Dienstag, 17. März 2015

Verwalten



Ich bin nicht dafür geschaffen, lasse ich Gott wissen. Ich bin k.o. Und dabei hab ich noch nicht mal richtig losgelegt. Gott schweigt. Was meinst du? Sollen wir umziehen? Jetzt schon?, fragt er. Du hast doch gerade so viele Verantwortungen übernommen. Klar, noch nicht nach Frankreich, präzisiere ich. Hmm, das wär natürlich schön! Ich werde ... Gott summt es wieder. Knallharte Geschäftsfrau, sage ich. Wir verkaufen Rares! Das bringt die Kohle. Dazu erweitere ich mit meinen speziellen Vorlieben das Angebot, Gott nickt. Wir ziehen endlich ins idyllische Barfleur, da vorn, das erste kleine Haus neben dem Restaurant war unsers. Zu klein, wirft Gott ein. Viel zu klein, nicke ich. Und die Jungs im Hafen machen zwischen 3 und 5 einen Radau, man glaubt es kaum. Ins idyllische Barfleur also - in ein großes Haus, etwas entfernt vom Hafen. Chief Walks braucht einen Garten. Und du fährst regelmäßig rüber nach Guernsey, dann kassieren wir bestimmt viel besser. Zweitwohnsitz in der Steueroase. Schön!, sagt Gott. Eine gute Idee. D'accord. Aber vorher noch erst einfach rüber ziehen? Ach, in die Bruchbude?, sagt Gott. Wäre eine Option, sage ich. Die Kohle muss schließlich immer erst reinkommen und nicht rausgeballert werden, Gott scheint einverstanden. Wir brauchen noch ein paar Gutachten, Käufer hab ich genug, die vermeintlich gute Lage, aber - da wird erst knallhart kalkuliert. Es müsste renoviert werden, wirft Gott ein. Muss es eh. Wenn wir nicht ganz so anspruchsvoll sind, kommen wir vielleicht mit dem Kurvendenken besser raus. Wenn oben anständig isoliert ist, sage ich, was mein Lieblingsarchitekt noch kontrollieren muss, wäre es verdammt günstig, zwei Wände reinziehen. Zwei Schlafzimmer, ein Bad, so eine chice Wendeltreppe wie letztens im alten Schweinestall in Frankreich. Die Wand von der Küche einreißen. Ich kicher, das haben wir schon einmal gemacht, in einem anderen Haus. Es klingelte, ein Mann stand mit einem riesigen Hammer vor der Tür, grüßte nicht, stapfte an mir vorbei. Und fragte: Diese Wand? Nein, bloß nicht! Die hier, bitte! Und weil er so auf seine Arbeit fokussiert war, war die dann auch nach einer halben Stunde verrichtet. Ohne überflüssigen Abschiedsgruß ging er wieder. Ich bin immer noch beeindruckt von der Tatkraft des Mannes mit dem Hammer. Das wäre ein Riesenraum, kommt Gott zum Thema zurück. Ich nicke, wie ich es mag - Wohnraumküche. Ein riesiger Wohnraum, überdenkt Gott. Ich nicke, er schüttelt den Kopf. Ein riesiger Garten, sagt er, ich nicke wieder, er schüttelt den Kopf. Viel zu viel Arbeit, sagt er. Ach so. Ja, Gott führt hier ja den Haushalt, waschen, putzen, saugen ... Mit solch profanen Dingen kann ich mich ja wirklich nicht abgeben. Meinst du, das schaffst du nicht?, frage ich. Irgendwann solltest du das alles wieder übernehmen, sagt Gott. Uih, daran hab ich nicht gedacht. Tja. Erst mal muss die Kohle reinkommen, sage ich. Hilfst du mir mit dem Schrank? Denn auch beim Umzug kann man sparen, wenn man das meiste einfach selbst erledigt. Es ist nur harte Arbeit. Möbelpackerei. Und Serge und Robin?, fragt Gott. Die sind mit der Patin unterwegs, erinnere ich ihn. Die müssen nämlich Geschäfte erledigen, welche wohl? Wo kommt jetzt eigentlich das ganze Geld her?, frage ich. Welches?, fragt Gott geistesabwesend. Die Kohle, Capucine hatte doch das riesige Haus mit Pool gekauft, erinner ich ihn an all seine schweren Bedenken ihrem Gewerbe gegenüber. Ach, sagt er. Alles in Ordnung, kein Problem. Ja, in glücklichen Zeiten möchte man nicht alles hinterfragen. Wo kommt es denn nun her?, beharre ich. Gott schweigt. Ein Erbe?, schlage ich vor. Genau, nickt Gott. Ihr Onkel ist verstorben. Ich nicke, bei mir sind auch schon ein paar Onkels verstorben, klar. Wie schön, sage ich, dass der Onkel an die gute Capucine gedacht hat. Sonst stände sie am Ende noch mittellos ... Gott wirft mir einen Blick zu. Lass das doch Serge und Robin demnächst machen, sagt Gott, der anscheinend keine Lust auf schwere Arbeit hat. Der Griesgram und der Dicke, sage ich. So richtig konnten sie mich bislang nicht mit ihren Fähigkeiten beeindrucken. Als Kinderschreck, ja, ich hatte sie doch zum Training vom Kleinen geschickt, der von seinen Freunden gepiesackt wurde, als Kinderschreck taugen sie was. Wirklich. Aber bei harter Arbeit? Nix als Murren. Den Griesgram mag ich lieber, lasse ich Gott wissen. Er ist auch dick, aber dazu noch griesgrämig, wie man es bei einem echten Kerl erwartet. Meinst du, er ist auch ein Mörder? Serge? Natürlich nicht, sagt Gott und schaut mich böse an. Aber er hat diese melancholische, selbstverliebte Aura, sage ich. Vielleicht ist er ein Monster, flüster ich. Ich werd ihn einfach fragen, wenn er wieder da ist, fahre ich dann in normalem Ton fort. Lass es, sagt Gott. Der momentan wohl lieber Scheuklappen trägt. Ist ja auch oft viel besser, Dinge nicht zu wissen. Ein Waffenhändler erzählt einem bekanntermaßen auch nicht alles, man gibt das Geld, das auf dem Küchentisch liegt, einfach aus. Warum denn nicht? Ist doch harter Arbeit entsprungen, Gott und ich wir sind aus einem Holz. Ich spreche den Gedanken gleich mal aus, Gott zeigt mir einen Vogel. Du spinnst, sagt er. Tja. Wie ist es eigentlich, mit Rezensionen Geld zu verdienen, frage ich dann. Oh, sagt er. Das ist ... Ich warte geduldig. Das ist wunderbar, sagt er. Ich lache, da Gott nicht lacht, täusche ich einen plötzlich heftigen Hustenanfall vor. Man ist wichtig, sage ich dann. Oh ja, nickt Gott. Man beeinflusst das Denken vieler Menschen. Ich nicke, wenn man ein paar Bücher demonstrativ im Fernsehen in die Mülltonne wirft, wahrscheinlich schon. Nicht, dass die Leute das nachahmen. Denn Bücherwegwerfen ist natürlich ... Allerdings muss man sehr professionell arbeiten, unterbricht Gott meine Gedanken. Wieder nicke ich, wie immer und überall, wer will schon die Meinung von Laien hören! Literaturwissenschaftler, die heutzutage fünfmal umschulen mussten, um überhaupt irgendeinen Job zu ergattern mit ihrem Einser-Abschluss und der 3/4 Doktorarbeit in der Tasche, kennen die Härten des Lebens schließlich am besten. Von denen übernimmt man gern die Meinung. Weißt du, sage ich, es ist so bedauerlich, dass nicht überall so gearbeitet wird. 5 Dachdecker schließen sich in ihrer Freizeit einfach mal zusammen, behaupten, wir können besser dachdeckern als die anderen. Wir machen's Ihnen umsonst! Nein, Nebenkosten übernehmen wir auch, wieso nicht? Alles frei haus. Gibt's so gar nicht. In der Wirtschaft. Versaut ja auch das Geschäft, sagt Gott. Gibt's nur bei Zeitungen und so'm hochkulturellen, intellektuellen Krams. Theater und so. Praktikanten, die Doktoren sind, aber dir wie nebenbei die Zeitung ganz umsonst vollkritzeln. Bühnenbilder malen. Damit sie nicht komplett den Anschluss ans Geschäft verlieren, sonst ist man schnell draußen. Isoliert. Abgestempelt als? Arbeitsunwillig! Eingestellt wird keiner mehr. Oder als Scheinselbstständiger. Oder so. Aber Qualität ..., sagt Gott. Ich nicke, nur die zählt. Wir bauen jetzt den Schrank auf, bestimme ich. Und hauen bald endlich ab. Ins Steuerparadies, seufzt Gott. Ja! Ach, ich kann's kaum noch erwarten! 


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