Freitag, 24. Juni 2016

Ideen



Nebenbei schauen wir jetzt auch noch eine norwegische Serie. Yep, eigentlich wollte ich eine andere Serie bestellen, bin vom Weg abgekommen und -? Es hat geklappt, sie haben mir exakt das gesendet, was ich bestellt habe. Prima. Auch wenn ich eigentlich was andres schauen wollte, egal. Lifjord beginnt sehr langsam, vielleicht steigert es sich ja noch. Es gibt ein Verbrechen, das 20 Jahre zurückliegt, der einstige Verdächtige wurde freigesprochen, aber er könnte selbstverständlich dennoch schuldig sein. Dazu kommen eine Menge Verwicklungen in der fiktiven Gegenwart, denn der einstige Verdächtige kommt nun zurück in die Gemeinde und rettet sie durch eine ordentliche finanzielle Spritze. Ist er nun der Retter? Oder doch ein Rächer, der es gar nicht gut mit der Gemeinde meint, die ihn einst aus seiner Heimat vertrieb usw. Das könnte spannend sein, vielleicht wird es das noch. Ich las aber bereits in einem Interview mit dem Skriptautor, ich denke, es war der Autor, der das sagte, dass er eher eine Art Ibsen-Drama erschaffen wollte. Er sagte so ungefähr: Das Verbrechen ist nur ein Vorwand, damit die Figuren tun können, was sie tun. Darüber habe ich lange nachgedacht, zu kurz indes. Ich verstand den Gedanken nicht. Verstehst du das?, fragte ich Gott. Nicht, dass da wieder einer etwas Wertvolles erschaffen wollte ..., gab ich zu bedenken. Gott seufzte. Sodann überlege ich, ob es jemals einen guten Film über Charles Manson gab. Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas ... Wertvolles zum Thema gesehen zu haben. Mehrere interessante Dokus, hier z. B. eine. Bücher, über die ich mich geärgert hab. Überall stand, Manson sei ein kleiner Mann. Tja, 1,57 cm, wenn die Angaben stimmen. Ein kleiner Mann. Die Bücher wurden von Männern geschrieben, sie näherten sich dem Täter aus einer erhöhten Perspektive. Gehen wir die Sache anders an, halten wir es simpel, Charles Manson sah ziemlich gut aus und ziemlich irre. Da würde man am liebsten gleich wieder selbst recherchieren. Du bist kein Sektentyp, gibt Gott zu bedenken. Vermutlich nicht, Guru-Gesetze würden mir konsequent gegen den Strich gehen. Vor allem, wenn sie auf rassistischem und misogynen Nährboden gewachsen sind. Werfen wir einen kurzen ersten Blick auf 'Aquarius', das ist eine sonderbare Serie. Vielleicht versuchen wir uns auch mal an etwas true crime, der indes kaum etwas mit true crime zu tun haben will. “…All of the characters except for Manson and maybe some of his more famous acolytes are fictional. And I think even this Manson is fictionalized. It’s not in any way trying to tell his story”, darf man den Protagonisten Duchovny zitieren. Darüber denke ich wieder nach. Ein Äraportrait, das exakt was mit Fokus auf Manson erzählen will? Verstehst du das?, frage ich Gott erneut. Der seufzt mal wieder. Na, morgen ist endlich wieder FuBa-Tag, dann geht es sportlich auf den Platz und begeisterte Fans freuen sich über Siege. Die vielen Sex- und sonstigen Eskapaden einiger Spieler sind wie vergessen, Helden kämpfen fair um den Sieg. Draußen, im schlimmsten Fall sogar im Stadion stehen die Prolls und versauen das Spiel. Das ist durchaus richtig, wie Manson gleich die gesamte Hippie-Ära versaut hat - "Many people I know in Los Angeles believe that the Sixties ended abruptly on August 9, 1969…" Joan Didion, The White Album. Das Zitat bezieht sich auf die Tate- und LaBianca-Morde. Hier ist ein interessanter Artikel zu den Chaoten in den Stadien. Zu einigen. Da wir immer zweifeln, wissen wir nicht, ob man das alles so glauben kann. Soldaten, Krieger, Kanonenfutter. Junge Männer - seit Jahrtausenden vor einen Karren gespannt. Alle wollen wichtig sein. Und zuweilen scheint es ziemlich schwierig, all die überzeugten Wichtigtäter unter Kontrolle zu halten. Wie willst du die Welt retten?, frage ich Gott. Der hat diesbezüglich einige Ideen in petto, schweigt indes weiter hartnäckig. Ich wünschte, wir hätten uns früher kennengelernt. Als Gott noch kein Gott, sondern ein kleiner Junge war. Aber ich bin mir sicher, das wäre auch schiefgegangen. Utopie. Jeden Morgen hätte Gott vor der Schule gestanden, wäre unruhig von einem Bein aufs andere getreten, hätte auf die Uhr geschaut, schon wieder viel zu spät, gemurmelt und tortzdem auf mich gewartet. Bis der Papa und ich in dem alten moosgrünen Peugeot angeknattert kamen. Ihr seid wieder spät, hätte er gesagt und aus den Augenwinkeln rüber zum Wagen geschielt, aus dem der Papa ihm finstere Blicke zugeworfen hätte. Ich hätte die Achseln gezuckt und nach seiner Hand gegriffen. Aber du hast gewartet, hätte ich gesagt. Und wir wären Hand in Hand über den völlig leeren Pausenhof, durch die leeren Gänge geschlendert. Um viel zu spät in den Unterricht zu kommen und gleich einen Rüffel einzustecken. Nein, Utopie. Als kleines Mädchen hat man es nämlich nicht leicht, wenn einen der Opa wie einen Jungen aufzieht. Und die Oma einem kleine BHs häkelt und kurze Röckchen näht. Man steht dann doof da - mit Pflaster auf dem Knie, im Minirock, hält sich für einen ganzen Kerl und zieht immer den Kürzeren. Ja, ich hätte auf dem Pausenhof gestanden und Gott aus der Ferne angehimmelt. Der hätte wie alle großen Jungs in einer Gruppe rumgestanden, um wichtige Dinge zu besprechen. Die Kleine steht auf dich, hätte einer dann irgendwann gesagt. Und alle hätten sich umgedreht und zu uns rübergestarrt. Die kleine Rotznase, hätte Gott verächtlich gesagt. Alle hätten gelacht. Und ich hätte den Schnodder hochgezogen und wär mir mit dem Arm durchs Gesicht gefahren. Ich hätte die Typen gemustert - wie den Feind. Der sieht nicht mal gut aus, hätte meine Freundin Minni gesagt. Tut er wohl, hätte ich trotzig geantwortet. Gegen einen Mülleimer getreten und wir wären abgeschoben. Willst du uns deinen Aufsatz vorlesen, Schnute?, hätte dann mein Lieblingsdeutschlehrer nach der Pause gefragt. Er nannte mich immer Schnute, weil ich nie meinen Aufsatz vorlesen wollte. Oder sonst etwas im Unterricht tun wollte. Ich zog eine Schnute und las meinen Aufsatz vor. Totalitäre Regime lassen einem kaum eine Wahl. Aber Utopien ...



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