Montag, 16. Februar 2015

Missmut


Trotz der rheinländischen Herkunft fehlen mir quasi alle Gene des echten Kölsche Mädchens. Schunkelnde Polonaisen sowie sich morgens um 9 Uhr bereits mit hochprozentigen Alkoholika eindeckende, als Wildkatzen verkleidete Menschen bleiben mir einfach suspekt. Und mir reicht auch längst die letzte Silvesterfeier, dort wurde mir immerhin bei einem ganz gepflegten Schlückchen Champagner um kurz nach 12 Uhr von rumböllernden Jugendlichen quasi die Strumpfhose in Fetzen zerschossen. Tja, feiern - es liegt nicht jedem im Blut. Gehen wir lieber schön ums Feld, sage ich also zum Chief, und entfliehen dem Karnevalstrubel. Das Wetter ist schließlich famos. Nö, sagt der ChiWa, keine Lust. Wie? Keine Lust? Die Sonne scheint, es ist etwas kühl, aber ... Nö, sagt der Chief, ums Feld will ich nicht. Können wir nicht mal wieder weg fahren? Ans Meer
oder so? Ach, ich seufze, bald, sage ich. Bald geht's bestimmt wieder ans Meer. Aber erst ums Feld. Da ist es auch schön, wenn man dran glaubt. Will der Chief Walks heute aber nicht und stapft missmutig neben mir her. Schnupper doch mal. Was, fragt er. Na, da, am Boden! Hundezeitung! Ist doch sonst auch spannend, der Chief ist nämlich auf seine alten Tage zum Analytiker geworden, und ganz oft steht er stundenlang an einem Busch, um die Gerüche ganz genau zu erforschen. Heute indes nicht. Pfff, sagt der Chief, hier gibt's nix, was ich nicht längst gerochen hätte! Und so drehen wir nach einem kurzen Gang eben wieder um. Er ist aber auch störrisch, wenn er nicht will. Ja, ja - wie der Herr so ...

Daheim angekommen, bleibt uns der Weg in den Garten allerdings versperrt. Wann ist denn die Säule umgekippt?, überlege ich. Stand  die nicht gestern noch ganz gerade im Vorgarten? Wie auch immer, nun liegt sie quer vor dem Törchen und der Chief mault weiter, denn nichts macht ihm mehr Spaß, als nach Hause zu kommen und mit gefühlten 100 km/h in das eigene Reich zu rasen und Vögeln und Katzen und all dem Getier, das sich dort zuweilen widerrechtlich aufhält, ordentlich die Meinung zu geigen. Und nun?, fragt er. Ich seufze und lasse ihn durchs Haus in den Garten, dann rufe ich Gott. Kommst du mal, vorne ist eine Säule umgekippt. Ja und?, fragt Gott. Was kann ich da tun? Nun, man kann das Törchen nicht mehr benutzen. Gott schaut sich die Lage missmutig an. Der Boden ist gefroren, sagt er, was soll ich tun? Na, irgendwas eben. Stemm den doch mal aufrecht, sage ich, und Gott kämpft mit dem Baum. Geht nicht, sagt er. Muss!, sage ich. Wir ziehen zusammen, ruckeln und legen dann ein paar dicke Steine davor, ist nicht richtig, aber hält für den Moment. Prima, sage ich, und schlage Gott anerkennend mit der Faust vor die Schulter. 
Der hat aber einfach nur schlechte Laune, obwohl wir gestern noch so einen schönen Abend hatten.
Nachdem unsere Jungs auf dem Fußballplatz endlich mal wieder Punkte gesammelt hatten, und Gott seine zwei Senfberliner verdrückt und selbst einen Blick in die Sonntags-Zeitung geworfen hatte, verdüsterte sich zunächst auch seine Laune. Nein, Gott will auch kein Mikrowellengericht sein. Energetisch tot. Und es ist noch viel schlimmer, er forderte nämlich unerwartet den vom Autor des Artikels allein den Frauen zugesprochenen Anspruch auf 'quality time' ein. Unnütze Verwöhnerei. Für die, die's gern langsam mögen. Wie ich immer sage, wenn man auf Ideen gebracht wird, da muss man wirklich vorsichtig sein - mit der Lektüre. Gott also legte unerwartet Musik auf, ich stänkerte sofort. 'Quality time', rief Gott und klatschte in die Hände. Na gut, ich wollte nicht, auf gar keinen Fall! Aber wie es halt so ist, wenn der hochromantische Sound dann erklingt, haben wir letztlich doch noch das Tanzbein geschwungen. Also, das war jetzt aber ..., sagte ich danach etwas außer Atem. Gott nickte düster. Ich bin nun mal nicht die Patin, auch wenn ich mir ihre eiskalte Art jeden Tag erneut zum Vorbild nehme. Hätte sie mit dir getanzt, fragte ich Gott. Natürlich nicht, sagte der. Ich nickte. Hab ich mir nämlich gedacht, quality time, sagte ich.



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