Montag, 22. August 2016

Letzte Nacht


träumte ich, Gott hätte was mit Ananda. Poa, war ich sauer. Sicher, Henry Gott ist ein freier Mann und kann treiben, was er will. Keine Frage. Trotzdem. Ich stellte ihn zur Rede. Es ist eine Art väterliches Projekt, erklärte er. Pfff, ich schaute mir Ananda auf ihrem Profilbild noch einmal genauer an, väterliches Projekt - klar! Ananda hatte nämlich einen Blog, und Gott daraufhin beschlossen, so ein feines und ehrgeiziges Projekt müsse er unterstützen. Ananda war groß, blond. Äußerst attraktiv, was sie auf ihrem Profilbild gekonnt in den Vordergrund zu setzen wusste. Und jung. Gott und ich stritten, er meinte, das ginge mich rein gar nichts an. Schon wahr, aber ... Ich kochte vor Wut! Da die Trainerin stets sagt, ich ginge die Sachen zu wild an, hat sie mir die kühlende Kanonenatmung als Aufgabe mit auf den Weg gegeben. Ich formte also meinen Mund zu einem O und begann mit einer Art Schnappatmung. Lenkt ab, bringt aber nicht viel. Ich war nach der Kanonenatmerei immer noch ordentlich geladen. Und wenn ich grad drüber nachdenke, ich bin's immer noch. Ich werfe einen Blick auf Gott. Immer noch sauer?, fragt er. Wegen ANANDA? Nö, sage ich, es war ja nur ein Traum, lenke ich ein. Gott bestätigt das. Ich packe ein Buchpaket. 5 Bände Griechische Denker verlassen das Haus, hoffentlich ist das kein schlechtes Zeichen. Andererseits ist unsere Philosophie-Abteilung gut bestückt. Und sie läuft auch gut, schön, wenn Menschen sich durch Gedachtes inspirieren lassen. Geträumtes schiebt man lieber in die unterste Schublade. Mit dieser Feststellung widme ich mich den anderen Projekten. Wie wir wissen, ist Sex ein prima Geschäft. Da sitzt die Kohle, wenn auch zumeist auf der falschen Seite. Und weil man viel zu viel Zeit verliert, wenn man stets irgendwelche Aufträge annimmt, also immer exakt den Auftragstext studieren muss, neu recherchieren usw. Und ich eh viel zu akkurat arbeite, habe ich beschlossen: DAS ist perfekt. Wie die Reisebranche, nur besser bezahlt. Ich erinnerte mich, wie Gott und ich lachten, als wir die Texte studierten - in diesem Katalog - für die clevere Hausfrau, oder wie der hieß. Die Artikelbeschreibung zum Wunder-BH mit den vielen unsichtbaren Haken und Ösen. Der die Körbchengröße verdoppelte und rasante Talblicke garantierte. Yep, der Texter hatte mindestens so viel Spass an der Sache wie wir nun. Und während ich mal wieder systematisch an die Sache gehe und erst mal über Wortfelder grüble wie Lust - Verlangen - Bedürfnis - Begierde - Spaß - kokett - heiß - sexy usw. Legt Gott gleich los. Er liest mir sodann seinen ersten Text zu einem Erwachsenenspielzeug vor. Ich bekomme einen Hustenanfall vor Lachen. Das möchte man aber unbedingt sofort ausprobieren, stell ich fest. Kaufanimierend, Gott nickt. Er ist ein Promo-Genie. Ich schreibe auch was, man kann sich da richtig reinsteigern, in so einer Werbe-Agentur haben die sicherlich den ganzen Tag mörderischen Spaß. So, sagt Gott dann und legt seinen Füller mit der Goldspitze beiseite. Ich geh jetzt mal hoch, muss heute noch was Vernünftiges tun. Ich betrachte ihn argwöhnisch aus schmalen Augen. Was machst du?, frage ich spitz. Du weißt, sagt Gott, Ananda braucht meine Unterstützung ebenfalls und ... Ich werfe mit zerknülltem Papier nach Gott, der hat bereits abgedreht, ich treffe lediglich seinen Rücken. Gott ist längst auf dem Weg nach oben, ich höre ihn auf der Treppe lachen. Scheiß auf Träume!


~

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen