Mittwoch, 31. August 2016

Der Gänger


Da heute quasi Sonntag ist,
machen wir einen Ausflug.
Zunächst geht's ab in den Wald.



Perfektes Wetter, perfekter Tag -
nur ich bin hypernervös.


Denn direkt nach der Rast in der Natur-Idylle
hat Chief Walker seinen Termin bei der
Wunderchiropraktikerin.
Und dort hält Gott den Chief fest,
während ich hysterisch beruhigende Worte murmel.
Und der Chief sich in Panik den Nacken lang ziehen lässt.
Also.
Wenn er sich danach wieder in seine Schonhaltung zurückzieht,
sagt sie, bewirkt es nichts.
Wenn er nach zwei, drei Tagen agiler wird,
können wir die Behandlung in ein paar Wochen fortsetzen.
Der Chief ist groggy.
Und topfit.
Bis auf seine neurologischen Probleme. 
Mykotherapie, sage ich.
Reishi, Shiitake und Hericium, sagt Gott,
der sich inzwischen ganz gut mit meinen Wundermittelchen auskennt.
Wir werden also versuchen, dem Chief einen perfekten Lebensabend zu gestalten.
Dieser Hund hat keine Schmerzen, sagt die Frau.
Immerhin.
Dann darf er nur nicht verlernen zu laufen.
Zwischendurch wird er nicht wissen, wo seine Pfoten sind,
sagt sie.
Ich nicke.
Und dann fahren wir zur Dings.
Vor Jahren trennten sich unsere Wege in einvernehmlicher Unstimmigkeit.
Das ist lange her.
Ich betrachte nachdenklich meine Füße auf dem Armaturenbrett.
Ich hab kleine Füße, sage ich.
Kann man so sehen, sagt Gott. Und überholt halsbrecherisch einen Wagen.
Jemand hupt von der Gegenfahrbahn, Gott zeigt ihm einen Vogel.
Er ist auch geladen. 
Vermutlich, weil Capucine wieder aufgetaucht ist.
Serge ist auch nicht tot.
Ich überlege, was das für mich bedeutet.
Wäre er tot, würden sie mir bestimmt Poire wegnehmen wollen.
Das weiß man nicht, sagt Gott.
Du hättest dich nie mit ihnen einlassen sollen, rügt er mich.
PFFF. 
Wer hatte denn zuerst was ... Mit Capucine?,
hake ich nach.
Gott räuspert sich.
An dieses dunkle Kapitel in seiner Lebensgeschichte möchte er nicht erinnert werden.
Dabei sieht sie umwerfend aus,
immer wieder staune ich,
wie scharf Capucine in ihrem Alter ist.
Marine und Delphi werden sich freuen,
sage ich sodann überaus missmutig.
Du suchst dir eben immer die falschen Männer,
antwortet Gott spitz.
Jetzt können sie sagen, es ist alles Mums Schuld.
Unsinn, versucht Gott zu beruhigen.
Aber genau das werden sie sagen.
Schon wieder ein absenter Vater,
der im Knast sitzt.
Was bedeutet das für uns?, frage ich Gott.
Sie brauchen euch zwei, sagt Gott.
Serge ist Capucines Bodyguard.
Oder so ähnlich.
Und sicher soll er bei Laune gehalten werden.
Und loyal die Klappe halten.
Da kümmert sich die Familie,
dass Gefährtin und Tochter ...
Wenn er aussagt, kommt er bestimmt schneller raus, überlege ich.
Gott lacht, denn wenn Serge aussagt,
bin ich bestimmt ganz schnell Witwe.
Komplizierte Sache.
Wir fahren bei der Dings vor, die schon auf der Straße wartet.
Und dann geht's los -
die Damen plappern ohne Pause,
Gott vertieft sich in eine Zeitung.
Ich probiere Gürtel von der Dings.
Und verliebe mich in das Teil hier,
das leider schräg über den Hintern rutscht -
immer ist alles zu groß.

 
Du bist einfach zu dünn, sagt die Dings.
Zart gebaut, berichtigt Gott hinter seiner Zeitung,
bevor es gleich beim Versöhnungstreffen wieder zu Streit kommt.
Aber der Gürtel ist klasse.
Na ja.
Der Chief wacht auf und schaut sich um, wo er wohl ist.


Und tatsächlich steht er dann auf,
um die fremde Wohnung zu erkunden.
Er geht ganz gut, sage ich.
Gott nickt.
Walker,
sagt die Dings.
Früher, wenn ich mit der Oma im Eiscafé saß,
haben wir immer Männern hinterhergeschaut.
Klar, das war schon immer so.
Und dann hat sie mit dem Kinn auf einen gedeutet und gesagt ...
Ich nicke:
Das ist ein Gänger,
hat sie gesagt.
Ein Gänger?, fragt Gott.
Die Dings und ich nicken - 
ein Gänger, bestätigen wir unisono.
Was ist ein Gänger?, fragt Gott.
Ach!
Der Engländer ist ein Gänger,
erkläre ich Gott.
Der seufzt.


~


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