Sonntag, 19. Juni 2016

Wasser


Wir wissen längst, dass die Sache mit dem Wasser nicht so einfach ist. Die meisten trinken es einfach - irgendwas. Die Dings trinkt zwei Liter Coca am Tag, sie sagt, sie sei süchtig. Und der Dings trinkt sicher mindestens drei bis vier Liter Kaffee. Und so sieht er auch aus, wie man sich das vorstellen mag - mit dem knallroten Gesicht eines Hypertonikers, der auf den ersten Blick den Eindruck vermittelt, er sollte sich unbedingt mal ein paar Minuten ausruhen. Erholen. Andererseits scheint das dem Dings überhaupt nichts auszumachen, während sich seine Umwelt um ihn sorgt und Herzinfarkt befürchtet, trinkt der einfach weiter. Einen schönen Kaffee, brauch ich jetzt. Na gut, wohl bekomm's. Zurück zum reinen Wasser, was besonders Teures oder exquisit Gutes soll es sein, oder was besonders Billiges. Oder Kranenburger. Letzteres könnte gar nicht mal so schlecht sein, da in den abgefüllten Flaschen bei Testergebnissen nicht nur eine Menge Keime, sondern auch Rückstände von Pestiziden usw. gefunden wurden. Für so eine Plörre muss man ja nicht auch noch tief in die Tasche greifen. Allerdings ist auch Leitungswasser nicht frei von Unrat. Und dann ist hier in der Region noch dieser hohe Kalkanteil, der's auch nicht gerade feiner munden lässt. Daher waren wir seit einiger Zeit zu unserer Marienquelle gefahren, dem vielleicht schönsten Getränkemarkt der Gegend. 




Allerdings bin ich ja immer misstrauisch, daher habe ich mal einen kleinen, belanglosen Test gemacht, der nichts beweist, außer das an diesem Stichprobentag zumindest keine Pestizide im Wasser waren. Prima! Die Mineralien habe ich nicht testen lassen, das Problem zeigte sich nämlich direkt vorab beim Heimtest: das Wasser war unvorstellbar sauer. Das ist schlecht, da es ja eigentlich die vermeintliche Übersäuerung des Körpers neutralisieren sollte. Also zapfe ich ja nun beim Doc das teure Kangen-Wasser, das rein basisch ist. Wir wissen, dass viele behaupten, basisches Wasser sei längst nicht so gut, wie es sich anhört. Andererseits ist bei steter Übersäuerung des Körpers ein Kontrapunkt vielleicht gar nicht so schlecht. Die Anlage, wenn man sie sich selbst zulegen will, ist allerdings verdammt teuer. Und insgesamt, wenn man sich ein bisschen in die Philosophie dieser  Anhänger einliest, ist das Kangen-Prinzip schon recht diktatorisch. Wer beim Essen trinkt, hat schon verloren. Und außerdem ist ein einziger Tropfen Kaffee oder Coca oder Bier etc. quasi tödlich, da es alle Bemühungen zu entsäuern umgehend zerstört. Man sieht dann ein Bild von einem großen Tank in dem einige Tropfen Böses alles Gute umgehend vernichten. So. Wollen wir uns von unserem Wasser das Leben diktieren lassen? Wie gesagt, eine Menge Präsidenten sowie Präsidentschaftskandidaten kippen sich das Kangen-Wasser rein. Wasser des Erfolgs. Nun, wir trinken es ja auch, allerdings vernichten wir die wohltuende Wirkung zwischenzeitlich durch böse andere Getränke. Es ist halt schwierig. Daher war ich beim Dings, denn der hatte mir ebenfalls angeboten, bei ihm zu zapfen - aufbereitetes Wasser, das aber nicht basisch, sondern neutral ist. Und zudem sind die Wasserkristalle irgendwie geöffnet oder so, damit der Körper die Mineralien überhaupt aufnehmen kann. Beim Dings saß ein netter Mann im Wartezimmer, wir plauderten. Bzw. er musste mir helfen, weil ich die Wasseraufbereitungsanlage mal wieder nicht verstand, so bin ich halt, inkompetent, verwirrt und konfus. Nun ja, wir plauderten, das Thema Wasser lag so nah, und dieser nette Mann sagte plötzlich: Fahren Sie doch mal zur Eggequelle, da waren wir früher immer. Aha. Mitten im Wald? Eine ausgewiesene Mineralquelle? Da bin ich immer sofort dabei. Und so fuhren Gott und ich also heute Morgen in den Wald, Chief Walks und ich haben uns zuvor mit Kokosöl eingerieben, das hält nämlich die Zecken ab, da braucht man gar keine Chemie. Und kann trotzdem durch die Wiesen laufen. Gott rieb sich nicht mit Kokosöl ein, weil er nicht an die Wirkung glaubt, oder es besser weiß, oder ... Keine Ahnung. Eingehüllt in eine exotisch schwere Kokosduftwolke also rollten wir durch die Landschaft, verfuhren uns mehrfach. Mussten nach dem Weg fragen. Nein, sagte der Mann, Eggequelle kenn ich nicht. Wir haben hier nur eine - das ist die Bruchquelle. Na gut, wie kommt man hin?, er erklärte es mir. Und da ist sie! Mitten im Wald! Perfekt! 


Der erste Geschmackstest ist okay. Vielleicht keine deliziöse Offenbarung, dafür aber geprüftes Wasser, das aus der Mineralienquelle kommt. Sodann folgt der zweite Test für Misstrauische! Das Wasser ist nicht sauer, sondern neutral, von der Farbe her geht es fast ins Basische, ich bin sehr zufrieden. Wir zapfen und nehmen mit. Gott flucht ein wenig, weil wir einfach nicht wie alle anderen auch - aus dem Hahn trinken. Oder aus dem Getränkemarkt. Weil er immer literweise Wasser durch den Wald schleppen muss. Usw. Aber, sage ich. Aber vor allem macht's doch eigentlich Spaß. Gott will das in diesem Moment nicht bestätigen. Na gut, der Chief und ich spielen noch ein wenig Verstecken in der Wiese.




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