Sonntag, 19. März 2017

Inspiration


Morgen ist es also soweit: Wir werden in den Wald fahren, an einem Baum stehen und in das wunderschöne, grüne Tal auf ein Bächlein schauen. Vermutlich werden wir im Regen stehen. Ich halte nicht viel von traditionellem Prozedere. Deshalb wird auch niemand kommen. Der einzige, der hätte kommen können, hat sich bei einem Leitersturz verletzt. All die, die gekommen wären ..., wenn der Baum nicht so herrlich weit außerhalb in einem Wald, an einem Tal mit einem Bächlein läge ... All die - wissen nix von der Veranstaltung! Sie hätten irgendwas erwartet. Eine Rede, eine Zeremonie. Begräbniskuchen. Und Kaffee! Nur Poire, Gott und ich werden also da sein. Den Termin hab ich festgelegt, - Start in den Frühling. Der Förster wird selbstverständlich auch dort sein, er hat das Loch gebuddelt, er wird es auch wieder zuschütten. Er hat sich Musik gewünscht. Also suchte ich für den Förster ein Musikstück, schließlich soll auch er sich wohlfühlen. Mir gefiel eins, das ist allerdings über 43 Minuten. Gott wiegte den Kopf. Wenn wir über 43 Minuten im Wald stehen ..., gab er zu bedenken, im Regen womöglich... Ich nickte. Nach 37 Minuten werde ich dem Förster einen bösen Blick zuwerfen, um dann wieder andachtsvoll ... Der Förster hatte als Alternative ein Gedicht vorgeschlagen, aber Gott weigerte sich. Er wollte nicht plötzlich einen forschen Schritt nach vorn treten, um irgendwas zu rezitieren. Ich - dito! Zurück also zur Musik - ich schlug Georg Kreisler vor. Sicherlich hätte das den Förster verstört? Ich war mir selbst nicht sicher, suchte weiter und stieß auf etwas... - es ist einfach schön. Ein freudiger, zukunftsvoller Abschied, aus der Musiksammlung des Protagonisten - es klingt wie ein Bächlein, es passt perfekt zu Anlass und Ort. 9,47 Minuten! 
Und dann der Termin, morgen, ganz knapp also vor der offiziellen Frist. Anscheinend darf man nämlich eine Urne 2 Monate behalten. Das ist interessant. Ich habe bei Gott ein Skript in Auftrag gegeben - es wird eine dramatische Komödie. Ich sterbe. Er bekommt meine Urne. Und mein Erbe. Wenn er in diesen zwei Monaten, die er mich nicht unter die Erde buddeln oder ins Meer schmeißen muss, mit mir usw. Ich bin sehr gespannt. Gott arbeitet derzeit an mehreren Drehbüchern. In Le Touquet hatte ich eine weitere Idee für einen Woody Allen-Style-Film. Die Location ist genial. Direkt daneben liegt ein Ort, grad fällt mir der Name nicht ein. Dort wird Gott einen zweiten Rohmer drehen. Wir wollten doch schon mal einen über eine alte Dame in einem kleinen normannischen Dorf machen - daran arbeitet er sicherlich noch ... Der wird allerdings im Frühling gedreht. Der aktuellere? Im Hochsommer, es muss stets über 35 Grad sein, wenn wir drehen. Pflicht! Es wird eine weitere melancholische Elegie über die Liebe. Der Ort ist nahezu famos. Trostlos. Ein Rätsel, wie die Franzosen das hingekriegt haben. Vermutlich handelte es sich um ein avantgardistisches Förderprogramm für junge, talentfreie Architekten. Dann wurde das Geld knapp. Nun ja, Gott und ich hatten in letzter Zeit eh so viel zu tun ... da bleibt die wahre Inspiration auf der Strecke. Gott wollte ja partout kein Baby mehr nach Poire. Dafür haben wir eine neue Lady. Sie ist allerdings schon recht alt - eigentlich sollte sie 4 oder 5 oder 6 Jahre sein. Dann war sie aber wohl doch schon 10. Sie war ziemlich krank, als sie kam. Und hat einen schweren Hüftschaden. Ist ja nicht ihre Schuld. Wir schlossen sie sofort ins Herz. Vor allem Walker, der alte Opi auf Freiersfüßen, ist total verknallt. Wir ebenfalls. Sehr gut. Unser neues Zauselinchen also pullerte jede Nacht vor Gottes Tür. Niemand pullert vor meine Bude, sagte Gott streng. Die Lady dachte darüber nach ..., doch - wie alle Frauen in dieser Familie - blieb sie ein Freigeist - und entschied anders. Sie pullerte einfach weiter vor Gottes Bude. Jede Nacht. Gott schimpfte. Jede Nacht ging das so, bis ... er sich zurückzog, nachdachte. Und ihm eine Idee kam. Er teilte sie mir mit, auch ich dachte darüber nach. Und stimmte ihm zu. Die Pullerei lag nicht an Missgunst oder Abneigung. Oder einer schwachen Blase. Ganz im Gegenteil - wir setzten Gottes Geistesblitz in die Tat um, es funktionierte. Gott lässt nun seine Tür in der Nacht geöffnet. Weiterhin schläft die Lady im Flur. Vor seiner Tür. Aber sie pullert nicht mehr. Sie scheint zufrieden. Freie Räume. Freies Denken, freie Entscheidung. Wir sind glücklich! Und eine zweite Lady habe ich auch schon ins Auge gefasst. Liebe auf den ersten Blick! Wie bei uns, sage ich verträumt zu Gott. Der streitet das indes ab. Und ist dagegen. Er will nicht gleich ein ganzes Rudel. Tja, ich habe darüber nachgedacht. Und anders entschieden. Denn, was auch immer kommt - Gott wird ein Drehbuch dazu verfassen. Was ziehst Du morgen an?, ruft er grad von oben. Keine Ahnung. Etwas frühlingshaft Leichtes vermutlich! Denn Konventionen ... Aber das schlechte Wetter - wer weiß.


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