Donnerstag, 1. September 2016

In vollster Zufriedenheit


Da ich mich als miserable Schülerin in unserem Diplomatie-Kurs erweise, beginnt Gott unsere Stunden stets mit einem Vortrag über das heitere Gemüt. Die Fakten habe ich inzwischen verinnerlicht. Bei der Umsetzung hapert's noch. Da ich gern zum Kern der Sache vorstoße, hake ich nach: Unstimmigkeiten, sage ich und schaue auf die Uhr. Kommunikation, präzisiert Gott. Oft basieren Unstimmigkeiten allein auf einem Missverständnis, nimmt Gott den Gedanken auf. Ich wiege nachdenklich zweifelnd den Kopf. Gerade in dieser Hinsicht ist sprachlicher Feinschliff gefragt, fährt er sodann fort. In aller Freundlichkeit und Deutlichkeit sollte man seinen Standpunkt vertreten. Das sehe ich ein. Das mache ich gern. Doch Rummaulen, wie ich es gern tu - macht schnell unsympathisch. Der Diplomat kann lauschen, sagt Gott sodann. Ich nicke, weil es plausibel klingt. Wie die Psychopathen. Der Diplomat schlägt im Zweifel den Umweg ein, nimmt Gott den Faden wieder auf. Ich seufze. Ohne jemals sein Vehandlungsziel aus den Augen zu verlieren. Klar! Diplomatie konzentriert sich immer auf den gemeinsamen Kern der Sache, sagt er. Ich horche auf, denn schnell entgeht mir der gemeinsame Kern bei einer ... Unstimmigkeit. Ein Manko! Diplomatie kennt keine Emotionalität usw. Gott ist da wirklich gewiefter Profi. Und ich? Eine Xanthippe. Trotz aller Bemühungen, ja, das ist traurig. Und ständig nörgel ich an den Kunden rum. Anstatt? Einen Blick ins Konto zu werfen. Und ich staune! Und lese den Betreff: In vollster Zufriedenheit mit Trinkgeld - steht da. Wow. Und was für ein großzügiges Extra! Umgehend bin ich heiteren Gemüts. Schau mal!, rufe ich Gott. Siehst du das Plus? Zur addition? Gott nickt. Da hast du den Beweis, sagt er. Diese Rummaulerei ..., ich bestätige das. Ist nur böse! In vollster Zufriedenheit, murmel ich und reibe mir die Hände. Prima! Nun, beginnt Gott, das Adjektiv 'voll' kann eigentlich nicht ..., ich werfe ihm einen bösen Blick zu.


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