Sonntag, 24. April 2016

En passant





Es hat so lange gedauert, aber dann haben wir ihn doch noch gefunden. Einen netten Bestatter übrigens auch, ein sehr netter älterer Herr, der etwas angeschlagen schien. Hoffentlich kriegt er uns bei bester Gesundheit noch unter die Erde. Wenn's dann soweit ist. Er zeigte auch keinerlei Interesse, einen wirklich guten Schnitt mit dem absehbaren Tod zu machen, immer wenn ich etwas Schönes sah - darf ich den Sarg noch mal kurz ...? - gab er zu bedenken: Den Sarg sieht niemand. Der wird sofort verbrannt. Das sind logische Argumente. Ich denke noch darüber nach. Also, nach dem Abgang geht's in die Urne. Mich dann bitte ins Meer werfen. Oder. Wer lieber an Land bleibt, braucht einen Baum. Gott und ich suchten und suchten. Der ganze Wald hier ist schön, sagte Gott, dem konnte ich nicht widersprechen, trotzdem war die Feststellung keine recht Hilfe.
Also lief ich vor, erst nach rechts, dann den Hügel hoch. Dann wieder runter und nach links abgebogen. Und da sah ich ihn! Und Gott - ein anderer womöglich als meiner - gab ein Zeichen. Ich sah den Baum und stürzte den Abhang hinunter. Ich dachte schon, die Kamera wär zerschlagen. Es gibt aber wohl nur ein paar neue blaue Flecken. Als Gentleman der alten Schule kam Gott - mein Gott diesmal - umgehend angeeilt, um einer älteren gebrechlichen Dame wieder in die Senkrechte zu helfen. Nicht immer so rasen, rügte er. Das ist er, sagte ich. Wer?, fragte Gott, der durch das kleine vermeintliche Unglück abgelenkt schien. Der Baum, den wir suchen, rügte ich nun meinerseits. Immer fokussiert bleiben. Dort steht er. Strahlend in der Mittagssonne, am Abend wird er den Sonnenuntergang über den Wiesen und dem kleinen Bach genießen. Perfekt. Ein dicker Stamm, der sich teilt. Und doch eins ist. Ein Sinnbild jeder guten Beziehung. Gott betrachtete den Baum ebenfalls, vermutlich sah er wieder was andres als ich. Was indes lediglich meine Geteilte-Stamm-Theorie bestätigt. Ich bin glücklich, dass ich endlich gefunden habe, was wir suchten. Einen Baum. Zum Sterben. Merci.
Abends - en passant - warf ich noch einen Blick auf "Sicario". Das ist natürlich kein Film - für mich. Eher ein Symbol in Bildern - zugegeben, starken Bildern der Ohnmächtigkeit. Robin schlief sofort ein. Trotzdem. Clever ist es, eine hübsche Frau durch diese Bilder wandeln zu lassen. Schweigend. Verständnislos. Nur die Männer wissen Bescheid. Zumindest tun sie mal wieder so, als hätten sie einen Plan. Und die schöne Frau rätselt wie alle Ohnmächtigen, was da wohl grade passiert. Sicher. Ein kluger Film
Und - wie angekündigt - ebenfalls en passant: 
Einige kurze Gedanken zur Frauenserie -


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