Sonntag, 31. Juli 2016

Das Genie


Gott überrascht mich immer wieder. Eigentlich wollte ich ja mit Bikie Wars weitermachen, doch dann hab ich zuerst Underbelly eingelegt, diese australische Mafia-Serie. Und?, fragte Gott, wie ist es? Ich zuckte die Achseln, eigentlich ganz gut, sagte ich nachdenklich. Aber auch etwas verwirrend, es scheint schon viel passiert und ... Gott seufzte, überprüfte den DVD-Player und legte in einem Geniestreich die erste DVD ein. Wenn Du nicht mit Episode 7 beginnst, ließ er mich wissen, fällt der Einstieg sicherlich leichter. Wieder einmal hatte er Recht! Inzwischen versteh ich die Story tatsächlich. Und Alphonse, der ja bereits in der zweiten Folge erschossen wird, sollte man definitiv nicht verpassen. Man versteht umgehend, wieso seine Kumpels ihn als Pulverfass bezeichnen. Famos, wie er den ermittelnden Polizisten ein aktuelles Foto seiner selbst überreicht. Das dann im Büro des Chefermittlers hängt, falls man Alphonse mal wieder sucht. Aber das sollte man sich sicherlich selbst anschauen. Ich treffe auf die Dings, die unsere Gärten für verwahrlost hält. Das Problem? Ich kann ihren Blickwinkel durchaus verstehen - ich denke, wenn ich mich ernsthaft konzentriere, sehe ich womöglich, was sie sieht. Aber sie wird niemals sehen, was ich sehe. Freiheit, Wildwuchs und Kräfte der Natur, die unsere kleinen Bemühungen, vermeintliche Ordnung zu schaffen, in Hohngelächter versetzen sollte. Ja, ja, ich liebe Botanische Gärten, die Japan-Ecke, wo stets das Grün beschnitten werden muss und die Kiesel nahezu meditativ geharkt den Weg weisen. Die perfekte Organisation von Formen im Zen-Garten. Oder Sissinghhurst - klare klassizistische Formen, wilde Romantik! Ich wünschte Gott und ich könnten so wunderbar zusammen gärtnern wie einst Madame Sackville-West und ihr Gatte. Wie auch immer - da wir Unkraut indes als Wildkraut bezeichnen und es so häufig wie möglich in der Woche zu uns nehmen, wissen wir um seine Kräfte. Und ich bin immer wieder fasziniert, wie Unkraut wächst. Nahezu keiner der pingeligen Nachbarn kommt ohne Gift aus, um es zu vernichten. Das gibt chice gepflegte Bürgersteige, doch eben auch eine Menge Giftstoffe an Tierpfoten, die abgeleckt werden. Oder als Überreste im Trinkwasser landen, was soll's. Zivilisation. Die Blümchen und Einjahrespflänzchen müssen indes fast täglich gegossen und zweimal die Woche gedüngt werden, damit sie nicht vorsommerlich eingehen. Doch unser Wildkraut lässt sich kaum im Zaum halten und sollte es innerkörperlich auch so ungestüm wirken, tun wir uns sicherlich etwas Gutes. Wer also seine Perspektive verschiebt, erkennt auch the beauty within. Die Dings vermutlich nicht, ich höre ihren Einsichten einfach zu, eine Debatte scheint überflüssig. Ich lese mal wieder ein wenig über Flaubert, wer weiß schon, wieso er so ein Genie war. Und wieso man ihn stets als Einsiedler und Eigenbrötler bezeichnet. Von der Statur eines Bären, wieder einmal geht es um Perspektive, ich hätte ihn damals unbedingt kennen lernen müssen, im Nachhinein wollen mir die Klischees nicht einleuchten. Ich sehe etwas anderes. Das Genie erkennt indes quasi jeder - immerhin. War es Maupassant, den du damals in deinen Garten stecktest und ihn einen Apfel wieder und wieder und immer wieder beschreiben ließest?, frage ich Gott. Der denkt nach, ich denke schon, überlegt er ... Ein talentiertes Bürschchen, fügt er dann an. Aber ich war niemals Maupassant-Fan. Dabei hat sich Gott dazumal äußerst ernsthaft um ihn gekümmert und ließ ihn wissen: "Zu viele Nutten! Zu viel Rudern! Zu viel Training! ja, Monsieur! Der zivilisierte Mensch braucht nicht so viel Bewegung, wie die Mediziner behaupten. Im übrigen wird es Ihrer Gesundheit wohltun, Ihrer Berufung zu folgen. Diese Anmerkung ist von tiefer Philosophie oder vielmehr tiefer Hygiene." Ich seufze und betrachte aus den Augenwinkeln Gott. Was ist er doch für ein weiser Kerl. Was hältst du vom Krieg und anderen Schlachtereien frage ich ihn dann. Warum laufen alle hin? Und Gott antwortet - als würde er sich selbst zitieren, doch wer möchte es besser formulieren: " Weil die Wildheit der natürliche Zustand des Menschen ist. Und weil der Krieg ein mystisches Element enthält, das die Narren in Verzückung versetzt. Die entsetzliche Schlächterei, die sich vorbereitet, hat nicht einmal einen Vorwand. Es ist die Lust, sich um des Schlagens willen zu schlagen." So. Wir müssen unbedingt mal wieder in Flauberts Enzyklopädie der menschlichen Dummheit schmökern, nehm ich mir vor. Was hatte er für geniale Einsichten! Ich wünschte, auch ich würde ... Aber nein. Und -nun ja, heute ist Sonntag, vielleicht verfasse ich noch einen Text, in dem möglichst oft vorgegebene Wörter auftauchen. Ich mach immer noch zu viel Gedöns drumrum. Damit es irgendwie nach was klingt. Blöd! Wollen wir ein bisschen golfen?, frage ich Gott. Bevor es wieder regnet. Och, antwortet Gott. Aber nur ein paar Löcher. Klar, denn der zivilisierte Mensch ...




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