Montag, 9. Februar 2015

Der letzte Schnee


Den wollen wir nutzen, um draußen gute Luft zu schnappen. Zunächst aber tanken wir gutes Quellwasser, das zapfe ich mir nämlich neuerdings selbst, direkt aus der Heilquelle. Direkt in die Glasflasche, so umwelt-, und gesundheitsbewusst, wie wir hier nun mal sind! Und man hat die Wahl, ob man lieber draußen, vor der Burg, oder im Häuschen, beim Heilgen selbst, zapfen will: 











Beim Heiligen selbst kann man auch gut Bücher loswerden. In seinem Häuschen gibt es Regale, man stellt - wie inzwischen allgemein üblich - Bücher ein, und jemand nimmt sie dann mit und versucht, sie auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Eine ganze Zeit habe ich sie ausgelegt, das hat Spaß gemacht, denn wenn ein Buch an einer Bushaltestelle liegt, haben die Menschen anscheinend den Eindruck, sie stibitzen etwas. Etwas mitgehen lassen ist natürlich viel aufregender, als einfach ein Buch überreicht zu bekommen: Möchtest du das lesen? Nein? Schade. Also lege ich das Buch lieber flink irgendwo aus, und meist ist das Ding nach einer Viertelstunde eingesackt, wir erinnern uns - idiotische Geizkrägelchen tummeln sich in dieser Region, behaupten zumindest zweifelhafte Geister. Es funktioniert also! Prima! Leseexemplare werde ich so vor allem gern los, die lese ich nämlich prinzipiell nicht mehr! Also die, in denen vorne dick gestempelt steht: "Sie machen sich strafbar, wenn sie dieses Buch verkaufen! Bitte veröffentlichen Sie keine Besprechung vor dem X.X'ten. Eventuell benutzen wir ihre Rezension zu Werbezwecken!" Bücher mit diesem Stempel, drohendem, egozentrischem Ausnutzerstempel, die man nicht einmal verschenken kann, gehen also direkt zur Bushaltestelle, werden dort voller Freude von zufällig Vorbeikommenden unauffällig einkassiert und so vielleicht am Ende dennoch gelesen. Allerdings - ich habe diese Art der Bespaßung meiner Mitmenschen zuletzt etwas eingeschränkt, nachdem ich ein Buch ausgelegt hatte - wie hieß das noch? - Gott zuckt die Achseln, von zweifelhaftem Inhalt. Es fing sehr gut an, kam dann aber vom Weg ab, landete in einem Sex-Club und verlor sich dort irgendwie. Vielleicht passierte tatsächlich irgendwann noch etwas, ich habe die Lektüre aber aufgegeben, als die Protagonistin nur noch - Kerze raus - Kerze rein so einem schmierigen Typen verfiel, und sich selbst darüber wunderte, wie ihr das nur passieren konnte. Kennst du das, frage ich Gott, der nickt. Genau, und der nette Typ jetzt auch, ich habe dann nämlich den einen netten Typen getroffen und mich vor dem Supermarkt mit ihm unterhalten. Und direkt danach blöderweise das Buch an die Haltestelle gelegt. Dabei muss er mich beobachtet haben, ich bin dann nämlich einmal im Kreis gefahren. Und konnte dann schon von der Ampel aus sehen, wie er das Buch - heimlich - schnell begutachtet und? Eingesteckt hat. Er muss - ganz sicher - er hat mich beobachtet, er ist ja mit dem Auto da gewesen, ist dann zurück über den Parkplatz spaziert. War einfach neugierig. So. Und der liest jetzt also dieses blöde Sex-Dings. Und grüßt mich jetzt immer so ganz freundlich, winkt schon von weitem ... Stelle ich die Bücher also lieber zu den Heilwasser-Quellen. Wenn mich niemand beobachtet. Schon gar niemand, den ich kenne. A propos - ich freue mich immer noch über diese Nachricht. Siehst du, sage ich zu Gott, so sieht adäquate Reaktion aus. Unangenehm, sagt Gott. Ich nicke, der arme Kerl, sage ich. Und lache.
Auch wenn das nicht lustig ist. Grapscher ... Und Konsorten.
Und dann machen wir? Genau, endlich eine:  


Gelassenheit-Wanderung ist indes enorm langweilig, da laufe ich lieber vor und trainiere ein wenig mit dem Chief. Läuft mir der Hund nicht weg, laufe ich eben:


Blöd, wenn er hinterherläuft. Irgendwann muss ich mcih aber dennoch umdrehen und überraschte Wiedersehensfreude spielen: 


Befehl üben und loben.


Und dann? 
Einfach alles noch einmal von vorn. Back to the beginning: 
Los! Hau ab!


Und da auch das irgendwann langweilig wird, springe ich Gott offensichtlich etwas unerwartet in den Arm, so dass der umkippt. Und flucht, was soll denn das?, sagt er. Ich klopfe mir den Schnee von der Hose, und rappel mich auf. Ja, bleib halt einfach stehen, Mann!, murre ich. Konnte ja niemand ahnen, dass du gleich zu Boden gehst. Schließlich sind wir im Schnee, sage ich. Hoffentlich der letzte für dieses Jahr, und im Schnee tollt man nun mal rum! Das ist hier Matsche, sagt Gott, ich reiche ihm großzügig eine Hand und helfe ihm auf. Du kannst dich doch nicht einfach auf mich ... Warum nicht?, sage ich, lehne mich vor und schnupper an seinem Hals. Du riechst aber gut, stelle ich fest, was ich im Sturz bereits gewittert hatte. Was ist das? Neu? Und Gott hat plötzlich wieder gute Laune und strahlt, als hätte er die Ingredienzien seines Duftwassers heute Nacht selbst in einem Geniestreich zusammengemixt. Ach so, alles klar, sage ich. Von der Patin? Gott strahlt. Es gefällt dir?, fragt er. Oh ja! Und ich nutze den günstigen Moment und frage: Hast du mir jetzt eigentlich die Rezi zu Undercover vorgeschrieben? Gott klopft sich Schnee und Dreck vom Anorak und schüttelt den Kopf. Egal, wie viel du zu tun hast, das musst du schon selbst erledigen, sagt er. Blöd. Denn aus welchen Gründen auch immer wird meine 'offene Vorgänge'-Mappe von Tag zu Tag dicker, obwohl ich ständig mit den Angelegenheiten anderer beschäftigt bin, wird's immer mehr. Bürokratie! Du weißt, dass ich dieses Jahr Pläne hatte, murre ich. Du wolltest Dichterin werden, nickt Gott. Zuweilen ist es ein Wink des Schicksals, wenn einem ein Strich durch die Rechnung gezogen wird, sagt er. Pah! Du weißt, ich wollte ... Gott nickt und summt. Genau! Und dazu brauch ich Zeit, maule ich, wir haben inzwischen beide das Prinzip der Gelassenheit-Wanderung aus den Augen verloren. Und Undercover ist gar nicht so einfach. Ist nämlich verdammt gut! Als Imitation. Hat aber nicht diesen Witz, den Esprit von Romanzo z. B.. Es gibt auch keinen Bubu, ich brauche keine sympathischen Figuren, ich brauche keine Identifikation mit jemandem. Aber - was Mitreißendes. Und Bubu war schließlich als Figur auch ganz schön überspitzt. Wie er im Buche steht, wenn man ihn sich ausdenken sollte. Und er sah nicht mal gut aus. Aber Romanzo hat mit sich selbst gespielt ... Mit den Klischees, dem Genie, dem Wahnsinn, der Moral, der Gier, Loyalität. Die Musik. Weißt du noch die Folterszene? Die Übernahme Roms. Genial! Grandios Zu den Sternenjungs? Gott seufzt. Tja. Das war einfach mit Liebe und Verve umgesetzter Stoff. Und wenn man von den ganz Großen abkupfert, ... War das eigentlich Mark Wahlberg? Als Maulwurf? Matt Damon, sagt Gott beiläufig, weil er einfach alles weiß. Aber man muss auch nicht immer alles erwähnen. Halt es einfach kurz, rät er. Ich nicke.



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