Gott. Die hat er also auch noch nicht ganz im Griff. Die ist allerdings auch besonders kompliziert. Eine Herzensangelegenheit. Ich konzentrier mich auf den Film. Du siehst gut aus, stelle ich zufrieden fest. Gott scheint diesbezüglich ebenso zufrieden. Das Licht scheint mir allerdings nicht ganz ideal. Hättest Du Dich nicht weiter nach rechts ...?, frage ich nachdenklich. Wir haben's probiert, sagt Gott. Doch da fiel so ein dunkler Schatten, und ... Ich verstehe. Du siehst aus, als wolltest du später noch zum Grill-Abend, sage ich dann. Gott wirft mir so einen Blick zu, es geht hier um die Sache, sagt er. Das verstehe ich. Ich lausche dementsprechend andächtig. Trotzdem. Frauen beherrschen die Multitaskerei, und ich bin mir sicher, die eine oder andere wird sich denken: Dieser chice, weise Mann in diesem Farb-Gefüge wird sicherlich noch später am Abend. ... Frauen machen sich ständig solche Gedanken. Zumindest ich. Und schweige lieber. Eine Weile. Wer sind all die anderen Menschen?, frage ich dann interessiert. Gott winkt ab. Er wird mich niemals zu einem Event mitnehmen und stets heimlich hinter meinem Rücken agieren. Im Sinne - der Sache! Ich schweige also besser weiter. Und konzentriere mich auf den Sachverhalt. Auch wenn es mir nicht gut geht. Und alles den Bach runter ... Und alle verschwinden, mich verlassen ... Und der Walks schwächelt. Und man niemals weiß, was richtig ist. Fehler sind dagegen leicht analysiert, klar. Rufst Du mal beim Doc an und fragst, ob wir gleich noch kommen können?, frage ich nach dem Film. Es ist Ostern, erinnert Gott. Ich zucke die Achseln. Hochsaison beim Doc. Frühling. Alle wollen entgiften! Meist herrscht unter den Entgiftenden schlechte Stimmung. Sie erwarten das Resultat vor aller Mühe. Das ist wie beim Sterben. Sterben kommt immer viel zu früh und unerwartet. Oder. Nach langem qualvollem Leid. Die wenigsten sterben frohgemut und schlafen ein. Beim Walks warten wir jetzt seit Monaten. Lass ihn nicht leiden, sagt Gott. Dann beiß ich mir auf die Lippe. Wenn Gott eines Tages 97 Jahre und verliebt ist und futtert wie ein Scheunendrescher. Und wenn er dann mal über Schmerzen klagt? Werde ich ihn flugs am WE in irgendein Hinterdreckstaldorf zum Notarzt fahren. Damit man ihm eine Todesspritze setzt? Gott wiegt dann den Kopf. Entscheidungen. Fragen. Ich kenne die Antwort nicht. An so vielen Tagen geht es ihm so gut. Mit seiner Lady. Und wir hätten uns längst auf die Schulter geklopft, wie viel Leid wir ihm erspart hätten. Wir hätten ja nicht mehr erlebt, wie viel Spaß er noch hat. Das Leben kostet zu viel Kraft, wenn man drüber nachdenkt. Gott hat in der Zwischenzeit tatsächlich den Doc angerufen. In einer Stunde hast Du Termin, sagt er durch die Tür. Ich nicke zufrieden. Auf meine Männer kann ich mich verlassen. Fährst du mich?, frage ich. Gott nickt. Seit ich ebenfalls schwächel und letztens wieder gestürzt bin, sorgt er sich. Sicher, Sorge ist keine prima Grundlage für eine Beziehung. Andererseits. Gott fährt uns, sage ich also zu Poire. Kommst Du auch mit mir? Ach, antwortet Poire. Und ich bin glücklich. Denn die Kleine ist so klug. Ach, heißt: Natürlich. Aber nur mit Teddy, der immer mit muss. Teddy heißt Ocho, da ich denke, dass man in jungen Jahren bereits Fremdsprachen lernen sollte. Und die spanische 8 gefällt mir besonders gut. O und O. Exakt so sieht Teddy aus. Ein großer Kopf. Darunter ein großer Körper. Eine 8. Ein Ocho. Und ohne Acht verlassen wir nicht mehr das Haus. Kommt Mabel auch mit?, frage ich. Natürlich, ruft Gott aus dem Flur. Der unser Zauselchen besonders ins Herz geschlossen hat. Wie der Walks. Und ich. Und Poire und Robin. Da sie einfach nur lieb ist. Eine kleine Shadow. Ein Hund - wie ich ihn noch nie hatte. Nach allen Misshandlungen, die sie erlebt hat, will sie einfach nur lieb sein. Darüber denke ich nach. Sie ist mein besonderes Schätzchen. Wann kommen Delphi und Kleine-Claus?, rufe ich. Am frühen Abend, ruft Gott zurück. Weißt Du schon, was Du kochen wirst?, rufe ich. Gott schaut vorwurfsvoll durch die Tür. Natürlich, sagt er. Es ist Ostern. Mach Dich fertig, sagt er und schaut auf die Uhr, wir müssen gleich los. Stimmt. Wir haben Pläne. Und ich? Ganz großes Glück! 


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