Freitag, 29. Juli 2016

1 Cent


Ein Text mit 600 Wörtern wird mit 6 EUR vergütet. Ich strapaziere meine Rechenkünste und folgere: 1 Cent ist mehr als 0 Cent! Und für 6 EUR kann man sich einen Cappu und ein Brötchen kaufen, den Rest leg ich auf die hohe Kante. Was hältst Du von einem Cent pro Wort?, frage ich Gott, der wiegt den Kopf. Man kann bereits durch das Einreichen eines Probetextes höher eingestuft werden, man sollte jedoch - so geht das Gerücht - darauf achten, dass man nicht in die höchste Kategorie rutscht. Wer mehr als 6 Cent verdienen will - tja, oben bei den Großverdienern herrscht wohl dünne Luft, da gibt's anscheinend nur wenig Aufträge. Ich überdenke das. Andererseits muss man das Haus nicht verlassen, nachts nicht zu Unfällen düsen, sich nicht mehr auf Schützenfesten rumdrücken. Für Fotos gibt's bei solchen Jobs natürlich mehr. Und wer wirklich Glück hat, erlebt so aufregende Momente wie die Bergung einer Badewanne. Aber Spott im Nachhinein ist hässlich, und sicher war die Großaktion aufregend. Und wäre das nicht bestimmbare Objekt eine Bombe gewesen ... Spannende Momente, die Stoff für gute Texte hergeben. So oder so. Ein anderer Gedanke ist mir gekommen. Ich überlege, ob ich nicht Splatterfilme drehen sollte. Oder zumindest mal über Drehbücher in diesem Genre nachdenken sollte. Gott hält es für keine gute Idee, es gibt zu viel Ärger mit der Zensur, gibt er gleich zu bedenken. Aber letztens habe ich mich wieder mal in etwas hineingesteigert. Und bin über einen Film - wie lautete noch der Titel? - immer tiefer in die einschlägigen Foren abgerutscht. Das ist höchst interessant. Über einen Artikel zum Giallo, der stammte aus dem kulturwissenschaftlichen Milieu, habe ich mich direkt in die Abgründe der Fans gescrollt. Rezeption, der Blick und die Interpretation - das ist noch interessanter. Die Darstellung der Geschlechter ist also eventuell tatsächlich einen zweiten Blick wert. Zumindest wenn man den Kulturwissenschaftlern glauben will. Oder den Fans, die aber anscheinend etwas andres sehen als die Experten. Auf den ersten Blick sehe ich vornehmlich nicht ganz so attraktive Männer und zuweilen atemberaubend schöne Frauen, die sich oft und rasch ausziehen. Um als Opfer männlicher Gewalt extremst aufgeschlitzt zu werden. Mal sehen, ob wir einen weiteren Blick wagen. Was indes absolut jedem auffallen wird, ist die Kamera. Die traut sich was und hat wirklich Spaß - vor allem am Ambiente, der Perspektive. Vermutlich werden die Regisseure und Kameramänner deshalb so geschätzt. Ich wünschte, es gäbe da auch ein paar Damen am Redaktionshebel. Was mich zu Mdm Breillat führte, die aber etwas ganz andres macht, was ich mir auch noch genauer anschauen will. Na gut, bevor ich mich auf das Genre einlasse, schauen wir lieber noch ein paar Filme. Gialli! Zunächst. Und recherchieren zur Verpackung. Diese dicken wasserfesten Pornoboxes, auf die man im Zweifel als Mann auch gleich ... - genau. Die Verpackung ist schon - ein weites Feld. Und auf ein Buch bin ich gestoßen, das möchte ich lesen! Es wurde 2003 angeblich auf den Index gesetzt, 2007 dann beschlagnahmt. Was steht wohl drin? Und liegt es am Inhalt selbst oder an den Formulierungen des Autors, das wir Erkenntnisgehalt und Zumutbarkeit nicht selbst überprüfen dürfen? Spannend! Also gut. 1 Cent. Ich schau noch mal, unter welchem Motto der Probetext verfasst werden soll. Und ob's noch andere Jobs gibt, die in ähnlicher Gehaltskategorie rangieren. Aber bloß nicht übermütig werden!



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