Samstag, 2. Juli 2016

Das Giftdepot



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Ich zeige Gott mein Bein, was meinst du?, frage ich, was ist das? Ein Stich, sagt Gott nach einem kurzen Blick. Und selbstverständlich, das wäre in der Theorie sowie in dieser Jahreszeit durchaus möglich. Allein - mich sticht nie irgendwas, Stechfliegen, Mücken und sonstiges Getier plagen die anderen, mich nicht. Gut so. Sollte das also ein Stich sein, wäre es eine absolute und äußerst unwahrscheinliche Rarität. Ich verfolge eine andere Theorie, falsch, sage ich dementsprechend zu Gott. Das ist ein Giftdepot. Gott wirft einen zweiten, nun zweifelnden Blick auf den Fleck und glaubt mir nicht. Es ist aber so, ich bin mir sicher. Vor Jahren war ich recht krank und kein Arzt konnte mir sagen, woran das liegen könnte. Gut, inzwischen wissen wir, dass die Sache weitaus komplexer war, als dass ein Schulmediziner sie hätte erkennen können. Aber damals machte ich mich auf zu einer hartnäckigen Odyssee von Arzt zu Arzt, da diese früher einen guten Ruf hatten. Man vertraute den  - zumeist waren es Herren - in weißen Kitteln ohne Vorbehalt sein Leben an. Irgendwann traf ich auf einen von ihnen, der mich an eine Maschine setzte, die sonderbare Kurven aufs Papier warf. Nach dem Studium eben dieser, fasste er seine Erkenntnisse wie folgt zusammen: Ich kann noch nicht exakt sagen, was Sie haben, aber es liegen einige Störungen vor. Ich war begeistert, er hatte mir kein Blut abgezapft, kein Langzeit-EKG aufgedrängt und auch keinen Ultraschall gemacht. Und doch ein Übel erkannt! Ganz im Gegensatz zu seinen Kollegen, da meine Blutwerte immer top waren, das Langzeit-EKG stets hervorragend ausfiel und auch beim Ultraschall nichts Bedenkliches zu erkennen war. Ärzte behandeln einen nach derartigen Erkenntnissen gern wie einen Simulanten oder wie jemanden, der psychisch schwere Probleme haben muss. Ich war also glücklich, endlich war ich an einen kompetenten Arzt geraten, der mir helfen würde. Doch meine Euphorie verflog flink, als er mir sodann eine winzige Flasche Arznei verschrieb. 3 Tropfen 1x die Woche stand in seinem Rezept. Und davon sollte es mir besser gehen? Ohne jede Erwartungen nahm ich brav 3 Tropfen in der Woche, es schien rein gar nichts zu passieren, ich verfluchte den Arzt. Und bedauerte schon, mir erneut Hoffnungen gemacht zu haben. Ich bekam Pickel, die zu Beulen wurden, am Ende fast schon wie Abszesse. Ich ging wieder zum Arzt, der mir eine Salbe verschrieb, freuen Sie sich über jede Beule, sagte er zufrieden. Ich bekam Beulen in der Kniekehle, hinter den Ohren, in der Armbeuge, am Handgelenk usw., simpel gesagt, überall dort, wo man niemals Pickel oder Beulen bekommt, wenn nicht Fremdeinwirkung im Spiel war. Also forschte ich nach, ich nahm 1x in der Woche 3 Tropfen Leisen-Riegel. Es war eine Art Entgiftung und drei Monate später ging es mir so gut wie seit Jahren nicht mehr. Ja, Gott der Zweifler runzelt nach dieser Story die Stirn. Die Methode nach Leisen ist eigentlich sehr simpel und logisch: Wenn in einem System etwas im Überfluss vorhanden ist, stört es den Kreislauf. Der Körper legt vom Zuviel ein Depot an, vermutlich an den unterschiedlichsten Stellen, doch wie jede Müllkippe fängt sie irgendwann an zu stören. Leisen glaubte an die Grundsätze der Homöopathie, man führt über die Nahrung Mineralstoffe in den Körper. Das gesunde System nutzt diese, wie es sie gerade braucht. Den Überschuss scheidet es aus. Doch ein nur leicht irritiertes, gestörtes System wird falsch reagieren und womöglich nicht in der Lage sein, das Falsche direkt zu erkennen resp. es umgehend auszuscheiden. Also forschte er an Mineralien und nach dem Grundsatz 'Gleiches löst Gleiches' versuchte er über Mineralien den Überschuss im Körper zu lösen. So ungefähr funktioniert die Methode, wer sich exakter über die Grundlagen wie auch die Anwendung dieses Heilverfahrens informieren möchte, liest am besten 'Die Leisenkur' von Vanselow-Leisen und Feist, in dem alles sehr detailliert zusammengefasst wird. Mithilfe des Textes kann man sich quasi selbst kurieren, entschlacken, wobei wir erneut daraufhinweisen, dass bei Leisen wie auch im Ayurveda die Ursachen vieler Krankheiten in Ablagerungen, in Schlacken erkannt werden. Und dass Schlacken in der Schulmedizin eigentlich bereits im Grundsatz bezweifelt werden. Wie dem auch sei. Ich habe also mal wieder zum Leisen-Riegel gegriffen, ich dachte, wir entgiften einfach mal ein wenig. Kann ja nie schaden. Was mich indes - wie damals schon - verwundert, ist tatsächlich wo und wie man dann auf Reaktionen des Körpers stößt. Wer hätte gedacht, dass das Gift im linken Bein sitzt? Es ist sicherlich nur ein Stich, sagt Gott erneut. Wer weiß, ich werde niemals gestochen. Wenn es nicht wirken kann, dann nimm einfach auch drei Tropfen, sage ich und reiche Gott das Fläschchen. Wir werden ja sehen, ob du demnächst vielleicht auch gestochen wirst. Abwarten. Und testen! Na los! Gott wirft einen unbehaglichen Blick zuerst auf das Fläschchen, dann auf mein Bein.



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