Donnerstag, 13. Oktober 2016

Wert


Ich habe meine Lieblingsnews geschrieben! Die war's mal wert. Und? keiner liket sie, war ja klar. Also schaue ich mich woanders um. Ein AG bittet um einen Text, der potentiellen Kunden sein Gewerbe näherbringt. Doch es ist unmöglich zu eruieren, was genau sein Gewerbe ist. Der steckt tiefer im Dilemma als ich selbst. Der nächste möchte eine Beschreibung eines Produktes. Das scheint mir simpel, aber die Vorgabe lässt mich stutzen: Versuchen Sie, keine rassistischen Beleidigungen einfließen zu lassen. Ich runzle die Stirn. Mist, nix für mich, gerade bei dem Produkt lasse ich mich nur allzu gern zu den schlimmsten .... Also, wie kommt der AG bloß auf diese Vorgabe? Hat er bereits Erfahrungen gesammelt? Die Schweiz ist für dieses Produkt bekannt, hat jemand, der das schreiben wollte, in seinem Text die Schweizer angepöbelt? Ich klick das weg. Zu strange. Jemand andres sucht eine fundierte Einschätzung des Immobilienmarktes in X. Der Text wird Journalisten als Grundlage für Sachartikel dienen. Ah! Guter Journalismus, der bezahlt werden muss. Doch, doch, nicht jeder Journalist ist investigativ unterwegs. Oft sitzen die einfach nur rum und schreiben das, was ihnen vorgelegt wird. Immer öfter korrigieren sie auch nur, was Praktikanten geschrieben haben, ist billiger. Die von der alten Schule nörgeln ständig. Dabei waren die meist nie auf der Uni. Ich bin kein großer Freund der Stätte der Intelligenz und Wissenschaft, doch einige wenige Uni-Stunden haben mein kleines Köpfchen indes sicher zum Grübeln gebracht. Der Dings war niemals auf der Uni. Damals allerdings - als die Sache so ganz groß war - in Wimbledon. Am Abend wurde er angerufen, am nächsten Morgen schon vor Ort. Leider hatte ihm niemand Karten gekauft. Also hat er exklusiv! Fotos vom Publikumsrang geschossen. Mit einer Schwarzmarktkarte, die ihn in den Ruin gestoßen hat. Und auf dem Rückflug saß er dann - der Zufall will es ja zuweilen so - direkt neben dem Dings. EXKLUSIVINTERVIEW! Die Schule des Lebens. Karriere der harten Hunde. Ich klick den Auftrag ebenfalls weg, sonst gibt es am Ende noch offizielle Expertisen in der 'guten' kompetenten Presse, die sich auf meine Analyse des Immobilienmarktes in X beziehen. Wie absurd wär das? Einer scheint okay, den nehm ich, die Sache läuft zügig, er ist begeistert. Weiter geht's. Ich mache mir Gedanken. Die nächste Sache ist eine echte Herzensangelegenheit. Ich mache sie zu meiner. Und grübel, gehe meinem Hobby nach: Ich stelle einige Fragen. Du zerbrichst dir ja nicht nur deinen Kopf, murrt Gott. Sondern auch den der anderen. So wird das nie was! Ich winke ab. Und stelle weitere Fragen. Haben wir jetzt auch noch Unternehmensberatung als neue Leidenschaft entdeckt, murrt Gott weiter. Ich runzle wieder die Stirn. OHHhhh JA. Zu meinen zahlreichen Hobbies gehört nun auch noch die Unterstützung von Unternehmen. Sollte mir das Konzept gefallen - wie dies hier. Ich schreibe flink nach Vorgabe, die meine Herzensangelegenheit geworden ist. Ich insistiere auf Kompetenz und Leidenschaft. Dann zieh ich eine Schnute. Zu lang. Ich streiche 100 Wörter, immer noch zu lang. Gott, den Murrer, frag ich nicht. Ich wende mich an ein Forum, von dem ich bis eben nicht wusste, dass es existiert. Mist. Sofort antwortet mir ein Mann! War ja klar. Sehr nett und hilfreich übrigens. Aber ich hätte auch Gott fragen können. Den eigenen Wert verkaufen - der Typ lacht über mich. Und hat Recht. Ich maule rum. Kompetenz und Leidenschaft, ich weiß nicht mehr, was ich streichen kann. Und ... Gott nimmt mir die Vorlage aus der Hand. Kompetenz und ..., ich rufe ihm das nach, er winkt ab. Hat er sicherlich schon verstanden. Und? Kommt eine Weile später wieder runter. Daumen nach oben. Er liket das??? Was hast du gestrichen?, frage ich nervös. Gott reicht mir den Text. Kompetenz und Leidenschaft, sagt er. Ich blätter mich durch. Fast nix gestrichen. Also, ich ... Denn Gott ist ... Oh ja!


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