Montag, 15. August 2016

Genau der


Ich bin jetzt bei FB auf einen Mann gestoßen, - kennst du den?, frage ich Gott. Der fährt mir erst einmal mit dem Zeigefinger unters Kinn und klappt die Kinnlade wieder hoch. Der sieht doch nicht gut aus, stellt Gott kühn fest. Schwer zu sagen, das Profilphoto gefällt mir indes. Und! Was er zur Entstehung des Fotos geschrieben hat, scheint ... schlichtweg genial! Bei so viel Begeisterung sollte man sicher umgehend eine Freundschaftsanfrage stellen. Ein kultivierter Mann, ich werde mich hüten. Gott hat mich auch lediglich rumgekriegt, indem er mich stets und stoisch ignoriert hat. Das war das einzig probate Mittel, nickt Gott. Und nur allzu gern hätte er es auch so beibehalten, doch dann kamen schlechte Zeiten, ich aß nicht mehr, ich schlief nicht mehr - Gott hatte ein Erbarmen. Das Dümmste, das mir je passiert ist, seufzt er. Er eilte mir zu Hilfe. Einer musste es tun, murrt er. Der Rest laberte ja nur Unsinn. Und war mit sich selbst beschäftigt. Tja, so kann's kommen. Ein gütiger Gott. Der mir seither stets hilfreich zur Seite steht. Und nun waren wir gestern in der City, tatsächlich. Ich wollte nämlich eine neue Zapfquelle ausprobieren, dann muss Gott Wasser schleppen, das passt ihm alles nicht. Sie muss hier irgendwo sein, sagte ich und stapfte weiter, von einer Quelle war nämlich nichts zu sehen. Ich stieß vor dem Dom auf einen sehr großen Mann, der sich in weiß-lila Gewänder gehüllt hatte. Ob der wohl unser Bischof ist? Begleiten Sie mich!, sagte er freundlich, als ich ihm mein Anliegen dargelegt hatte. Dann zeige ich Ihnen die Quelle. Und so fanden wir sie dann letztlich, so schaut sie aus! Viel aufregender natürlich war der kleine Bummel mit dem großen Mann im Kirchengewande. So angezogen, macht er einen wichtigen Eindruck. Dementsprechend wurde ich auch von allen City-Bummlern genau gemustert, es hätte ja sein könne, ich wäre ebenfalls wichtig! Irrtum!!!
Das Wasser läuft durch Moos, stellte Gott fest, der sich ein wenig mit unserem Kichenoberhaupt unterhielt. Ich zapfte einfach, Moos ist gut! Und das Wasser? Köstlich!!! 
Gott fürchtet sich immer noch ein wenig vor dem Quellwasser, das wir uns von überall holen. Ich koche es lieber ab, sagt er stets - der Draufgänger. Aber ich habe Poire und mich beim Doc checken lassen, wären irgendwelche Viren oder Bakterien, selbst Pestizid-Rückstände in unserem Organismus gespeichert, denn irgendwas hat man schließlich immer, das stört einen gesunden Körper nicht, wäre also etwas wirklich Schädliches im Körper, wäre es aufgefallen. Auch wenn wir demnächst mal wieder kränkeln, momentan ist alles schnupi!
Dann waren Gott und ich noch schnell bei McDo und haben ordentlich gefuttert. Poire und der Chief dürfen so ungesunde Kost selbstverständlich nicht zu sich nehmen. Wir eigentlich auch nur im Ausnahmezustand. Den kann man ja immer ausrufen, das ist eine Frage der Einschätzung der akuten Lage. Ich hatte Hunger und wollte so einen großen Iced Caramel-Sahne-Dings. Ich rief also den Ausnahmezustand aus, Gott willigte ein. Denn wir wollten auch noch zum Flohmarkt in diesem historischen Dorf. Und da war's schön! Gott hat ganz viele Bücher gekauft. Und ein paar DVDs ab 18 - noch eingeschweißt. Sauteuer sind die im Inni. Ich werd sie verscherbeln. 
Und dann musste ich heute Morgen direkt nach dem Training in die Bank, die haben mir nämlich geschrieben, sie würden keine Überweisungen mehr ausführen. Das ist ungünstig! Vor allem, wenn man sich um so viele Menschen kümmern muss, da kommt schon mal ein Stapel Rechnungen zusammen. Ich hake also mal nach. Die nette Dame am Schalter dann auch. Und dann noch jemand. Und noch jemand. Am Ende stellt sich heraus: Mein Sachbearbeiter ist im Urlaub. Beim Rest der Truppe scheint nicht klar, dass ich Befugnisse hab. Man entschuldigt sich. Gut so. Fall geklärt. Wir sind wieder liquide. Irgendwie. Und daheim warte ich immer noch auf meine Einstufung. Die Reisebranche liegt mir zwar definitiv, aber sich woanders umschauen, kann nicht schaden. Man reicht also einen Text ein, der bewertet wird. Und wenn man gut eingeteilt wird, verdient man auch gut. Relativ! Versteht sich. Schließlich geht's nur um Qualität. Nicht wahr!, sage ich zu Gott. Der winkt ab. Er glaubt vermutlich nicht mehr dran. Doch man muss überleben! Ich schaue ins Inni, öffne mal eine Seite und überfliege eine von zwei Rezis. Die ist mir viel zu lang für eine Rezi. Gibt mir viel zu viel Inhalt im Stakkato-Modus wieder, wieso überhaupt? Ich möchte so viel nicht lesen. Muss ich ja auch nicht. Der Rezensentin scheint, so kommt's mir vor, nicht mal gefallen zu haben, was sie gelesen hat, ich scrolle runter. Im letzten Absatz indes gibt sie sich schier begeistert. Ich habe die Rezi also nicht verstanden. Und geb's auf. Gib mir einen Apfel und eine Anweisung, sage ich stattdessen zu Gott. So hat er einst, in einem anderen Leben, Maupassant die Schreibe beigebracht. Nö, antwortet Gott. Keine Lust. Ich studiere also seine Aufzeichnungen von einst. "Genauigkeit in jedem Wort, das Schreiben ohne Klischees und Ungefähres, ohne Marotten, Erhabenheit, Akzent. Ein Schreiben ohne Programm, jenseits der Fanfarenstöße der Naturalisten und Realisten, jenseits von Tradition, Pathos oder Romantik." Gott hatte immer schon sehr konkrete Ansichten, ich grübel. "Wenn Sie bei einem Gemischtwarenhändler vorbeikommen, der vor seiner Türe sitzt, bei einem Hausmeister, der seine Pfeife raucht, bei einem Droschkenstand, dann führen Sie mir diesen Gemischtwarenhändler und diesen Hausmeister vor, ihre gesamte physische Erscheinung, die als gelungenes Bild auch ihr ganzes inneres Wesen enthält, so daß ich sie mit keinem anderen Gemischtwarenhändler und keinem anderen Hausmeister verwechsle, und lassen sie mich durch ein einziges Wort erkennen, worin sich ein Droschkengaul von den fünfzig anderen vor ihm und nach ihm unterscheidet." Gott war damals schon genial! Überragend! In nur einem Wort. Ich überlege. Schwierig. Nur ein Wort.


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