Samstag, 14. März 2015

Frustration 2


Fortbildung ist wichtig, wer will schon auf dem einmal erlangten Wissensstand verharren. Andererseits ... soll man sich auch niemals verbiegen. Wenn man also nicht ganz einverstanden ist mit dem, was der Schulungsleiter an Thesen für den extra samstäglich geladenen Kreis von Wissbegierigen bereithält, sollte man das ruhig zum Ausdruck bringen - dürfen. Hand erheben und dann bei Sprechaufforderung einfach ordentlich Dampf ablassen. Auch nicht zurückstecken, wenn der Kursleiter nach dem ersten perplexen Schweigen seinerseits zurückschlägt. Der Kurs schweigt einfach interessiert weiter, verfolgt mit gesenkten Lidern etwas ungläubig die spontan hitzige Diskussion. Und dann? Wenn die Argumente in einer Sackgasse zu verenden scheinen, fühlt man sich eventuell genötigt, sich zu erheben, so dass der Stuhl am besten theatralisch umkippt. Sodann verlässt man den Raum und murmelt dabei laut und vernehmlich: Scheiße. Scheiß doch auf den Scheißladen! Genau, die eigene Meinung äußern ist ein Grundrecht. Danach sollte man die Tür knallen. Aber nicht zu laut, das versaut den Abgang. Und der Fortbildung ab diesem Moment demonstrativ fernbleiben. Im Raum der Zurückgebliebenen räuspert sich jemand, ein anderer erhebt sich und stellt den umgekippten Stuhl wieder auf. Niemand scheint eine Meinung äußern zu möchten, der Kursleiter fährt fort - mit hochrotem Gesicht, als wäre niemals etwas geschehen. Und dieses hitzige Gemüt  ist der neue Partner, sage ich zu Gott. Passt doch, sagt Gott. Aggro-Maniacs, sagt er, und ich runzle die Stirn. Das wird noch was geben. Sprechen wir lieber über etwas anderes. Die Pakete sind ja schon gekommen! 8 Stück, sagt Gott vorwurfsvoll, was hast du alles bestellt? Apotheke, sage ich. Man spart ja so viel, wenn man so blöd und geizig ist, wie wir hier alle. Und lediglich für gute Lektüre etwas springen lassen will. Aber ich hab das erst gestern bestellt, ich bin beeindruckt, die waren aber wirklich fix. Gott nickt, dein netter Postbote meinte, er hätte extra für dich Gummi gegeben, ich nicke zufrieden, ja, der ist wirklich nett. Und dann packe ich aus und freue mich irrtümlich! Werbegeschenke!, rufe ich. Klasse! Mit Aronia. Doch kaum setze ich meine Lesehilfe auf, verbleibe ich empört. Für die Frau in der Menopause, lese ich. Ja. Kannst du das glauben, frage ich Gott. Menopause! Letztens wolltest du noch älter geschätzt werden, sagt der.  Ja aber ..., ich fass es nicht. Davon sind wir Lichtjahre ... Mein hoher Testosteronspiegel weckt umgehend den Wüterich in mir. Ältere Damen - kann man sie nicht einfach mal normal behandeln! Da Gott am Übel allerdings nicht Schuld ist, beherrsch ich mich, untersuche lieber das nächste Fläschchen, vielleicht relativiert das ja den ersten groben Schnitzer der so kostengünstigen Versand-Apotheke. Aber nein. Hier, sage ich, an dich haben sie auch gedacht. Für die speziellen Bedürfnisse des Mannes ab 50. Prima, sagt Gott. Gib her, ich probier's gleich mal.


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