Mittwoch, 11. Mai 2016

Miles


In der Stadt gefällt es uns nicht. Es gibt ein orage, puis il fait lourd. Schrecklich schwül, warm und nass. Poire hat schlechte Laune, Chief Walks findet das Hotelzimmer viel zu klein. Und wo ist der Garten?, fragt er. Gott scheint unglücklich. Bist du unglücklich?, frage ich ihn. Er sagt: Nein. Der Fall scheint geklärt, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob er die Wahrheit gesagt hat. Ich habe irgendwo meinen Kamm verloren und laufe seither nur noch zerzaust durch die Gegend. Wir gehen etwas essen. Beim Türken ist noch ein Platz frei. Ich habe einen kleinen accent gehört, woher kommen Sie?, fragt er und schenkt uns Tee ein. Weil ich ebenfalls einen kleinen accent bei ihm höre, verüble ich ihm die Bemerkung nicht. Deutschland, sage ich. In Deutschland sind die Türken Deutsche, behauptet er, darüber denken wir nach. Und schauen TV. Fußball. Lyon gegen Monaco, Lyon schießt 6 Tore, das macht den Nicht-Monacoern viel Freude, die Bilder machen mir etwas Angst. Fette Männer, die sich für Fans halten und sich vor Freude ihrer T-Shirts entledigen, um mit entblößtem Speckbauch zu versuchen, ihre Sitze aus der Tribüne zu reißen. Macht das Sinn?, frage ich. Keiner der anwesenden Männer weiß darauf eine Antwort. Ich bin aber auch die einzige Dame in der Runde, sonst verliefe die Konversation sicherlich anders. Der freundliche Ober schenkt mir Tee nach. Was wollen wir morgen machen?, frage ich später Serge als wir en ville flanieren. Das ist eine Stadt, sagt er, du kannst shoppen. Pfff. Viel lieber beobachte ich den Polizeieinsatz direkt vor uns. Ein netter Polizist sperrt eine Straße ab, hinter ihm geht's hoch her. Mehrere Männer haben wohl etwas dagegen, dass sie durchsucht werden. Viel los in der Stadt. Irgendwo anders wird jemand von einer anderen Streife festgehalten. Sind Sie eine Frau oder ein Mann?, wird er gefragt, er will darauf keine Antwort geben, das führt zu Komplikationen. Aufregend! Aber kein Pflaster für mich. Was heißt eigentlich: Du mais des vices ?, frage ich sodann Serge. Über diese Formulierung denke ich schon einige Tage nach. Ein Sprichwort? Der Mais des Lasters? Das wäre wörtlich übersetzt, doch auch bildlich blumige Ausdrücke müsste man durch logisches Denken irgendwie erschließen können? Dieses Bild versteh ich indes nicht. Serge auch nicht. Ich spiele ihm das Lied vor. Er lacht und erklärt mir den Text. Spinner, sagt er. Ich höre und verstehe es jetzt auch - Wenn man's weiß! J'écoute du Miles Davis, klar. Der Mais des Lasters macht ja auch gar keinen Sinn. Also, sagt Serge, was willst du morgen machen? Was für eine Frage, wenn wir schon nicht da oben am Cap bleiben konnten, ab nach Hause! Au Touquet, wo wir unbedingt eine Stadtvilla brauchen. Für Weihnachten. Aber vorher noch? Na, die Antwort liegt auf der Hand!






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