Samstag, 28. Mai 2016

Samstag


Es ist eine anstrengende Nacht. Poire schläft nicht, sie möchte etwas kommunizieren, aber ich versteh sie nicht. Wir versuchen das Problem gemeinsam zu lösen. Serge schnarcht, ich bezweifle, dass er ebenfalls etwas kommunizieren möchte, aber wer weiß ... Ich hör nicht hin. Fundamentale Problematik im Geschlechterkampf. Stattdessen sage ich mir, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Dieses Mantra wiederhole ich, bis mir einfällt, dass auch der ungeübteste Hobby-Psychologe heutzutage weiß, dass derart negativ formulierte Glaubenssätze alles lediglich schlimmer machen. Kommunikation. Ich habe Spaß und freue mich auf morgen, sage ich mir dementsprechend. Ich wiederhole: Spaß! Und derart enthusiasmiert, falle ich direkt in einen komatösen Schlaf. Aus dem es schwerfällt aufzuwachen, als der Wecker klingelt. Und aufzustehen. Bis mir einfällt, dass unten mein Lieblingsmoderator auf mich wartet. Im Radio! Prima! Spaß, ich krabbel aus dem Bett, wanke in die untere Etage, stelle umgehend das Radio an und? Runzle die Stirn, wo ist er? Wieso lässt er mich im Stich? Der Typ im Radio, den ich auch ganz gern mag - aber man darf nur einen Lieblingsmoderator haben, sonst gilt es ja nicht - gibt mir sogleich die Antwort: Wieder Samstagmorgen, sagt er. Samstagmorgen moderiert mein Lieblingsmoderator nie! Er ist ein Wochentagarbeiter. Ich überlege, wieso heute Samstag ist? Ich habe keine Ahnung. Eine anstrengende Nacht und ein langes Wochenend können ein ganz schön aus dem Tritt bringen. Und tatsächlich benötige ich noch ein ganzes Weilchen und eine kalte Dusche, um mich zu sortieren, dann kann's los gehen. Mit unserem neuen, uralten Mantra: Spaß! Spaß ist definitiv besser als Sorgen. Sofort treffe ich den Dings, gleich um die Ecke, und der macht sich Sorgen, der arme Kerl. Momentan wird hier überall eingebrochen, erzählt er mir, weil ich ja immer nichts mitkriege. Die waren schon bei den Dings, den Dings, den Dings und - mehrfach die Woche gehen die auf Diebestour. Selbst bei den Hempels sind die reingegangen, sagt er, aber ... Er lässt den Satz offen, sicherlich weil bei den Hempels einfach nichts Wertvolles rumsteht, was ein widerrechtliches Entwenden rechtfertigen könnte. Bei uns wär das sicherlich auch so: 'was machen die bloß mit dem ganzen Krempel', würde sich die Diebesbande fragen, während sie in der Bude über all die Stapel mit alten Büchern stolpern würde. Ich wiege den Kopf, ich werd mal wieder den Hundenapf vor die Tür stellen, sage ich. Der Dings zeigt mit dem Zeigefinger auf mich, diese energische Geste soll wohl heißen: Top-Idee! Wenn Hunde da sind, gehen die nicht rein, nickt er. Und dann lass ich mich noch mal genauer über die Diebestouren im Umland aufklären, das ist schon beängstigend, sagt der Dings. Irgendwie hat er recht. Aber dann muss er los: eine Schützen-Forschungs-Fahrt steht an. Das ist eine alljährliche Exkursion, bei der Schützen in die Ferne radeln, um Schützenbrüder und deren Heimat zu erforschen. In einer kleinen Rast, die auch gern mal Bierkipp-Stunde genannt wird, werden nicht nur die Örtlichkeiten, sondern auch die Gastfreundschaft der Brüder auf die Probe gestellt. Sodann wird weitergeradelt, um noch mehr Brüder zu diesbezüglich zu überprüfen. Usw. Zusammenhalt. Ein Bus fährt hinter dem Trupp her in der Sorge um die, die die Radelei, die Testerei oder einfach das viele Bier und andre Alkoholika - oder alles drei in der Kombination nicht allzu gut vertagen. Und ich muss auch los, noch ein paar Dinge erledigen, es ist Samstag! Bevor ich vor dem Gewitter mit Gott im grünen Zimmer ein wenig gärtnern will. Wollte Serge dir nicht helfen?, fragt Gott. Nein! Gott erbarmt sich also meiner, denn auch wenn ich ein paar Durchgänge und den Bambus locker selbst schneiden kann, braucht man zuweilen einfach -
rohe Manneskraft!




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