Montag, 20. Juni 2016

Garten


Wie einige andere Menschen unterschiedlichen Geschlechts womöglich auch habe ich mich mal wieder maßlos über derartige Expertisen der Herrenwelt geärgert. Ja, viele wissen längst, dass früher nicht alles zum Guten stand. Heute aber scheint die Welt in Ordnung - solange Frau das tut, was sie tun soll. Schweigen ist gut. Und zwar am besten bitte bei miserabler Bezahlung. Prima. Ich persönlich habe ja Glück, ich habe Gott. Er ist nicht nur anders, er denkt auch anders. Und - wichtigste Grundlage fürs Ganze? Er handelt auch anders. Was war es für eine heroische Tat - wir kannten uns ja noch gar nicht -, da stand er damals mit einem großen Korb voller feiner Sachen vor der Tür. Einfach so, ich öffnete die Tür, schaute erstaunt und sagte: Du! Ja. Ich, sagte Gott, stapfte an mir vorbei in die Küche und begann zu werkeln. Was machst du?, fragte ich, die sein Treiben überrascht beobachtete. Ich koche, du steckst in einer schwierigen Lage, du isst nichts mehr, sagte Gott. Ich liebte ihn! Ja, das war ein romantischer Augenblick, wie man ihn selten erlebt. Aber Gott ist ein Gott. Und die Götter, - so viel Unfug sie auch mit Vorliebe treiben, so gern sie auch ihre muscles spielen lassen, - sind Wesen, die einst eine gewisse ursprüngliche Gleichberechtigung praktizierten. Ja, Frauen als Kriegsbeute, aber auch mächtige Frauen mit mächtigem Einfluss, so mächtigem Einfluss, dass Athene sich einst selbst als männliches Wirken bezeichnet haben soll. Tja, vielleicht ging's von da an bergab. Vielleicht liegt's aber auch nur daran, dass die gesamte Mythologisierung aus Männerhand floss. Wer weiß. Götter wie Gott werden alles zum Guten führen - eines Tages. Bis dahin schmolle ich ein wenig und arbeite allein. Als Frau. Im Garten. So! Dabei handelt es sich indes nicht um ein geschlechterspezifisches Umdenken meinerseits. Ich schmolle lediglich. Ich kann das nämlich auch: ALLEINE! Wie mein netter neuer Gärtner, der erzählte, er könne nur allein arbeiten. Ein kleines Mädchen kam zu mir und fragte: Warum bist du immer allein? Soll ich dir Gesellschaft leisten? Ja, das hätte ich bestimmt früher auch gemacht, mich um den armen einsamen Gärtner gesorgt. Du kannst mir gern Gesellschaft leisten, hat er gesagt. Aber ich kann nur allein arbeiten. So bin ich halt. Okay, so ist er halt. Und ich bin jetzt auch so. Ich gärtner ohne Gott. Und zwar beginne ich? Mal schauen. Ich mähe mal wieder den Rasen, niemand weiß, wieso Gras so derbe schnell wächst, ich rasier es einfach runter. 


Nachdem das erledigt ist, kümmer ich mich um die Kletterhortensie. Die wird nämlich auf Dauer das Mauerwerk zerstören, so hat es mir der Gärnter gesagt. Ordentlich was runterreißen ist zunächst simpel. Dann allerdings komme ich nicht mehr an das wuchernde Etwas heran. Zudem sind die Äste zwar allesamt morsch, aber doch gewaltig dick. Schwierig, aber ... Exakt - ich brauche keinen Mann, ich brauche eine Säge. Und eine höhere Leiter, die werde ich gleich morgen mitbringen.


Dann klingelt mein Handy. Was machst du?, fragt Gott. Gärtnern, sage ich. Wie läuft's?, fragt Gott, sicherlich sorgt er sich um mich. Schön! Oder er fürchtet einen meiner Tobsuchtsanfälle, wenn etwas nicht klappt. Vermutlich wartet er einfach auf meinen Anruf, den ich stets beginne mit: Kommst du mal! Aber diese Zeiten sind ja nun vorbei. Es läuft supA, sage ich. Die Hortensie ist schon fast zerlegt, übertreibe ich ein wenig. Ich brauche besseres Werkzeug. Okay, sagt Gott. Du kommst wirklich allein klar?, fragt er, er klingt im Unterton skeptisch. Natürlich!, beruhige ich. Alleine gärtnern ist wunderbar. Ich lege auf und schließe die Pumpe an. Seit ich entschlossen habe, dass nichts schiefgehen kann, geht nichts schief. Im Gegenteil: Ein Wunder passiert - die Pumpe zieht tatsächlich Wasser! Dann werkel ich noch gut eine Stunde rum, und schon ist der Hochdruckreiniger auch angeschlossen. Los geht's!


Und morgen? Machen wir da gleich weiter. Mache ich da gleich weiter. Zwischenzeitlich muss ich mich nämlich ums Geschäft kümmern. Die werte Kundschaft. Den Rüdiger z. B. Den Rüdiger hat das Leben nämlich gelehrt, dass niemand kostbare LPs seriös verpacken kann. Deshalb hat der Rüdiger diesbezüglich eine Anleitung verfasst. Darin geht es um Atmung der Ware, um Luft, Pression und sonstige Dinge. Diese Anleitung werde ich nun so detailliert, wie sie verfasst wurde, studieren. Damit ich nichts verkehrt mache. Beim Packen. Für den Rüdiger! Ja, Männer! Ohne sie geht's halt nicht.


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