Freitag, 2. Dezember 2016

Von Hirtenhunden


Gott und ich haben unseren Test bestanden! Ich wollte ja ein Baby, aber Gott war stets dagegen, und wenn man partout nicht zur Tat schreitet, ist es natürlich irgendwann zu spät. Na gut, wir haben ja Poire, die macht momentan genug Ärger, denn sie weigert sich, auch nur ansatzweise Laufen zu üben. Warum will sie sich nicht fortbewegen?, frage ich Gott beunruhigt und betrachte das kleine Wesen, das entspannt auf dem Bauch liegt. Anstatt durch die Gegend zu robben. Das kommt noch, sagt Gott dann stets. Er ist ein Optimist. Delphi hat sich damals auch nix aus Laufen gemacht, aber sie ist auch verdammt früh auf die Welt gekommen. Damals habe ich ihre Muskeln trainiert, damit sie nicht dahinschwinden, bevor sie jemals ausgebildet werden konnten. Man macht sich immer schreckliche Sorgen, heute läuft Delphi wie alle andere auch. Der Chief indes nicht mehr, ständig sackt er weg. Also trage ich hier bald jeden durch die Gegend. Und da der Chief so alt ist, können wir auch keinen Welpen mehr zu uns nehmen. Ich habe nämlich einen quasi adoptiert: Pippa. Sie stammt aus dem P-Wurf, also mussten alle Kleinen mit einem P-Namen getauft werden. Man konnte die Videos vom Füttern sehen. Ich wollte unbedingt die Kleinste, die nie etwas zu futtern abbekommt. Wär's ein Junge gewesen, hätte er Percy geheißen. Nun nenn ich Pippa mein Pipschen. Und bis sie eine Familie gefunden hat, unterstützen wir die Kleine ein wenig. Letztens ging's ihr schlecht, einer ihrer Brüder, der Paul, ist sogar gestorben. Alle bekamen Infusionen. Tja, so kann's gehen. Zurück zum Test. Da wir keinen Welpen nehmen können, dachte ich an einen anderen Hund. Das kommt jetzt nicht wieder als blöde, undurchdachte Idee von mir, nein, das kommt von der Tierpension. Denn der Walks versteht sich hervorragend mit älteren, netten Hunde-Ladies. Da man kaum noch mit ihm spazieren gehen kann, wäre es also ideal, wenn er eine Freundin finden würde, die ihn akzeptiert. Und hinter der er dann herdackelt. Und auch im Garten noch eine Menge Spaß haben kann. Das Gangbild ändert sich komplett, sagte die nette Dame aus der Pension, wenn Hunde unter sich sind. Ich warf Gott einen Blick zu. Und fasste einen Entschluss.
Und so saßen wir also der super netten Dame gegenüber und beantworteten Fragen. Ich erzählte ihr vom Schwubb-Himmel, denn alle Hunde kommen in den Schwubb-Himmel, Gott räusperte sich. Manchmal denke ich, ich bin ihm peinlich. Auf alle Fälle haben wir die Fragen richtig beantwortet, denn den Vortest haben wir bestanden. Wir sind jetzt als Pflegestelle angenommen. Oder eben nicht, denn weil der ChiWa schon so alt ist, können wir ja nicht einfach einen Hund zu uns nehmen. Daher warten wir jetzt, wie er die Zeit in der Pension hinbekommt. Und suchen eine Freundin, die ihn exakt so akzeptiert wie die kleine Bärbel ihn akzeptiert. Hey, Alter, sagt die, komm, wir drehen noch ne Runde im Garten. Und dann erhebt sich der Chief schwerfällig, und die zwei drehen noch eine Runde im Garten. Cool. 
Morgen kommen Loulou und Kira aus Rumänien an. Loulou sieht aus, als sei sie die Ururenekelin vom Chief. Eigentlich sieht sie aus wie er, selbst der Fleck auf dem Köpfchen ist identisch. Abgesehen vom Alter könnte man die zwei verwechseln. Kira ist so ein Knäuel, das Kirschchen nenn ich sie. Eventuell werden wir eine der Ladies kennen lernen. Aber die Dame, die Gott und mich getestet hat, schien mir derart kompetent, dass wir gar kein Hundetreffen organisieren werden, wenn ihr die beiden zu wild erscheinen. Sie will jemanden suchen, der so entspannt scheint, dass er zum Chief passen könnte ... A voir ! Und hoffen!!! Und passend zum Thema hab ich heute Nacht geträumt, man hätte mir einen Preis verliehen. Wow. Tja, einst schrieb ich eine Kurzgeschichte und gewann gleich mit meinem ersten Text einen Preis. Dann kamen einige andere kurze Texte, dann Kitty-Feel-Good und der scharfe Tomtom. Lou, die mir am liebsten ist usw. Inzwischen habe ich die Schreiberei an den Nagel gehängt, es gibt so viel Wichtigeres zu tun. Wenn man von alten und jungen, hilflosen Wesen umgeben ist. Doch heute Nacht also träumte ich, ich hätte ein Buch geschrieben, das mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Aufregend! An den Titel erinnere ich mich genau: "Von Hirtenhunden und Elsässern".
Der Titel passt gar nicht zu mir, sagte ich am Morgen verstört zu Gott. Worum soll's da denn gehen?, überlegte ich. Gott schien unbeschwert. Das können wir dann ja demnächst lesen, sagte er. In dem preisgekrönten Roman: Von Hirtenhunden und .... Und da wir uns grad so nett unter Kollegen unterhalten, fragte ich spitz: Hat dein Bestseller eigentlich auch schon einen Titel? Wie einst ein Monegasse über einen Felsen stolperte und Genua einnahm, sagte Gott. Ich zog eine Schnute. Denn - selbst wenn das eine historische Abhandlung wird, klingt es doch wesentlich aufregender als ....



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