Mittwoch, 10. August 2016

Wie lieb ...


Ständig muss ich neuerdings aufpassen, dass ich mich nicht ununterbrochen wiederhole. Texte für Suchmaschinen verfassen, prägt den Charakter. Und die Suchbegriffe im schriftlichen Verkehr bitte immer fett drucken. Die Sache läuft, Gott geht nur kurz über meine Texte drüber, je schneller ich schreibe, desto besser. Nicht unbedingt, sagt Gott und reicht mir meine Texte zurück. Die Zwischenüberschrift 'Verwöhnen Sie sich selbst - bei einem Bummel über die Sündige Meile' hat er unterkringelt. Und auch am Text zum günstigen privaten Zimmer in Dings, das muss in exakt der Kombi mindestens 10x im Text auftauchen, mäkelt er. Übergang!, hat er an den Rand geschrieben. Wieso? Wer sich für ein günstiges privates Zimmer in Dings entscheidet, bucht zuweilen tatsächlich nur ein Schlafzimmer, kann dann aber das WC mit dem Vermieter teilen. Ein direkter Kontakt zu den temperamentvollen Italienern hat viele Vorzüge ... usw. Ich ändere den Übergang. Fast gebe ich zu, es gibt geistreichere Beschäftigungen, aber wir reisen nun ständig. Manchmal an 5 Orte, an einem Tag. Und Rom mit luxuriösem Whirlpool war schon klasse! Oder nicht?, frage ich Gott, warte aber gar nicht seine Antwort ab, denn draußen bahnt sich mal wieder ein Streit an. Du hast verloren, ich bin IMMER der ERSTE!, brüllt unser neuer Hausfreund Kleine-Claus an. Wie wir wissen, lässt der sich allerdings rein gar nichts sagen, schon mal gar nicht von Älteren. ICH war der ERSTE!, brüllt er zurück, ich greife in die hitzige Debatte ein. Bei uns ist immer der ERSTE, der zuerst im Ziel ankommt, verkünde ich. Beide Herren scheinen der Meinung, das sei ihnen gelungen. Bevor der Streit eskaliert, lenke ich von der Auseinandersetzung ab. Sind dir die Äpfel gestern bekommen?, frage ich den kleinen Satansbraten. Sehr gut, behauptet der, verzieht indes bedenklich das Gesicht. Gestern ließ er mich nämlich wissen, ich sollte mich mal dringend um meine Äpfel kümmern. Damit meinte er das kleine Fallobst, Miniäpfel, die noch längst nicht reif sind. Die kann man noch nicht essen, sagte ich. Oh doch, behauptete er. Da können Sie viel Geld sparen, wenn Sie nicht im Supermarkt einkaufen gehen. Probier, bot ich ihm einen Apfel an, und er biss tatsächlich rein. Aß gleich noch zwei, ich hatte schon Bedenken, dass ich am Abend Ärger mit seiner Mutter bekommen würde, und auch Kleine-Claus warf mir einen argwöhnischen Blick zu. Ich muss sehr aufpassen, momentan stehen wir in einem steten Duell. Wenn ich Kleine-Claus etwas verbiete, hab ich ihn nicht lieb. Wenn ich etwas besser weiß, oder aufräumen anordne, hab ich ihn nicht lieb. Und wenn ich seinen neuen Besserwisser-Freund vergraule, hab ich das Kräftemessen endgültig verloren. Gestern hab ich die beiden erwischt, wie sie den alten Bauwagen abfackeln wollten. Ich kommandierte beide nach Hause. Jungs sind Jungs, sagte Gott. Du musst schimpfen, sagte ich ärgerlich. Gott schimpfte, und wenn Gott schimpft ... Zweifelt selbst Kleine-Claus nicht an der Gerechtigkeit der Sache. So viel zur Gender-Debatte. Wollt ihr etwas Sinnvolles tun?, frage ich die beiden nun. Kleine-Claus legt herausfordernd seinen Kopf in den Nacken, der freche Besserwisser ist naiver? WAS?, ruft er interessiert. Ihr sammelt all die kleinen Äpfel auf und sammelt sie in einem Korb, schlage ich vor. Kleine-Claus zieht skeptisch die Augenbrauen hoch, das würde er, jetzt, da er groß ist, niemals tun. Der Besserwisser aber kennt noch keine Garten-Fronarbeit und von Äpfeln hat er eh keine Ahnung. AU JA!, ruft er begeistert, er hat zwei Brüder und ist wohl zuhause auch immer der LAUTESTE. Dann mach ich euch gleich auch eine .... PIZZA????, brüllt er. Mit großen, viel versprechenden Augen nicke ich und hole einen Fallobst-Korb. Und ein Eis, sage ich. SUPA!, lautet die gebrüllte Antwort. Deine Oma ist KLASSE!, brüllt er, ich hoffe, das haben die Nachbarn auch gehört. Kleine-Claus betrachtet indes grimmig seinen Freund. Er wirft mir einen Blick zu, ich zucke die Achseln und mit einer aufmunternden Geste lade ich ihn ein, sich ebenfalls nützlich zu machen. Kleine-Claus mustert mich, er weiß, die Runde ging an mich. Ich werde seinem vorlauten Besserwisser-Freund nicht die Leviten lesen. Bald sind die Ferien vorbei, ich hab dich lieb, raune ich ihm ins Ohr. Pfff, antwortet der. JETZT hilf doch mal, ich hab schon fast ALLE aufgelesen, brüllt der neue Freund. Ein eifriger Arbeiter. Ich schlender zurück zu Gott. Sag mal, frag ich ihn, wie lieb hast du mich eigentlich? Gott schaut auf. Ja, wie sehr liebst du mich?, präzisiere ich. Wie sehr?, wiederholt Gott, als wäre das eine noch niemals gestellte Frage. Ich mach Pizza.



~


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen