Montag, 5. September 2016

Endlich


Da es ja bei uns mit der Kunst nicht weit her ist, freuen wir uns nun endlich mal wieder - quasi offiziell - Zeit zu haben, ein Photobuch goutieren zu dürfen. Dies nämlich - zur Lindbergh-Ausstellung in Rotterdam. Und da ich ja bislang Franzosen wie Sieff und Jonvelle den Vorzug gebe, ist das nicht nur eine feine neue, so neu ja auch nicht, Erfahrung, sondern auch äußerst informativ. Da macht nicht nur das Gucken Spaß, sondern auch der zusammengefasste Input von Wissen, das wir Alten ja alle selbst erlebt haben. Eine spannende Sache - da möchte man tatsächlich mal wieder ein Museum besuchen. Tja, da wir momentan ja eigentlich im September-Urlaub wären, den wir dieses Jahr indes in den Frühling vorverlegt haben, erinner ich mich kurz an den Ausflug ins wunderbare Dior-Museum. Es war herrlich. Nur etwas heiß. Serge blieb mit Poire und dem Chief draußen vor der Museumstür, geh du ruhig, sagte er großzügig und setzte sich mit den beiden in den Schatten. Der Hund durfte eh nicht rein, mit Poire im Wagen wäre es in der kleinen Villa schwierig gewesen. Und auch zu stickig. Also gut, Serge war selbstlos, ich ging allein. Der Garten ist wunderschön! Ich machte Fotos und sofort hatte ich einen neuen Freund. Das wird 'une très belle photo', prophezeite er stets, sobald ich rumknipste. Netter Mann! Dann wandelten wir ein wenig weiter in den Park - immer mit Blick aufs Meer, und er schwärmte mir von der Belle Epoque vor. Da er das Reden selbst übernahm, bezweifel ich, dass er überhaupt bemerkte, dass ich keine Französin bin. Für die Rosen sind wir etwas früh, stellte er fest, als wir den Rosengarten betraten. Wollen wir langsam einen Blick ins Museum wagen?, fragte mein neuer Freund etwas später. Er war mindestens 10 Jahre älter als Gott. Wir betraten die Villa. Es war großartig. All die Bilder, die Artikel. Und klar - die Kleider! Mein Freund und ich gerieten ins Schwärmen. Doch dann musste ich ihn und die Ausstellung irgendwann verlassen, da draußen ein Mann mit Kind und Hund in brütender Hitze warteten. Nun ja. Serge - damals noch in Freiheit. Wir verstanden uns gut. Auch noch am Strand. Doch dann gab's im Supermarkt nur Dosenbier! Kann nicht sein, sagte ich, da ich draußen bei Poire geblieben war. Wir betraten gemeinsam den Laden, Serge zeigte mir ganze Wände leerer Regale. Die Regale, wo einst Bier in Flaschen angeboten wurde. Streik, zuckte der Filialleiter die Achseln. Von der Spedition. Flaschen sind hier überall seit Tagen ausverkauft. Und das war's dann mit der guten Ausflugs-Laune. Ach ja, Serge. Er fehlt mir natürlich ein wenig. Aber dafür ist meine neue Jungs-Truppe bislang derart nett! Und alle erklären mir alles. Selbst meine dämlichsten Fragen. Gibt's hier eigentlich kein Mädel? Nein?, frage ich. Gut. Dann kann man ja auch mal einer älteren Dame bei Startschwierigkeiten hilfreich unter die Arme greifen. Und nachdem ich ein wenig rumgemurkst hab, der Dings die Fehler bereinigt hat, mich indes beruhigt 'alles gut!'. Und der andere neue Lieblings-Dings mir dann haarklein erklärt hat, was ich wieder falsch gemacht hab, schnell wieder zurück zum Lindbergh. Du musst unbedingt bessre Fotos machen, sage ich zu Gott. Technik, Licht und Schatten und ... Erstaunlicherweise nickt Gott. Womöglich denkt er an andere Models als Inès. Womöglich möchte er auch noch in die Fotografie-Geschichte als 'der Mann, der die Frauen liebt' eingehen. Tja. Trotzdem - unser Lieblingsphoto bleibt? Gott nickt, ich hab's ihm gerahmt über seinen Bürotisch im Olymp gehängt.



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