Mittwoch, 3. August 2016

The good life


Zuerst treffe ich die Dings, sie war mal ganz ganz früher eine Art Tante von mir. Sie hat mir gezeigt, wie man bügelt, die Fenster putzt, völlig geschmacksneutral kocht, doch - das Würzen erlernte ich erst später, und all die vielen Dinge, die eine Fünfjährige erlernen muss, wenn sie mal einen Mann glücklich machen will. Zudem sind wir viel unterwegs gewesen, in der Stadt, im Dorf und? Du wolltest immer raus zu den Hasen, erinnert sie sich. Oh ja, denn was Hasen alles anstellen können ... Purzelbäume schlagen, mit ihren Ohren in die unterschiedlichsten Windrichtungen zugleich lauschen, über Zäune springen usw. Spannend! Wie geht's?, frage ich also. Sie zieht ein Gesicht, beschissen wäre übertrieben, beginnt sie und führt dann nur die wichtigsten Eckpunkte an, um diese Aussage zu untermauern. Zwischendurch schaue ich mal verhalten auf meine Armbanduhr, so ein beschissenes Leben gibt es nämlich nicht in der Standardausführung, da wird ins kleinste Detail geforscht. Du hast es eilig, stellt sie fest. Ich halte dich auf. Überhaupt nicht, lüge ich, ganz im Gegenteil! Sie nimmt meine Höflichkeit auch gleich als Einladung, um weiter zu erzählen, und plötzlich lausche ich genauer. Jetzt, da die Enkel sogar schon aus dem Haus sind, beginnt sie, ich dacht, vielleicht könnte ich mal mit der Kleinen spazieren gehen. Mit Poire? Warum nicht? Du hast doch immer so viel zu tun, sagt sie, ich bestätige das. Oder hin und wieder was kochen, ein bisschen im Haushalt helfen. Uih!, was für eine famose Idee! Nachwürzen kann man immer. Einfach mal wieder etwas nützlich sein, sagt sie kleinlaut. Und dabei kann ich ihr wirklich helfen, gar kein Problem! Wir verabreden uns direkt für morgen. Eine Haushaltsfee, die sich um Poire kümmern will, der Himmel schickt einem immer wieder und ganz unerwartet die schönsten Geschenke! Prima.
Daheim indes wartet die Absage von der Wald-Kita auf mich, wir hätten Poire wohl drei Jahre, bevor sie sich für ein Erdenleben entschied , anmelden sollen. Nächstes oder übernächstes Jahr vielleicht, wenn jemand von der Warteliste abspringt. Ich seufze. Wenn Serge und der Engländer mal wieder im Haus sind, werde wir einfach zu dritt und persönlich um ein Gespräch bitten. So vieles kann zwischenmenschlich gelöst werden. Mit etwas gutem Willen! Und mir liegt es nun einmal am Herzen, dass Poire in der Natur aufwächst.
Ich überlege, wie's wäre, wenn Gott ein Gangster wär! Och, sofort gerate ich ins Schwärmen. Also gut, momentan schauen wir ja Underbelly, das mag mich inspirieren. Und seit Alphonse ins Gras gebissen hat - wir sehen übrigens sein Foto, das er der Polizei überließ in diesem Clip,  auf 00,36 - wird die Serie nicht wirklich besser. Trotzdem kann man's gut schauen und es gibt einen Lichtblick! Nämlich Carl, der hier auf seine Traumfrau trifft. Wieder mal seufze ich. Also, wenn du ein Drogenlabor am Laufen hättest und in den Knast müsstest, sage ich zu Gott, ich würd den Laden auch allein schmeißen. Gott runzelt die Stirn. Klar, als Frau ist es immer etwas schwieriger - sich Respekt zu verschaffen, überlege ich, aber ... Ich hätte da schon einige Idee. Gott nickt, dann mach ich mir in dieser Richtung keine Sorgen, sagt er. Ich bestätige, dass das nicht notwendig ist. Übrigens, sage ich, ich musste deinen Probetext ganz umschreiben. Gott wirft mir einen bösen Blick zu. Ich zucke die Achseln. Der war viel zu gut, sage ich, der kam zurück. Also. DAS!, beginnt Gott mit erhobenem Zeigefinger und steht plötzlich mitten in der Küche. Ich nicke, DAS hat ihm noch niemals jemand gesagt. Stets preist und lobt man ihn für seinen genialen Feingeist, der sich sprachlich in die höchsten Höhen wirbelt und jetzt? Kaum sind wir groß in die Reisebranche eingestiegen, schon erkennt man das Genie nicht mehr an. Da war ich ein Mal besser als er! Wir könnten das auch feiern, murre ich. Meine Version wurde hochgelobt, tippitopi mit Sternchen - Gehaltserhöhung. Gott kann es nicht fassen, er geht zum Kühlschrank und greift nach einem Bier. Das ist ja warm, moniert er. Robin, der das auch bereits anmerkte, prostet ihm mit einem warmen Bier zu. Tja, so ist es halt, Bier kalt stellen - das ist meine Aufgabe. Gott hat immer viel zu viel wichtige Dinge zu tun, um Bier aus dem Keller zu holen und es in den Kühlschrank zu stellen. Robin kommt mit seinem Rolli gar nicht in die untere Etage, also? Frauensache! Doch kaum kümmert man sich ums good life - vernachlässigt man den Haushalt. Du sollst eh den Whiskey trinken, rüge ich Gott. Dafür hab ich den schließlich gekauft. Gott will es nicht auf sich sitzen lassen, dass mal ein Text von mir besser war als seiner. Mit einem doppelten Whiskey bewaffnet, setzt er sich wieder zu mir an den Tisch. Wo ist die Themenliste?, fragt er, ich reich sie ihm. Die Vorlage?, ich reich sie ihm. Und dann schreibt Gott drei Texte - Barcelona im Regen; Camping bei Stockholm; Musicals in Wien mit Haustieren. Beim ersten Text kratzt er sich noch am Kopf und braucht geschlagene 45 Minuten. Die nächsten beiden schreibt er in einem runter. Die Feder, - er schreibt immer mit einem alten Füller mit Goldspitze -, fliegt nur so übers Papier, ich stoppe die Zeit, kaum 20 Minuten für einen Text. So wird's langsam wirklich lukrativ. So, sagt Gott und kippt den Rest Whiskey hinunter. Reich's ein. Ohne Änderungen! Ich überfliege die Texte, Gott ist sehr klug, er lernt schnell. Barcelona im Regen kommt in seinem Barcelon im Regen-485-Wörter-Text geschlagene 13x vor. Okay, auch wenn mir Gott kein Drogenlabor überlassen wird und auch kein Pate ist. Aber in diesem Tempo erschreiben wir uns ganz sicher und geschwind - das good life! Keine Frage.


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