Mittwoch, 18. Mai 2016

De Retour


Und noch bin ich gut gelaunt. Meine neuen Palmen haben die Fahrt gut überstanden. Wir haben nämlich oben am Cap, da sorgt ja der Golfstrom oder so für mildes Klima, eine freundliche Dame kennen gelernt, die einen ganzen Palmengarten pflegt. Und die hat mir ein paar kleine Palmen für meinen Garten mitgegeben. Immer schön gießen, hat sie gesagt, dann kommen die auch. Und. Wenn sie sterben, kommst du wieder und holst dir neue! Bislang leben meine Palmen aber noch, ich habe sie auch im Hotel stets gegossen und bin äußerst zufrieden. Dann klingelt es an der Tür und die Dings möchte mit mir reden. Gut, dass meine natürliche Schönheit unverwüstlich ist, so kann ich auch die Tür öffnen, obwohl ich eben erst aus dem Bett gekrabbelt bin. Wir sind gestern Abend erst zurückgekommen, sage ich dennoch entschuldigend. Das wusste ich nicht, sagt sie. Obwohl das unmöglich ist, eine klare Lüge, denn hier entgeht niemandem irgendwas. Ganz sicher nicht eine wochenlange Absenz, nun ja. Dann gesellt sich noch ein Nachbar und die Postbotin zu uns, ist doch schön, wenn man mal länger schläft, sagt die Postbotin. Finde ich eigentlich auch und vergesse langsam, dass ich nur ein Nachthemd trage. Wir quatschen ein wenig - über wichtige, unaufschiebbare Dinge. Da mir die Postbotin auch Post mitgebracht hat, schaue ich nach dem gemütlichen Plausch rasch mal nach, was sie mir alles Aufregendes gebracht hat. PRIMA! Die neuen Zeichnungen sind da, sofort vertiefe ich mich in die Vorschläge der Architekten. Sieht verdammt gut aus. Dann stoße ich auf Zahlen und da ich nicht gut im Rechnen bin, rechne ich mehrfach nach. Kannst du mal schauen, frage ich sodann Gott. Das sieht aber gut aus, sagt der. Ich nicke ... Bloß. Sie wollen das Dach kappen, weil die Neigung zu tief ist. Deshalb bauen sie dann ein ganz neues Dach an, das wird bestimmt teuer. Sonst geht es ja auch nicht, weiß Gott, sonst ist der Raum zu klein und zu dunkel. Ich bestätige das. Schau dir mal die Zahlen an, sage ich also. Gott hat mit einem Schlag alles ausgerechnet. Der Raum wird jetzt 6 cm tiefer, stellt er fest. Das hatte ich auch berechnet. 6 cm Gewinn. Das Dach kappen und ganz neu bauen. Für 6 cm Platzgewinn. Zuweilen bin ich ein Vernunftmensch, drängt sich diesbezüglich nicht ganz dezidiert die Kosten-Nutzen-Frage auf? Ich muss da noch mal nachhaken. Dann düsen Gott und ich ins Dorf, ich mache eine Vollbremsung bei der Bank, denn mir ist eingefallen, dass ich dort etwas überprüfen muss. Ich ziehe ein paar Auszüge und ... Die gute Laune ist umgehend verpufft. Mit Vollgas geht's zurück nach Hause, ich hänge mich ans Telefon. Der ist momentan bei Gericht, sagt die nette Dame am Telefon. Na, ich hoffe, nicht wegen Miethinterziehung, sage ich. Da lachen wir herzlich. Noch. Aber Sie können mir sicherlich erklären, wieso die Angelegenheit in den letzten Wochen immer noch nicht geklärt werden konnte, fahre ich dann freundlich fort. Sie seufzt. Ich bin neu, sagt sie. Ich darf Ihnen da keine Angaben machen, da müssen Sie schon persönlich mit .... Ich verstehe die nette Frau. Es ist bloß ..., sage ich. Sie versteht mich auch. Ich darf keine Angaben machen, sagt sie. Aber ich bin mir sicher, dass ich drei Eingänge gesehen habe. Ich bedanke mich, jetzt weiß ich immerhin, woran ich bin. Die Klärung der Sache bedarf sicherlich eines scharfen Tons. Es ist schön, wieder daheim zu sein. Wollen einen wirklich alle immer nur übers Ohr hauen? Wieso? Verstehst du das?, frage ich Gott. Der nickt mit dem Kopf. Nicht mit uns, beschließe ich. Basta. Um mich abzulenken, schlage ich Gott ein Experiment vor. Gib mir einen Text von dir, sage ich. Gott lehnt ab. Komm schon, ich bettle ein wenig. Wozu?, fragt er misstrauisch. Endredaktion, sage ich. Deine?, Gott wirkt etwas barsch. Brauch ich nicht, sagt er dann. Es ist ein Experiment, beharre ich. Schließlich gibt er mir einen Text. Ich reibe mir die Hände. Und los geht's. Gott macht selten Fehler, manchmal schon, meist nie. Diesmal finde ich keinen. Kommas kann ich nicht, die lass ich lieber, wie sie sind. Gott mag keine Cover, da er keine Werbung macht, sondern .... Er ist ein Pfeiler kulturellen Schaffens. Ich suche trotzdem ein Cover, die Leute sollen schließlich wissen, was Sache ist. Natürlich nehme ich nicht das passende zum Text. Ich suche ein ähnliches, das wird aufmerksamen Lesern auffallen, der Rest wird's gar nicht merken. Bei eingehenden Beschwerden kann ich das später ändern. Dann spricht Gott im Text über eine Tankstelle, das bringt mich auf eine Idee. Ich setze ein Bild von mir und einer Tankstelle mitten in den Text. Schön!


Für das Bild muss nicht bezahlt werde, kein Copyright usw. Praktisch. Sicher, aufmerksame Leser wird es verwundern. Was soll's. Sodann mache ich mich über das Eigentlich her - den Text. Gott hat's drauf, er findet immer diese feinen Ausdrücke und Vergleiche. Feingeist in Bildern. Auch im Olymp haben sie das bereits bemerkt. Schön gesprochen, Kollege, stellt sich dann ein anderer Gott voller Neid und Missgunst ans Rednerpult, um die Masse doch noch auf seine Seite zu ziehen. Und eine Resolution in simplen Worten nach seinen Vorstellungen durchzusetzen. Deshalb veränder ich Gottes Text, so dass ihn jeder versteht. Dann mache ich mich daran, das Ganze ins Internet zu setzen. Gott wirft mir einen Blick über die Schulter, was soll das?, fragt er. Ein Experiment, sage ich. Da steht mein Name, sagt er. Ich bestätige das, verhunzt hab ich es. Gott schaut sich das an. Wieso ist da ein Bild von dir auf einem Rasen?, fragt er. Ich sitze an einer Tanke, erkläre ich. Man muss näher hinschauen, um es zu erkennen. Aber so ist es. Ein direkter Zusammenhang zum Text besteht nicht, das ist so gewollt. Immerhin. Du sprichst von einer Tankstelle. Gott löscht das Bild. Das falsche Cover ebenfalls. Langsam werde ich ärgerlich. Denn dann zeigt er auch noch auf den geänderten Satz. Was soll das?, fragt er. So drücke ich mich nie aus. Ich nicke. Der letzte Satz war mir zu schwammig, das verstehen die Leser nicht, erkläre ich. Eine Metapher, ich wiege den Kopf. Gott zitiert meine Änderung: Unbedingt ansehen! Der Film ist von vorn bis hinten gelungen! Gott hustet und löscht den gesamten Eintrag, er ist jetzt stinkesauer. Das Experiment ist gelungen. Prima. Und zur erneuten Ablenkung? Zum Stressabbau? Gott und ich fahren rüber, es muss gemäht werden. Das hatten wir schon im Oktober letztens Jahres nicht mehr geschafft, es wird Zeit. Und es ist bedauerlich, dass weder Gott noch Serge dieses fanatisierende Rasenmäher-Gen in sich tragen. Alle Männer hier im Dorf mähen sicherlich zweimal die Woche, es muss einen mörderischen Spaß machen. Uns nicht. Und man sieht das auch. Als wir ankommen, ist der Rasen an manchen Stellen mehr als kniehoch gewachsen. Gott seufzt. Schmeißt den alten Rasenmäher an, der bereits nach 5 Metern den Geist aufgibt. Jetzt ist Gott vollends bedient. Er mault rum und beschließt, dass er sich ab jetzt um gar nichts mehr kümmern wird. Er hat die Schnauze ... aber ganz gestrichen. Usw. Ich schweige derweil. Und dann! Entscheidet Gott sich, zum Baumarkt zu fahren. Wir brauchen einen neuen Mäher. Und eine Sense. Und ich klatsche in die Hände, ich komme mit!, rufe ich. Denn das ist genauso wie früher mit Opa. Oder Papa. Oder mit Monsieur. Erst immer ordentlich rumschnauzen. Dann eine kluge Entscheidung treffen. Und wieder Spass an der Sache bekommen. Gott hat schon im Baumarkt Spaß, denn der Verkäufer präsentiert uns so ganz irre Hightech-Mäher. Das ist doch viel zu viel Technik für unsere Flächen, werfe ich ein. Die Männer scheinen in einem anderen Universum, sie hören mich gar nicht. Dann braucht Gott noch eine elektrische Sense. Die kann man sich umschnallen. Und und und. Und dann fahren wir wieder nach Hause, Gott schnallt sich die Sense um und säbelt das hohe Gras um, als wären es Federn im Wind. Harte Männerarbeit, die er, der Sensenmann, im Vorbeigehen erledigt. Ich winke ihm zu, Gott lacht. Vielleicht trägt er das Sensen-Gen in sich? Ich bin sehr zufrieden. Ich hatte ihm im Urlaub L'Homme Ultime geschenkt. Denn das ist er ja, das erarbeitet er sich jeden Tag aufs Neue. Knallhart. Durch all die vielen Untiefen, die das Leben so schreibt. Und er macht das - ja. Comme il faut. L'Homme ultime eben. Klar.



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