Freitag, 15. Juli 2016

Verwirrung


Zum Nizza-Attentat sag ich nix, gerade hatten wir uns an das beschauliche Städtchen so schön erinnert. Ja, das Böse und Verwirrung verbreiten stets eine Menge Horror. Ich sah damals übrigens auch, wie eine Drag-Queen zusammengeprügelt wurde. Zivilcourage, ich griff nicht ein, es muss so gegen 4 oder 5 Uhr morgens gewesen sein, das ganze quartier wurde von ihren Schreien aufgeweckt. Und im Übrigen - Notfall - es waren die Männer, die in den Fenstern hingen und irgendwas Gescheites rumbrüllten. Und es waren zwei ältere Damen, die Mademoiselle zu Hilfe eilten. Bewaffnet mit einem Nudelholz die eine, einem Kissen die andere. Das war sehr klug, das Kissen sorgte für Verwirrung, das Nudelholz hatte mehr Durchschlagkraft. Zudem war der Herr, der sich so sorgfältig für die Nacht aufgebrezelt hatte, überaus hart im Nehmen. Der hat die Angreifer auch nach der Attacke, stark blutend, weiterhin lautstark beschimpft, seine robusten Freundinnen gaben ihm Rückendeckung. Nun, wenn man jung ist, findet man das höchstens spannend. Doch das Böse kann sich über so viele Stufen steigern. Und verbreitet am Ende letztlich immer, selbst auf der untersten Ebene Panik, Schrecken und Trauer. Glaubst du, dass die Manson-Girls wirklich gescheiterte, orientierungslose Mädchen waren?, frage ich Gott, nachdem ich kurz in eine recht gute Doku geschaut habe. Gott seufzt mal wieder. Er hält sich so gern bedeckt. Aber ich glaube immer nicht daran, den Gegner klein zu reden. Vor dem Duell, klar, wie Boxer das machen, sich selbst Mut zusprechen. Doch nicht alle verführten Seelen sind dumm. Und was sind genau - nach unserer Definition - verführte Seelen? Wie ticken unsere? Und erst wenn die Verführten gemordet haben, nehmen wir uns ihrer an? Im Rechtssystem? Egal, in der Doku scheint mir neben den drei Täterinnen auch Lynette 'Squeaky' Fromme eine höchst interessante Figur. Beliebt, talentiert, Manson verfallen, ein Sprachrohr der Gruppe. Später wollte sie entweder Bäume retten oder den Präsidenten erschießen, das wurde nie so ganz klar. Ich finde trotzdem ganz spannend, was sie Jahrzehnte später sagt: We did what we wanted to do... And we did it because we really wanted to. If we did it because we thought it would make Charlie happy we must have loved him - or something like that.' Vermutlich kein falscher Gedanke, könnte stimmen. Verwirrung. Manson war das Herz der family, oder einfach der perfekte Pimp, dessen Mädchen ihm komplett verfallen waren. Davon träumen auch heute noch viele - macht das Geschäft leichter. Die Drogen? Ich überlege weiter, Antworten sind immer ganz einfach oder hochkompliziert. Fakt ist, wenn man sich die Dokus aus der Zeit anschaut, ich bin mir sicher, Gott und ich hätten damals auf dem Sofa gesessen, die Nachrichten geschaut und uns schockiert gefragt, was soll denn jetzt nur werden? Unsere Kinder, eine ganze Generation, liegt auf der Straße rum und wirft Trips ein. Der Rest ist in Vietnam, die anderen bewaffnen sich. Gott hätte sicherlich wieder schwer geseufzt. Im Nachhinein scheint es also klüger zu beobachten als zu urteilen? Solange man nicht selbst betroffen ist, solange man einen gewissen Abstand wahren kann, ist Beobachtung sicherlich die klügste Position. Welche Lehren ergeben sich also aus dem Gesehenen? Für die Vergangenheit wissen wir es nicht ganz genau, beurteilen ist selbst im Nachhinein schwierig, die Zukunft erscheint düster. Manson hat immer behauptet, seine Mutter sei Prostituierte gewesen, was vermutlich so nicht ganz stimmte. Oder Ansichtssache ist. Konservative Blickwinkel. Die Mädchen sollen fast alle Scheidungskinder gewesen sein, simpel und kurz - die Eltern sind Schuld. Immer. Wenn was schiefläuft. Oder - manche Seelen sind einfach verzweifelt auf der Suche nach Liebe. Wie wir alle, seufzt Gott. Also doch die Drogen? Und ein irrer Guru. Charisma. Vielleicht über all die Jahrzehnte, Jahrhunderte hinweg, greifen die Suchenden ja einfach nach dem, was sich ihnen bietet?, überlege ich. Ganz egal, was gerade in ist. Die Epochen erklären sich dann selbst durch ihre Gegenbewegungen? Und wieso gibt es grad so gut wie gar keinen Feminismus mehr? Alle Frauenfragen schon geklärt? Und ab wann tuen Frauen wirklich alles für ihre Männer? Gott müsste mich mal ... Genau! Ach. Das ist alles viel zu komplex. Ich guck mal lieber wieder nach der Serie - 'Aquarius', die ist nämlich längst nicht so komplex wie's das Leben treibt. Trotzdem - mir ist da nämlich etwas nicht ganz klar ... Also, dieser Hodiak, lasse ich Gott wissen, und wir sprechen hier über den Darsteller, der soll 1960 geboren sein. Gott nickt. Und die Schauspielerin, die seine große Jugendliebe verkörpert, ist 1983 geboren, lasse ich verlauten. Gab es keine Schauspielerin über 50? Die bei 'Aquarius' mitmachen wollte? Hatten die alle zu viele Falten? Oder ist er ihr direkt verfallen, als er sie als Baby gesehen hat? Oder denke ich im Grunde einfach nur zu konservativ? Oder bin einfach - völlig verwirrt?


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