Sonntag, 12. Juni 2016

Feste


Morgens bummeln wir über das Dorffest. Ich bin erstaunt, wie viele Buden rumstehen. Und Besucher erst mal. Vor allem von dem Angebot der Gärtnereibude bin ich hingerissen. Es gibt alle meine Lieblingskräuter - Koriander, Kerbel usw. Und die Heilkräuter - Frauenmantelkraut, Mariendistel. Hier vor Ort habe ich das alles noch nie gefunden. Wo ist Ihre Gärtnerei? Da muss ich hin! Kurze Recherche ergibt dann allerdings, dass der Herr von der Gärtnerei mit seinem Sortiment fast aus dem Sauerland angereist ist. Das ist ein netter Zug, damit ich bei uns auf dem Dorffest endlich mal vor Ort! Regional Heilkräuter hamstern kann. Prima! Am Staubsaugerstand sinkt die Laune indes von überschwänglich hinab zu .... Und? Sind Sie mit Ihrem neuen Gerät zufrieden?, ruft die Verkäuferin während ihrer Präsentation einer Passantin zu, die offensichtlich letztlich einen Staubsauger erworben hat. Nein, lautet die klare, harsch formulierte, so überraschende Antwort. Und wir alle schweigen, der Moment zieht vorüber. Und dann ist es zu spät, um nachzufragen, was die tiefe Unzufriedenheit ausgelöst haben mag. Wir schlendern einfach weiter, wir müssen nämlich? Zum Doc, bei dem ist nämlich auch Feier. Und vor allem Gott freut sich schon - auf die Wildkräutersammlung. Du hast doch schon so viele gekauft..., sagt er. Wir fahren trotzdem. Zudem sind es Wildkräuter, korrigiere ich seinen Irrtum. Kein Mensch verkauft dir Giersch oder Gundermann. Bedauerlicherweise sind wir etwas spät, den Großteil des Vortrags haben wir bereits bei Ankunft verpasst. Gott und ich schließen uns dennoch der Gruppe an, die da im Garten vom Doc ein Wundermittel nach dem anderen einsammelt. Das schmeckt wie Schokolade, sagt der Doc und lässt uns einen Blütendolde probieren. Die Verkostung bestätigt, dass der Doc Schokolade ebenfalls für Teufelswerk hält und sicherlich schon länger nicht probiert hat. Trotzdem lecker, sage ich zu Gott, der sich umschaut. Vermutlich sucht er die Würstchenbude. Oder den Bierstand. Später werden wir lernen, wie man mit den Kräutern kochen kann. Das kannst du doch schon, sagt Gott. Also lasse ich die neue Rezepte-Inspiration sausen, essen wir lieber gleich das vegane, ayurvedische Menu. Lecker, nicht?, sage ich zu Gott. Der nickt - für einen Werbespot für urwüchslerische Vitalkost würde die zum Ausdruck gebrachte Begeisterung indes nicht reichen. Lecker!, wiederhole ich. Interessant gewürzt, sagt Gott. Ein Vortrag über Kangen-Wasser folgt. Gott, der den ganzen Unsinn für, ja, simpel Unsinn hält, ist plötzlich ganz begeistert. Er stellt sogar zwei Fragen, ich bin sehr zufrieden. Selbst die Obamas, munkelt man, sollen Kangen-Wasser trinken, raune ich ihm zu. Donald Trump angeblich auch, ich vergesse, das zu erwähnen. Das Wasser des Erfolgs! Wie auch immer. Manche halten es für schädlich, manche bekommen nach zwei Wochen strikter Basenwassertrinkerei Sodbrennen. Ich finde, wir sollten uns noch einmal an neutraler Steller informieren. Vielleicht gefällt Gott auch einfach die hübsche Frau, die vor uns steht und spricht. Und so lasse ich die zwei dann auch später allein und verziehe mich in den Yogaraum. So einen hätte ich auch gern. 


Lichtdurchflutet, sehr gute Athmo. Da ich völlig allein bin, lege ich gleich mit ein paar Entspannungsübungen los. Und da der Doc genial ist, muss man keinen eigenen Flow mitbringen oder sich an etwas erinnern. Hinlegen. Und an die Decke gucken. Die Sache läuft: 


  
Tiefenentspannt finde ich Gott etwas später bei einem Mann, der ihm und Poire den Vorteil von Resonanzkeramik erklärt. Wir fahren nach Hause, der Chief erwartet uns. Und ich freue mich schon auf Fußball. Gestern kam nämlich ständig etwas dazwischen, irgendwie hatte ich nicht mal am Abend Zeit, das Spiel zu sehen. Lediglich von den Krawallen habe ich etwas in den Nachrichten mitbekommen. Wie kann es zu derartigen Ausschreitungen kommen?, stellte der Nachrichtensprecher eine imminent wichtige Frage. Auf die der Kommentator vor Ort leider keine Antwort wusste. Ich lachte, wertvolle Filme werden es uns erklären, sagte ich und lachte immer noch. Obwohl mich ein mörderischer Blick von Gott traf. Aber die Männer schauen eh nicht gern mit mir. Ich weiß zwar schon einiges, wie das Spiel so läuft usw., aber der attraktivste Spieler, den erkennt man ja immer auf den ersten Blick, lenkt mich stets vom Geschehen ab. Außerdem ist das Bildformat sonderbar, man kann den eingeblendeten Spielstand überhaupt nicht sehen. Wenn man zwischendurch mal in die Küche geht oder telefoniert, wenn Poire etwas möchte oder zu laut mitfiebert, wenn man dann wiederkommt, muss man stets erst fragen: Wie steht's denn? Usw. Und wegen all der Störungen und disqualifizierenden Äußerungen schauen die Männer also viel lieber allein. Wo? Klar, auf dem Dorffest heute Abend. Viel Spaß! Ich schaue auch. Mit meinem alten Kumpel Stutti. Den hat mal ein Monsieur mitgebracht. Und nun machen wir zwei es uns hier gemütlich. Möge der Attraktivste siegen. Nein?


  

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