Sonntag, 22. März 2015

Ausflug


Gott und die Patin hatten gestern Abend eventuell ein kleines Zerwürfnis, ich weiß es nicht. Auf alle Fälle kommt er heute Morgen mit in den Wald, die Patin ist nirgends zu sehen. Prima! Ich bin ein wenig müde, da ich die halbe Nacht über die gestrigen Eröffnungen nachdenken musste. Es kommt immer, wie es kommt, et kütt wie et kütt. Genau. Man hat immer eine Wahl. Und der Teufel steht eh längst vor der Tür, wenn er die Schwelle nicht schon überschritten hat. Der Teufel ist nämlich nicht nur Verführung und Verhängnis. Er ist auch immer Schuld. Basta. Oder? Sicherlich habe ich Serge und Gottes Wort mal einfach wieder nicht verstanden. Im Auto hören wir? Kassette, klar, hab ich Kassette im Wagen. Schieb ich eine rein und? Schließt du bitte das Fenster, sagt Gott und lächelt ein paar Jugendlichen zu, die uns interessiert betrachten. Rote Ampeln! Sie führen die seltsamsten Menschen zusammen. Es ist noch nicht grün und wir sind schon längst weiter, den frischen Frühlingswind im Haar.
Bremsen dann allerdings sofort, um uns zunächst im Café einzudecken. Ich blättere meine Lieblings-Sonntagszeitung durch. Die große Gesundheits-Studie. Darauf bin ich aber wirklich mal gespannt, lasse ich den Mann neben mir wissen, der nickt. Ähm, Gott? Steht schon wieder vorne bei dem Reh, das Waffeln backt. Entschuldigung, sage ich. Ich habe Sie verwechselt. Macht nix, sagt der Mann. Gesundheit, sagt er. Wir nicken ernst. Ich denke an ... Demenz. Das ganz große Thema. Und Experten, die ja vermeintlich immer alles wissen. Studien. Die Wildkräuters haben keine Lobby, sage ich und tippe Gott heftig auf die Schulter. Wie bitte?, fragt er. Ich winke ab. Teufelswerk, sage ich, was die uns alles einreden wollen. Letztens las ich, dass eine ganze Pflegeeinrichtung Demenzkranke mit Wildkräutern ernährte. Den Patienten ging es besser, der Versuch musste abgebrochen werden, weil der Arzt, der dort Medikamente verschrieb, die Leitung der Einrichtung verklagte, man meinte, es würden heimlich Medikamente ausgegeben. Etc. Dieses Jahr setzen wir aber voll auf Wildkräuter, sage ich. Schließlich hatten wir schon wieder so einen miserablen Start ins Jahr, alle schwächeln, da wollen wir doch mal sehen, was wir uns Gutes tun können? Wir werden keine klaren Ergebnisse erzielen, sagt Gott. Wieso?, ich lege den Kopf schief. Die Berliner? Die Coca? Die Alkaloide im Kaffee. Wir gönnen uns jeder einen kräftigen Schluck. Nicht zu vergessen, das Plastik in den To-go-Bechern, sage ich. Und zu allem Übel isst du zu allem und jedem Remoulade, sagt Gott. Tja, Sünde... Ein Versuch ist es trotzdem wert. Und daher geht's dann auch endlich ab in den Wald.
Zuerst entdecke ich wieder Kunst! Doch nirgendwo ein Täfelchen, wie letztens, das den kreuz- und querliegenden Birkenstämmen einen so tiefsinnigen Hintersinn versuchte abzuringen. Nun, wer weiß, war hier die Natur selbst am Werk?

Kunst oder Natur?
Oder doch ein Künstler, dem sein Werk einfach ausreicht? Der nicht beständig über die eigene klarsichtige Grandeur schwafeln muss? Wer weiß. Auf alle Fälle gelungen.
Dann werfen wir einen Blick auf den Pestfriedhof.

Pestfriedhof
Doch egal, wie weit man sich von jeder Zivilisation entfernt wähnt. 
Immer war schon einer da. 

Zivilisation
Und dann endlich geht's zur Ernte. Sicher, noch etwas früh, wir nehmen ja auch kaum etwas mit. Wir sind ja nur zu ... sechst? Oder mehr? Heute gibt's Eier mit Speck und ordentlich Kräutern, rufe ich. Prima!, ruft Gott zurück, dessen Leidenschaft für Wildkräuter stetig wächst. Und Serge und Robin gewöhn ich auch noch dran. Mit Wildkräutern gestählte Gangster. Die Patin kann mir langsam gestohlen bleiben. Ich bewundere sie, sie ist eiskalt, aber ... Na ja. 

Bärlauch
Und auf dem Heimweg lege ich eine andere Kassette ein. Ohhh!, sag ich. Also! Das ist endlich mal ganz nach meinem Geschmack, sage ich mit einem Seitenblick auf Gott. Du hast doch jetzt ...., sagt er. Ja? Wen? Serge? Den Griesgram mit den two strong arms?


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