Dienstag, 26. April 2016

En Passant


nimmt man alles mit, was man kriegt. Man sollte schließlich fit sein. En passant hab ich leider und schon wieder nicht geschafft, "Spielarten der Rache" endlich einzusetzen. Aber das kommt, eines Tages, wenn jeder begeisterte Leser die eigene Lektüre längst vergessen hat. Erinner ich noch mal dran. Und wie sagte der freundliche Verleger, es hat keine Eile, es ist immer erst fertig, wenn es fertig ist. Genau, womöglich wird er sich schlussendlich doch wundern, wie großzügig man seine Worte auslegen kann. Aber egal, hier - im kleinen Kreis - haben eh alle längst Red Dock goutiert, klar. Und mit schiefem Schädel bekommt man generell nicht viel hin. Also schaue ich en passant mal lieber beim Dings vorbei, der ist nämlich auch Therapeut und darf einen Blick auf meine Halswirbelsäule werfen. Echt? Zwei Wirbel verschoben? Ich wusste es, und da es sich mit geradem Kopf einfach klarer denken lässt, lass ich ihn rumwerkeln. Gut, dass der Dings nicht Dorn-Therapie praktiziert, sonst hätten wir jetzt wieder so eine Ringernummer, aber er mobilisiert sanfter. Und hält mir dann eine kleine Pistole in den Nacken, die dort einen Lärm macht, als wär's ein Presslufthammer. Nun ja. Physiotherapie. Dann erzählt er mir, dass er über das nächste WE in Paris eine Fortbildung gibt. Mehrere Vorträge etc. Aha, nimmst du mich mit?, frage ich. Du fährst doch selbst weiter in diese Pampa, sagt der Mann, der selbst in hinterster Pampa wohnt. Dafür allerdings am Meer. Na gut, da ich niemals lange fackel, komm ich auf den Punkt und stelle ich die wirklich interessante Frage. Und. Schon eine Escort-Lady gebucht?, frage ich, denn in Paris kann man einen guten Schnitt einfahren. Da gibt es viele einsame Herren auf .. ähm - Fortbildung. Was ist eine Escort-Lady, fragt mich stattdessen der Dings. Ja, es gibt die unterschiedlichsten Männer, und der Dings ist wirklich manchmal schwer von Begriff, und ich glaube tatsächlich nicht, dass der sich verstellen kann. Andererseits - man weiß nie. Die kümmert sich um dich, wenn du dich einsam fühlst, erkläre ich also dem Dings die erwerbliche Verwöhnerei. Ich wollte mir Paris anschauen, sagt er. Warum nicht. Abends, sage ich. Wer möchte schon einsame Hotelnächte in der Stadt d'amour verbringen. Und ihm dämmert's. Ach so, nein, sagt er. Dann wär ja bestimmt die gesamte Kohle von der Fortbildung wieder ausgegeben. Wäre möglich, vermutlich sogar mehr. Wenn man es exklusiv bevorzugt. Er hat also keine Pläne zum abendlichen Stressabbau. Oder doch, denn dann sagt er überraschend: Das hab ich auch gar nicht nötig. Ach, jetzt wird's interessant. Wenn man eine Fortbildung leitet und Vorträge hält, erklärt er mir nun, ist man eh der King. Die sitzen vor dir und mutieren zu richtigen Groupies. Ach. Bei dem Dings?, jetzt bin ich verwirrt. Vor einem Monat war ich schon mal in Paris, sagt er. Da hat mir die eine eine lange Nacht versprochen. Sie hat mir von ihrem Wasserbett vorgeschwärmt, erzählt er mir. Das hat sie mir direkt angeboten. Es fällt mir schwer, das zu glauben. Doch der Dings scheint tatsächlich die erneute Begegnung mit der aufgeschlossenen Dame mit Wasserbett zu fürchten. Wenn man Vorträge hält, bekommt man ständig solche Angebote, erklärt er mir. Darüber denke ich nach. Und Gott, sobald ich ihn wieder treffe, bekommt absolutes Vortragshalte-Verbot. Vorträge halten scheint viel zu gefährlich für einen einzelnen arglosen Mann. Sobald Damen im Publikum sitzen. Aufdringliche Damen mit Furcht erregenden Angeboten. Und ich dachte, der Dings wäre naiv. Aber wie sich mal wieder herausstellt ...


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