Sonntag, 21. August 2016

Sonntag


Sonntag ist in der Stadt nix los, und da gestern ein hässlicher Zwischenfall unseren Stadtbummel-Versuch bereits vorab verhagelte, versuchen wir's heute gleich noch mal. Wir können auch schon wieder Wasser zapfen, an der sagenumwobenen Quelle. Also los! Robin kommt wieder nicht mit, er ist etwas depressiv in letzter Zeit, ich sollte mich sicherlich kümmern, aber ... Jetzt fahren wir eben ohne ihn - den Glücklichen.
Obwohl der Chief die letzten Wochen sehr gut gelaufen ist, läuft er nicht mehr weit. Also fahre ich direkt zum Domplatz, der ist neu gemacht, den wollte ich mir eh anschauen. Leider ist irgendeine wichtige Messe im Dom, es ist alles komplett schräg und quer zugeparkt. Und obwohl bereits Parkchaos herrscht, kommen immer mehr Wagen. Eine ältere Dame steuert auf ein Auto zu und richtet sich im Außenrückspiegel die Haare. Meinst du, sie fährt, frage ich Gott. Wenn sie ihre Haaren in Form gelegt hat, womöglich schon, antwortet Gott optimistisch. Falsch, nachdem sie mit sich und ihrem Äußeren zufrieden scheint, nimmt sie einen Seiteneingang in den Dom. Sie wollte sich nur hübsch für ihren Gott machen, klar. Wir cruisen noch ein wenig durch die Gegend, dann geb ich auf. Und fahre auf die andere Seite, ich parke. Also hier ...!, beginnt Gott und liest ein paar Schilder vor, die da irgendwo hängen. Aber es ist Sonntag - und die Stadt? Wegen Überfüllung fast schon geschlossen. Nun ja, jetzt ziehen wir also los. Bevor wir Wasser zapfen, wollen wir ein wenig über den Domplatz schlendern. Vielleicht ein Eis essen? Was man halt so macht, wenn man mit Kind und Kegel usw.
Doch der Chief bockt. Wir nehmen diesen kleinen Berg, vermutlich geht's dem Chief heute wirklich nicht gut, Gott trägt ihn ein Stück den Hang hoch. Poire spuckt, das ist nicht gut. Geh schon mal vor, sage ich zu Gott. Der Hund geht nicht, sagt er. Total-Panne nach 60 Metern. Wir legen eine Rast ein. Nehmen etwas später eine Routenänderung vor, vielleicht doch erst Wasser holen. Um zu schauen, wie's den ganz Kleinen und Alten zwischenzeitlich geht. Heute läuft er nicht, stellt Gott fest. Er hat irgendwas, ich nicke. Poire lacht wenigstens wieder. Ich bin etwas angespannt. Und da wir ja wieder unten den Parkplatz passieren, sehe ich, dass an der Bibliothek zwei freie Plätze sind. Im Schatten! Wenn ich mich da fix hinstelle, kann der Chief ein paar Minuten allein im Wagen bleiben. Ich park um, sage ich zu Gott, der nickt. 
Doch leider! Ein Mann hat geliehene Bücher in die große Bücherrückgabe-Kiste gebracht. Dazu ist er mit seinem Wagen bis vor die Kiste gefahren. Natürlich! Nun verbarrikadiert er die Zufahrt zum Parkplatz. Eine Frau möchte den Parktplatz verlassen, wir haben jetzt also drei! freie Parkplätze vor der Nase. Was ist los?, fragt sie den Mann. Sein Wagen springt nicht an. Er versucht's noch ein paar Mal, bis der Motor völlig abgesoffen ist. Die Frau mault rum, sie muss nach Hause. Keine Chance! Ich setze also rückwärts wieder um die Kurve, über die Brücke zurück. Nicht gerade meine Spezialität in dem großen Cruiser, den Serge für Familienausflüge gekauft hat. Anstatt das spektakuläre Manöver zu dirigieren, sehe ich im Rückspiegel Gott, der sich die Augen zuhält. Vermutlich ramm ich gleich irgendeinen Pfeiler. Ich setz noch mal vor, zurück, wieder vor. Und dann reicht's, Räder stehen grade! Rückwärtsgang! Augen zu und Gas! Ich parke dann direkt am Bach, da ist auch Schatten. Wir setzen sodann den Chief ins Auto und holen noch schnell Wasser. Was für ein schöner Ausflug. Schau, sage ich zu Poire, gleich da vorn ist der Dom. Wir schaffen's nur heute nicht bis dorthin. Poire nimmt's gelassen. Vermutlich ist sie auch kein Stadtkind. Der Dom scheint sie nicht zu interessieren.



Ich seufze, es gibt also keinen Cappu und kein Eis. Und keine Rumschlenderei. Poire lacht aber wieder, der Chief futtert Hundezwieback, und wenn er isst, ist eigentlich alles nicht so schlimm. Genießen wir also die drei Meter zurück zum Auto.



Werfen einen Blick über das Flüsschen, sind das wohl die Quellen?, frage ich Gott. Der zuckt die Achseln. Als Mann, der es gewohnt ist, sich durch den Großstadt-Dschungel zu kämpfen, ist er hier völlig unterfordert. Und resigniert. Schlechte Laune liegt über dem idyllischen Ausflug. Ich werfe einen Blick aufs andere Ufer. Hübsch, da wo die Stadt nicht zerbombt wurde. Und glücklich mögen die sein, die dort wohnen. Sicherlich schaffen sie es zuweilen - bis in die Stadt. 



Uns ist es nicht vergönnt. Auf dem Weg nach Hause landen wir wieder in dieser Umleitung. Weil sie seit ungefähr - wie viel Jahren veruschen die Kanalisation zu optimieren? Immer wenn's regnet, steht der untere Teil der Straße unter Wasser, die Anwohner reagieren ungehalten. Deshalb versucht man, das Problem in den Griff zu bekommen. Ein komplexe Sache anscheinend. Nun, Umleitung ist Umleitung, aber wir stehen irgendwie schon so lange hier. Im Stau. Weil nämlich? Als wir passieren, sehen wir, dass sich ein Auto seitlich quer in den Wald gefräst hat. Wie hat er das denn geschafft? Ich überlege, vermutlich die Rechtskurve beim Abbiegen viel zu schnell genommen. Komplett quer über die Straße in den Wald geschleudert. Das sonderbar zerfetzte Blech auf dem Aspahlt scheint das Straßenschild zu sein. Etwas benommen stehen ein paar jüngere Männer rum. Anscheinend liegt noch jemand im Wald. Hoffentlich hat dieses Abbiege-Schleudermanöver nicht einen Radler erwischt. Der Notarzt ist verständigt. Meine Fresse, sage ich nach einem kurzen Seitenblick ins Auto. Gott hält sich schon wieder die Augen zu. Wir wollen jetzt alle wieder nach Hause!



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