Mittwoch, 27. Juli 2016

Trend


Letztens spekulierten wir ja, wann wohl genau das Glückseligkeit versprechende Wassermann-Zeitalter anbricht. Im Kundalini-Kurs wird stets behauptet, es wäre 2012 angebrochen. Nun, wenn man ab und an einen Blick in die Zeitung oder Nachrichten wagt, zweifelt man ein wenig, ob tatsächlich die Zeiten von Glück, Friede und Selbstbestimmung angebrochen sein sollen. Mich ärgert selbstverständlich einiges, das Durchhalte-Motto z. B., das besonders kluge Prominente von sich geben: Wir müssen unser Leben selbstbestimmt weiterleben. Sorry, aber darüber sollte mal wirklich jeder ernsthaft nachdenken. Aber gut, à propos, heute Morgen las ich in der Zeitung, dass - und zwar genau im Hundeparadies, wo wir so gern mit dem Chief spazieren gehen, eine Bombe entdeckt worden sei. Also, wirklich - am hintersten Ende der Welt? Irgendwie unwahrscheinlich. Aus einem Krieg? Hochgespült? Eben erst deponiert? Wer weiß. Doch was die Experten dann alles getrieben haben, um letztlich eine Badewanne aus dem Bach zu ziehen, ich kicher, Gott wirft mir einen ernsten Blick zu. Wollen wir Unsinn machen?, frage ich ihn, schließlich muss man sein Leben - selbstbestimmt oder nicht - schon irgendwie in die Hand nehmen. Du hast heute schon genug Unsinn gemacht, lässt Gott mich wissen. Ich seufze. Heute Morgen ist mir nämlich wieder ein kleines Missgeschick widerfahren. 

  
Auf mysteriöse Weise hatte sich mein Haarband im Shirt verfangen. Was trägst du da wieder mit dir rum?, fragte Gott, glücklicherweise bevor ich das Haus verließ, und zog mir das Haarband aus dem extravaganten Style. Diesbezüglich ist Gott Kummer durchaus gewohnt. Vor kurzem hatte ich es morgens sehr eilig, bei einem schnellen Zwischenstop in der Bank dauerte mir alles viel zu lang, ich hatte nur eine Frage! Drängelte mich vor, ich hab's eilig, erklärte ich. Und die Frau vor mir musterte mich mitleidig und nickte. Das sieht man, sagte sie kopfschüttelnd. Und nach einem einzigen Blick nach unten hatte ich es plötzlich noch eiliger als zuvor. Irgendwie völlig verpeilt hatte ich wohl vergessen ... 



Äußerst leger, kommentierte Gott das kleine Malheur. Aber doch auch ... Chic?! Das Sonerbarste indes passierte erst kürzlich, als Gott mich zu einem offiziellen Termin mitgenommen hat. Ja, eine Ehre, da putz ich mich selbstverständlich richtig heraus, schlüpfe noch rasch in meine beste Jacke ... Und dann - wieder so ein unerklärliches Missgeschick! Bei Ihnen hängt da ..., begann ein freundlicher Mann. Ja?, ich blickte ihn fragend an. Also in ihrem Mantel hat sich wohl ein ... OH!, nach mehreren spitzen Ohs verschwand ich rasch in den Toiletten. Gott wird mich nie wieder, niemals irgendwohin mitnehmen. so sieht's doch aus. Dabei finde ich diesen Trend ...



So einen Kleiderbügel als Accessoire, beharre ich. Gott seufzt wieder. Irgendwo könnte ich Trendsetter sein, behaupte ich stur. Um dann noch einmal anders zu überlegen: Wieso passieren mir nur immer wieder diese Missgeschicke? Ich weiß es nicht. Bestimmt eine Veranlagung, spekulier ich. Wie heißt wohl das Syndrom? Schwere Vernachlässigung der äußeren Erscheinung?, schlägt Gott vor. Also! Ich gebe mich empört. Willst du mit mir Unsinn machen?, frage ich Kleine-Claus. Der hat aber einen neuen Trend entdeckt und spielt seit einigen Tagen - Vorbilder! -, er sei Kleine-Gott. In allem ahmt er Gott momentan nach. Und daher sitzt er nun auch missmutig oder nachdenklich am Tisch. Und schüttelt den Kopf. Du hast heute schon genug Unsinn gemacht, rügt er streng. Gott nickt.



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