Dienstag, 19. Juli 2016

Do it right


Rezensionen schreiben ist ja gar nicht so kompliziert. Tja, manchmal gelingen sie, manchmal eher nicht, who cares. Kompliziert wird's erst beim Bildmaterial. Fortitude beginnt irgendwie recht überladen, wird's ein Krimi? Wird's spannend? Irgendwas mit Horror? Und dann der viele extra importierte Schnee, weil die Temperaturen während der Dreharbeiten viel zu mild waren. Spätestens ab Folge 3 merkt man allerdings spätestens, dass die Serie ziemlich gut ist. Also? Schnell mal nach dem Bildmaterial gefragt. Okay, beim Verleih geht's nicht, also wendet man sich rasch ans Clip and Still Licening-Department. Jetzt ist das nicht so, dass jemand einem sagt, setzt doch einfach ein! Ist eine Rezension, ist doch quasi zu Werbezwecken. Nee, fürs Cover- und Szenebildmaterial haben die nicht nur eigene Mitarbeiter, sondern im speziellen Fortitude-Fall auch nur eingeschränkte Rechte. Man rät mir, mich direkt an Sky zu wenden. Ich wende mich direkt an Sky, mal sehen, wo das hinführt - Das Cover und vielleicht 1 Szenebild für die Rezi? Eine Copyright-Odyssee - interessant! Meinst du, wenn Inès in einem spannenden Moment ein Knie vor's TV-Bild schiebt, und du ein Foto machst, können wir das dann einsetzen? Als Szenebild?, fragt Gott und zuckt die Achseln, er scheint wenig begeistert. Es ist sehr kompliziert, alles richtig zu machen. Meine Leserschaft enttäuscht mich ebenfalls ein wenig. Was wird am häufigsten aufgerufen? Abgesehen von Inès-Fotos und Handtaschenposts? Genau. 'Die Brücke' und? 'Barnaby'. Dabei gäbe es doch so viel mehr zu entdecken. Na gut. Die Frau am Postschalter kann ein Lied davon singen. Ich schiebe ihr einen Großbrief über den Tresen, in dem es ordentlich ruckelt. Dann laufe ich rüber in den Supermarkt und denke die ganze Zeit ans Ruckeln, irgendwas stimmte da doch nicht. Zuhause hab ich wieder was verkauft, also rasch wieder zurück zur Post, um die zweite Sendung abzugeben. Büchersendung International über 500 EUR, sage ich. Sie denkt nach. Über 500 Gramm?, fragt sie, ich bin wirklich sehr oft recht verwirrt. Über 500 Gramm, bestätige ich. Macht 6 EUR, lasse ich sie wissen. Sie ist sich diesbezüglich jedoch nicht sicher. Wir studieren Tariftabellen. Hier steht kein einziger Preis, stellt sie fest. In den Tariftabellen! Gibt's das? Wir studieren weiter. Wenn Sie 6 EUR sagen, sagt sie nach einiger Zeit, ich bestätige, so stand's im Inni. Sie kassiert 6 EUR. Ich frage nach der Sendung, die ich eben abgegeben habe. Können Sie mir die noch einmal rausgeben? Klar, sagt sie, wie lautet die Adresse? Weiß ich nicht, druckt man ja nur aus. Es ruckelt so laut im Umschlag, sage ich. Da muss eine DVD rausgefallen sein, ich würd die gern noch einmal ... Sie nickt, öffnet eine Schublade und wir beobachten - wir, das sind ich und eine Schlange hinter mir von inzwischen vielleicht 15 Mann? - wir beobachten also, wie sie jeden einzelnen Brief hochhält. Ihn schüttelt, zurücklegt, bis ... Bis es endlich in einem ordentlich ruckelt. Das ist er!, sagt jemand hinter mir, ich bestätige! Dann bleibt die freundliche, hilfreiche Dame neben mir stehen, reicht mir eine Schere und beobachtet, wie ich vorsichtig den zugeklebten Umschlag öffne. Ich lasse vernehmlich verlauten, welche DVD im Umschlag ist, bevor ich sie herausziehe, alle in der Schlange, die mich inzwischen kollektiv beobachtet, nicken anerkennend. Ja, ich weiß genau, was ich versende. Ich schiebe die DVD wieder in ihre dämliche Halterung und mache mich sodann daran, das Ganze wieder sorgfältig zu verkleben. Sie können ruhig schon mal weitermachen, sage ich zu der entspannten Dame. Machen Sie in aller Ruhe, sagt sie. Ich werde hektisch. Zu viele Leute, die mich beobachten. Ich denke, ganz egal, wie oft oder wie viel Yoga ich in meinem Leben machen werde, so tiefenentspannt wie diese Dame werde ich niemals werden. In der Theorie ist so eine innere Ruhe better than perfect. Mein Ziel! Andererseits sind alle Kunden in der Post inzwischen ganz schön nervös. Die eigene Entspannung stellt die Unentspannten auf die Probe. Am Ende bedanke ich mich bei jedem - für die nette Hilfe am Schalter, das Verstädnis, die Warterei, dann lauf ich lieber rasch nach Hause. 
Dort sitzt Kleine-Claus vor der Tür. Macht keiner auf?, frage ich, er springt auf und tritt von einem Fuß auf den anderen, als müsste er dringend auf Toilette. Ich schließe auf, was ist los?, frage ich. Kleine-Claus rast an mir vorbei in die Bude. Hey!, rufe ich hinter ihm her, eine kurze Begrüßung wär ganz nett, sage ich. Hallo!, sagt Kleine-Claus, dreht sich kurz zu mir und starrt steif und starr an mir vorbei. Dann läuft er ins Wohnzimmer, dann in die Küche. Garten, rufe ich, denn sicher ist Gott draußen, wenn er die Klingel nicht hört. Und kaum ist Kleine-Claus im Garten, höre ich, wie er losheult. Und kurz danach sehe ich Gott, der ihn beruhigend auf dem Arm hält. Kleine-Claus brüllt jetzt wie am Spieß. Aber bis dahin war er diszipliniert. Er hat's den ganzen Weg bis zu uns, bis auf Gottes Arm geschafft, ohne die Fassung zu verlieren. Ich nicke zufrieden. Ist sicher so ein Männer-Ding, sag ich mir. Und Gott weiß immer Rat!


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