Samstag, 20. August 2016

Säen


Gott entdeckt eine Parklücke und biegt ein. Die sind verdammt praktisch, weil sie wirklich geräumig eingezeichnet sind, da kommt eigentlich jeder rein, selbst ich. Raus allerdings wohl nicht. Hinter uns hupt's. Ganz gewaltig sogar. Gott überlegt, es wird weiter gehupt. Ich steig schon mal aus. Eine Frau hinter dem Steuer setzt vor, nur haarscharf rammt sie bei diesem kühnen Manöver nicht Gottes Gefährt. Sie hält schräg hinter mir, blockiert so ihre Parklücke und die Straße. Ihr Mann ist ja wohl total bekloppt, lässt sie mich wissen und versucht, an mir vorbei einen hasserfüllten Blick auf Gott zu werfen. Der weder mein Mann noch total bekloppt ist. Verdrehung der Tatsachen, antworte ich also. Hier kommt doch keiner raus, ich wollte gerade ausparken, der Typ ist doch ... jetzt benutzt sie ein Wort, das ich aber nicht wiederhole. Ihre Wortwahl lässt sehr zu wünschen übrig. Ich lass mich aber nicht provozieren. Diplomatie. Versuchen Sie's mit dem Rückwärtsgang, schlag ich vor. Sie zeigt mir einen Vogel, lässt stattdessen lieber den Motor aufheulen. Da krieg ich aber Angst. Setzt er jetzt vor?, fragt sie, dabei könnte sie ja längst weg sein. Hinter uns hupt's jetzt auch, Madame versperrt schließlich die Straße. Das stört sie nicht. Wohl eher zurück in die Parklücke, sage ich. Er wartet ja nur, dass sie wegfahren. Gott hat indes aber tatsächlich vorgesetzt, die Parklücke vor uns ist inzwischen auch frei geworden. Er räumt das Feld und steigt aus. All das reicht der Dame im Auto nicht, wir mustern uns, so ein Parkplatzstreit ist nämlich reiner psychologischer Krieg. Schlampe, sagt sie ganz überraschend. Damit hatte ich nicht gerechnet. Fettkuh, antworte ich instinktiv, denn sie schleppt schon einige Kilos auf den Rippen mit sich rum. Wir gehen!, sagt Gott aus dem Hintergrund, seine Stimme klingt ungehalten. Die Frau würd jetzt gern aussteigen, allerdings steh ich vor ihrer Wagentür, sie hat sich ja mit uns anlegen wollen und direkt hinter mir gehalten. Zudem bewegt sie sich etwas schwerfällig, sie schnauft, aus der Aktion wird wohl nichts. JETZT, bestimmt Gott, rasch dreh ich mich zu ihm um. Und sehe Enttäuschung in seinem Blick. Ich habe mich provozieren lassen. Mal wieder. Unser Diplomatiekurs? Vergebens! Man sieht es Gott an seiner finstren Miene an, alle Bemühungen umsonst. Denn wer Konzilianz sät, der will irgendwann auch ernten. Gott dreht sich um und geht. Schnell laufe ich hinter ihm her. Tut mir leid, sage ich kleinlaut. Gott nickt und läuft weiter. Ich laufe hinter ihm her, er kann ganz schön schnell gehen. Und ich habe sehr viel gut zu machen. Ein Rückfall. Und Gott war Zeuge. Dennoch dreh mich noch einmal um, die Frau, die nicht ausparken kann, streitet sich nun mit dem Fahrer hinter ihr. Er ist ausgestiegen und zeigt ihr gerade einen Vogel. Prima! Vermutlich fragt er sich, wieso sie immer noch die Straße versperrt. Die Schlange ist inzwischen ganz schön lang, irgendjemand hupt wieder, ich grinse. Wie ich immer sage, die Stadt - ein Sündenpfuhl. Und voller Fallgruben.


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