Freitag, 16. September 2016

Prägung



Erwachsene Frau.
Also - ich blätter durch die Zeitung und lese von einem Giallo, ich denke, den kenn ich schon. Man könnte noch mal reinschauen, muss man vielleicht nicht - obwohl! Hätten die damals was zu erzählen gehabt ... Filmisch ist das meistens top. Tja. Der Text zum Film gefällt mir, dennoch runzel ich die Stirn, wenn ich lese: Okay, eine Frau wird gequält ... Usw. Klar. Kann passieren, passiert zuweilen sogar. Ich leg die Zeitung weg. Ich muss den Lindbergh immer noch beenden, da gab's zu viel Chaos in der letzten Woche, immer ist was wichtiger. Ich schau mal in eine andere Zeitung, was da so zum Starfotografen steht. Gleich neben dem ersten Bild der Models steht: Erwachsene Frauen - immer noch schön! Ich leg das weg. Man muss wahnsinnig vorsichtig sein - mit dem geschriebenen Wort. Vieles ist ja gar nicht falsch, was man so aufs Papier kritzelt. Ich betrachte Gott. Er ist ja grad kein alter Mann, vielmehr möchte man sagen: Ein Mann in den besten Jahren! Du bist ein erwachsener Mann, sage ich also zu ihm. Und immer noch schön!, Gott wirft mir so einen ganz sonderbaren Blick zu. Vermutlich fühlt er sich mal wieder verarscht. Ich schaffe das ständig. Missverständnisse. Dabei sage ich nur die Wahrheit. Ich übertrage zugleich geschriebenes Wort. Aber Männer und Frauen sind nun mal nicht gleich? Berechtigt. Gestern fiel mir plötzlich 'The Outsiders' ein, Gott wollte das nicht sehen, wir machten - à propos Gleichberechtigung - einen Deal. Erst Outsiders, dann darf er sich was wünschen. Sicher kommt er an diesem WE mit einem fünfstündigen Samuraifilm mit Untertiteln an. Na ja, Deal ist Deal. Outsiders ist kein guter Film. Als ich jung war, war ich der Meinung, das sei ein klasse Film zu einem super Buch. Irrtum. Der Film hat ein mieses Skript, ist irgendwie mies getimt. Coppola hatte sicher nur an wenigen Szenen seinen Spass. Tja. Ich hab diesmal auch nicht geweint, als das böse Sensibelchen zum Schluss umgenietet wurde. Damals habe ich Sturzbäche vergossen. Tja, wenn der wirklich Gute stirbt, dann leidet man. Auch als Tom, er hieß doch Tom?, getötet wurde, hab ich schrecklich geheult. Reich und Arm. Papa hat mir damals dann das TV ganz verboten. Aber selbstverständlich hab ich trotzdem geschaut - und? Seitenwechsel! Als später, aus Rache Falconetti umgebracht wurde, war ich schon wieder in Tränen aufgelöst. Schwere Kindheit. Wir heulen nicht, bestimme ich also und betrachte nachdenklich Poire. Heulen stellt sich im Nachhinein zumeist als Unsinn heraus. Und du wirst kein Socs, sage ich streng, Poire schaut nachdenklich. Wir hassen die Socs, fahre ich fort. Dämliche Lackaffen, ich würde gern noch etwas fortfahren, aber Gott wirft mir einen Blick zu. Ich indes greife also zum Buch zum Film, statt Märchen werde ich Poire lieber mal die Outsider vorlesen. Schauen wir mal, ob das Buch besser ist als der Film. Robin kommt mit dem Telefon angerollt. Es ist Serge, sagt er. Du musst mit ihm sprechen! Muss ich eigentlich nicht. Serge war in der letzten Zeit nie da. Und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben, absenter Mann - das kenn ich schon. Wenn die Sache ist, wie sie ist, ignoriere ich sie. Jetzt nicht, sage ich also. Robin wirft mir einen Blick zu. Der Engländer schüttelt den Kopf, er scheint enttäuscht. Poire beginnt zu heulen. Socs!, sagt Gott. Ich kratze mich am Kopf. Und nehm den dämlich Hörer.


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