Mittwoch, 6. Juli 2016

Desaster


Auch wenn bei uns daheim die Streamerrei stets eine Umbau-Technik-Kabelanschluss-Heimvernetzungs-Herausforderung bleibt, möchte ich doch langsam Netflix schauen können. Sehr gern möchte ich z. B. einen längeren Blick in 'Marseille' werfen, das - so habe ich es an einigen Stellen gelesen -, tatsächlich gelobt wird. Die französische Kritik erklärte es allgemein zum absoluten Desaster. Nun, eventuell mögen die Franzosen nicht gern etwas vorgesetzt bekommen, das heimisch sein soll, indes amerikanisch ist. Amerikanische Serien laufen nämlich viele im télé francaise. Und diesbezüglich könnte man ebenfalls sagen, das sei mir mal erlaubt? - qui ose le dire ?, dass das französische TV bis auf einige Nischeneckchen fast noch schlechter sein könnte als das deutsche. Dort zumindest laufen neben einigen französischen Produktionen wie z. B. (letztens) Candice Renoir etc. neben englischen (lange Barnaby- sowie Lewis-Nächte sind garantiert) vornehmlich amerikanische Serien (New York - Unité Spéciale etc.), gerne auch Soaps ohne Krimiunterfutter sowie stundenlange Shows, in denen die Franzosen im Aufgebot ihrer Stars einen ihrer Stars feiern. Jeder Stargast darf dann etwas zu dem Ehrengast sagen, alle erinnern sich und singen - Sing my Song - die Hits vom Gefeierten. Das kann sehr unterhaltsam sein, sich aber auch über Stunden extrem in die Länge ziehen. Hier z. B. kann man reinschauen, der Moderator führt durch derartige Shows, ich denke, länger als ich mich erinnern kann. Ein Urgestein der prima Unterhaltung. Wir sehen ihn auch hier Jahrzehnte früher im Interview mit Muhammad Ali. Grandios war auch stets Île de Vérité - Big Brother. Nur auf einer Insel - nur mit schönen Menschen. Nun, ich sah das immer ganz gern beim Kochen - vor den Nachrichten, die ich gern im Ersten schaue - sur TF1. Ich kann le journal sogar hier in Deutschland schauen - gestreamt! Okay, zurück zur Idee - wie's ausschaut mochte nicht nur die französische Kritik Marseille nicht, das Publikum schloss sich der Meinung an. Oder der Zuschauer entschied selbst? Irgendwie wie 'House of Cards' sollte es - irreführende Vorabmeldung? - wohl sein, zu amerikanisch wär's dann gewesen, die vermeintliche Ähnlichkeit soll dann indes gar nicht zum Desaster geführt haben, da diese wohl gar nicht existiert. Wer weiß, aber wir erinnern uns, HOC ist ja eigentlich ein an die US angepasstes, sich verselbstständigendes Remake einer Britischen Serie. Egal. Nach vornehmlich äußerst positiven Kritiken aus Deutschland kamen mir tatsächlich auch einige überaus kritisch gestimmte Rezensenten unter. Und dann ein Artikel, warum die Franzosen das Netflix-Marseille nicht mögen - klar, sie wollen ihr Marseille nicht in Kunstprodukthände rausrücken - Europa (damit sind allerdings die Kritiker gemeint) die Serie indes liebt. Und dann wiederum las ich diesen Artikel. Die Schlussbetrachtung gefällt mir ganz gut: "Unfortunately, “Marseille” is too self-serious to reach a fun “Scandal” level of insanity ... And at least it allows Americans and Europeans to be united in the cultural experience that this kind of TV makes possible in any language. Comment dit-on “hate-watch”? Tja, Expertenmeinung hin und her, möchte in diese - im Kulturteil derart präsente Serie - nun nicht wirklich jeder einmal selbst reinschauen? Nein?


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