Mittwoch, 20. April 2016

Außen



Von außen sollte immer alles schön sein. Und sortiert. Man weiß schließlich nie, wer mal vorbeischaut. Hier z. B. schauen zuweilen der ein oder andere Ex-Monsieur vorbei. Und ein sehr kluger Kopf von diesen merkte nun an, dass es - Erfolg hin, Misserfolg her -, gar keine schlechte Idee sein könnte, den Nebenblog auch von diesem zu verlinken. Ich habe seine Geistesblitze immer schon geliebt. Was für eine famose Idee, die hätte mir eigentlich auch selbst ... Für die Wahrnehmung generell. Von außen. Das hättest du mir aber wirklich auch sagen können, sage ich verärgert zu Gott. Ich dachte, vielleicht kommst du selbst drauf, antwortet der. Tja, das hätte ich wohl. Merci also für den großartigen Gedanken. Einer muss eben immer aufpassen. Gott passt auf die Bücher auf. Obwohl ihm die Bücherstapel, die überall rumstehen, gewaltig auf den Keks gehen, ist er nicht gewillt, sie in die Tonne zu werfen. Selbst wenn wir mit einem Buch am Ende nur einen EUR machen, rechnet er das auf 300 hoch. Ich seufze dann und setze das Buch ein. Schließlich packt Gott die Dinger, er hat die Arbeit. Und wie gesagt - für ein verscherbeltes Buch setze ich fünf bis zehn neue ein - die Sache läuft. Aber man sieht es nicht, von außen könnte man glauben, dass überhaupt nix passiert. Wir haben einfach zu wenig Stauraum. Der Buchrettungsprozess ist ein langsamer, innerer Heilungsprozess. Und auch dies schon wie gesagt - reich werden wir bei der Sache nicht. Aber Gott hat recht, es macht mörderischen Spass, wenn man ein eigentlich vergessenes, vergriffenes Fachbuch wieder unter die Leute bringt. Ob man dann 89 oder 1 EUR kassiert, ist dabei gleichgültig. Obwohl ... 

Das Äußere ist also wichtig. Viele behaupten die Oberfläche. Beim Blog müssten wir also auf Attraktivität achten. Attraktivere, heißere Bilder, die aber nur dann Beachtung finden, wenn sehr viele Menschen sie liken. Kontaktmanagement. Ich erinner mich immer gern an einen Bericht von - was war es noch - sicherlich ein wichtiges Treffen. Ein Typ berichtete davon. Es war bestimmt schon weit nach Mitternacht, die Frauen waren alle längst in ihren Hotelzimmern ... Und da passierte es dann! Ich weiß nicht mehr was, aber die vermutlich inzwischen ermüdete, angetrunkene Herrenrunde ließ sich zu etwas Grandiosem hinreißen. Natürlich ist es nun clever, früh ins Bett zu gehen. Von außen betrachtet indes - verpasst man dann die tollsten Dinge. Posten-Geschachere ebenfalls. Das wissen wir allerspätestens nach 'House of Cards'. Wir ahnten es indes schon vorher. Nicht Inhalt, sondern: Präsenz!

In der Homöopathie behauptet man, der Mensch heile von oben nach unten und von innen nach außen. Dieser Gedanke würde bedeuten, dass die Oberfläche nur hübsch sein kann, wenn die unteren Schichten ebenfalls rein sind. Funktioniert ja auch prima. Pickel, Orangenhaut und so weiter haben wir Adieu gesagt. Der Alterungsprozess ist selbstredend nicht aufzuhalten, wenn man aber die Schlacke der vielen kleinen Sünden, die man stetig begeht, auch stetig wieder aus dem Organismus entfernt, könnte das auch das Altern positiv beeinflussen? Zumal ja ebenfalls behauptet wird, die Schlacke setze sich zunächst mal in der Haut ab, da sie dort am wenigsten anrichten kann. Dort verhunzt sie lediglich die Oberfläche. Und erst wenn dort kein Platz mehr ist, wandelt sie sich in Zellen um, die schwere Krankheiten auslösen können. Weil kein Platz mehr im Körper ist, um innerlich das Böse beiseitezuschieben. Macht Sinn? Korrekterweise erwähne ich hier, dass Schlacke oder derartig Böses in der Schulmedizin nicht existiert. Wieso Krankheiten ausbrechen, weiß man zwar nicht. An über Jahrtausende erprobte Modelle möchte man nicht glauben. Aber wie hier bereits öfter angedacht, wäre es ja auch blöd für Mediziner, wenn kaum jemand mehr krank wird und Medizin braucht. Sie operieren ja jetzt schon, was das Zeug hält, auch wenn die Schmerzen oder Probleme durch derartige Eingriffe nicht stets reduziert werden können. Und - auch das ist wichtig, ein Hospital und ein einzelner Arzt brauchen gewisse Eingriffe, sonst stimmt die Bilanz einfach nicht. Das Außen. Von innen nach außen bin ich also ganz prima geheilt. Leider kommt diesbezüglich oben und unten noch hinzu. Ich habe nämlich eine Krankheit, die wir hier nicht tiefer thematisieren wollen, und die es womöglich gar nicht gibt. Es macht sogar Sinn, dass Schulmediziner sich nicht mit ihr anfreunden können, da sie bei jeder Person, die davon betroffen ist, in absolut individueller Ausprägung auftritt. Es geht quasi, wenn man energetisch denkt, um ein Ungleichgewicht. Deshalb suchen energetisch arbeitende Therapeuten diesbezüglich immer die Balance. Schulmediziner nicht. Die wollen operieren. Wir würden ihren Kiefer erneut brechen und kontrolliert zusammenwachsen lassen, sagen sie. Schon wieder? Ist Schmerzfreiheit dann garantiert? Nein. Wir würden die Wirbelsäule operieren und vor allen Dingen am Becken ... Das auch noch? Das auch noch! Ist dann die Schmerzfreiheit garantiert? Eine Garantie gibt es nirgendwo, sagte der erste, der zweite und der dritte Arzt. Ich entschied mich gegen all die OPs. Wie alles an mir, ist mein Kiefer eh zu schmal, aber, sagte der Arzt, man könnte Knochen aus dem Oberschenkel operieren und ... Nein danke. Dann lieber doch die Falten glatt spritzen lassen und die Körbchenmaße vergrößern. Wir setzen also auf die Balancetheorie. Keine Schlacke im Körper, aber noch Schmerzen. Und der zieht, wie's im Buche steht, nach unten. Die Migräne bekämpft man über den Dreifacherwärmer und den Gallenblasenmeridian. Dann die Lymphen aktivieren für den Abtransport des Üblen. Und dann? Freier Kopf, steifes Knie und eine nicht bewegbare Ferse. heute Morgen machen wir aber nur einen kleinen Spaziergang, sage ich zum Chief, der alt ist und oft nicht laufen will. Nö, sagt der, heute hab ich gute Laune. Wir machen mal wieder den alten Weg. Also humpel ich als alte Frau neben dem bestens gelaunten Chief her. Nach außen geben wir ein prima Paar ab. Wir treffen die alte Schnepfe, die gar nicht alt ist, aber einfach dämlich. Letztens hatte sie behauptet, die Gärten seien ungepflegt. Wie meinen Sie das?, hatte ich nachgefragt. Das fiel ihr dann grad nicht ein. Wo fahren Sie denn in Urlaub hin, fragt sie mich, nachdem sie über meine Humpelei nichts herausbekommen hat. Sie wird die Zusammenhänge nicht verstehen. Da ich keine Lust habe, dass gleich das ganze Dorf, ob es will oder nicht, davon erfährt, fasel ich etwas von einem Urlaub, da hatten wir mitten in der Schweiz Motorschaden. Jetzt kann sie sich selbst ausdenken, wo's hingeht. Letztes Jahr waren sie drei Mal in Urlaub, behauptet sie. Es ist wie mit der Muschel, es treibt einen immer wieder fort, sage ich. Das versteht sie nicht, sie faselt etwas von Geld. Haben Sie den Monsieur schon mal zum Kaffee nach Hause geholt, fragt sie, denn ihren intelligenten Argusaugen entgeht nichts. Doch da sie offensichtlich von nichts eine Ahnung hat, nicke ich. Natürlich, behaupte ich. Jedes zweite Wochenend, lüge ich. Denn ich kann nur dann nicht lügen, wenn die Lügerei einen Sinn macht. Sie glaubt mir nicht. Ich backe dann immer seinen Lieblingskuchen, lüge ich lustig weiter. Obstkuchen mit Marzipan. Und Vanillesauce, ich könnte unsere häuslichen Kaffeeklatschvergnügen noch stundenlang ausschmücken. Und jetzt wollen sie anbauen?, fragt sie stattdessen. Da sie das auch nix angeht, zucke ich die Achseln. Man hat ja immer sehr viel Krams, sage ich kryptisch, auch wenn ich weiß, dass das nicht stimmt. Bei anderen in der Bude steht oft nur ein Tisch und ein Sofa. Ein Regal mit einer Vase und einem Buddhakopf. Und viele Multimedias. Die Bewohner wissen dann oft den ganzen Tag nicht, was sie mit sich anfangen sollen. Wie Madame hier, die mir gegenübersteht. Das Haus ist doch jetzt schon viel zu groß, sagt sie. Das hat sie sicherlich von außen eruiert. In die gute Stube würde ich sie niemals bitten. Finden Sie?, frage ich interessiert. Man wird älter, am Ende ist man allein, die Kinder gehen aus dem Haus, der Mann stirbt; das schafft man dann gar nicht. Dafür dass sie bestimmt zehn Jahre jünger ist als ich und zwei kleine Kinder hat, macht sie sich viele interessante Gedanken über die Zukunft. Ich bestätige sie: Im Alter werde ich viel zu putzen haben, überlege ich. Sie stimmt mir zu. Ich würd mir das wirklich überlegen, sagt sie. Allein die Fenster. Ja, so ein Anbau gibt den Nachbarn viel zu überlegen. Dabei haben wir nicht mal angefangen. Ich seufze, als ich endlich mit dem Chief weiterhumpeln kann. Wie konnte es uns nur hierher verschlagen? Wenn schon da, dann nicht dort, hatte ich damals gesagt. Der Monsieur hatte sich auf der anderen Seite der Stadt umgeschaut. Drei Grundstücke gefunden. Direkt am Golfplatz, was sehr praktisch ist, wenn man eh jeden Tag hinfährt, wie wir es dazumal taten. Direkt am Wald, was sehr praktisch ist, wenn man zumindest etwas Belle Vue haben möchte. Mit bester Luft, das spürt man sofort, wenn man ankommt - Luftkurort. Der individuelle Eindruck wurde inzwischen von einer Expertenkommission bestätigt. Gute Luft von außen gegen Bronchienerkrankungen usw. Toll! Insgesamt also - gute Lage. Monsieur wollte drei Grundstücke kaufen, aber nur ein Haus bauen. Von außen betrachtet, war das ein perfekter Plan. Platz. Und Raum - vor allem Raum! Ist ein Unterschied. Wir sollten uns in diese theoretischen Texte einarbeiten. Es ist interessant, dabei bin mir gar nicht sicher, ob der Bachelard richtig liegt. Es war aber nicht erlaubt, auf drei Grundstücken nur ein Haus zu bauen. Die Logik dahinter ist klar. Monsieur wurde derart wütend, dass ... Na ja. Das Innen explodierte. Und es ist immer, wie es ist. Die verhärtete Kruste der Muschel so gestalten, dass man sich trotz allem wohlfühlt. Um sie dann später, da sie so attraktiv ist, zum Bestpreis abzustoßen. Ich habe einen Plan, der führt übers Äußere ins Innere und wieder nach außen. Es kann nicht verkehrt sein. Es ist nur eine komplexe Sache. Wie mit den Blogs. Attraktiv sollen sie sein. Für einige beinhaltet das auch Inhalt. Nicht nur Oberfläche. Um es simpel zu halten, sollte man möglichst monothematisch vorgehen. Das schaffen die meisten, indem sie heutzutage ausnahmslos Fotos von sich selbst posten. Aber es gibt selbstverständlich umwerfende Literaturblogs. Kochblogs. Politik- und Fotoblogs. Mein-Hund-Blogs, die Katzen erwähn ich gar nicht. Ich hier, auch wenn's nach außen nicht so aussieht, bin indes ebenfalls monothematisch. Es steht da oben, in der idiotischen Adresse des Blogs, die ich damals eingab, als ich alles noch gar nicht verstanden hatte. Das Leben. Aus der Muschel voller Angst und Neugier ins Leben geschaut. Von innen nach außen. Und Retour.


~

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen