Samstag, 21. Februar 2015

Ausflug


Da momentan alle so verrückt nach Schneeglöckchen sind, reichen wir dieses hier 
gleich mal bildlich weiter: 


Stimmt, ganz hübsch. Aber ich freue mich vor allem schon auf den Bärlauch, ich habe mal im Garten geschaut, die ersten Blättchen stoße bereits durch die Erde. Wenn wir also Glück haben, und kein Schnee mehr fällt ..., können wir in ein paar Wochen schon ernten! Und dahinten, ja, das riesige  Feld im Wald, ist dann ja fast ein Bärlauch-Wald ... Da können wir schlemmen. Und das riecht dann so gut! Frühling!!! Yam!

Bis dahin schlendern wir ein wenig durch die umliegenden kleinen Städtchen. Und hier war ich früher ständig, als meine beste und liebste Therapeutin noch hier war. Ein halbes Jahr - wie hieß das noch? - Dings-Therapie, und man war ein ganz neuer Mensch. Und zwar tatsächlich, weil sich durch die Therapie die Zellen so flink erneuern. Wie hieß das noch? Egal, denn Mediziner, die es vermutlich selbst noch nie ausprobiert haben, bezweifeln selbstverständlich die Wirkung. Ich muss indes sagen, dass meine Einbildungskräfte übermenschlich sein müssen - selbst die Blutwerte waren danach ... wie neugeboren! Egal, schlendern wir also durch die City, die inzwischen gar berapt wird! Cool!


Und da ich es ja gern etwas älter und verwittert bevorzuge, 
hätte ich gern diesen Eingang! Très chic !



Nach dem Shoppin' noch rasch einen Spaziergang durch die Felder und zur Grotte. Und was ich nicht wusste? Hier ist auch eine Quelle, an der zapft sich ein junger Mann das Wasser kistenweise. Ist das Wasser gut?, frage ich ihn. Ein ganz besonderes Wasser, sagt er. Und ich ärger mich, dass ich selbst keine Flaschen dabei habe. Man sollte wirklich immer auf alles vorbereitet sein. Beim nächsten Mal. Ganz sicher - Marien-Heilwasser. 

  
Dann noch rasch einen Blick auf die Mariengrotte. Und ab geht's in die Pflegeeinrichtung. Ich sag es nur mal, Heim sollte man nicht mehr sagen. Das nur nebenbei, weil's anscheinend niemand weiß. 


Nach so viel Energie, Marien-Energie, also noch einen Blick auf unsere Patienten. Die haben indes keine Zeit für mich? Die sind gerade beschäftigt? Therapie? Und dann Gottesdienst? Dazu haben sie sich selbst angemeldet? Ja, das ist ja ... Ungünstig. Kommen Sie mit mir, sagt ein Mann im feinsten Zwirn, Harlem-Style, und er trägt tatsächlich eine Melone auf dem Kopf. Wir trinken einen Kaffee, sagt er. Wenn niemand für Sie Zeit hat, ich habe Zeit! Den ganzen Tag. Ja, ähm .... Prima! Und dann erzählt er von seiner Frau, dem Luder. Eine ganz Wilde war sie, sagt er verträumt. Ich nicke. Ist früh gestorben. Davor ist sie mir zweimal durchgebrannt, sagt er. Hat mir das Herz ... Ich nicke, es gibt so viele traurige Schicksale. Aber jetzt muss ich doch gehen. Danke für den Kaffee. Und den netten Plausch. Nichts zu danken, sagt er. Hasta la vista, baby, sagt er. Hasta la vista, ich winke, netter Mann.
Daheim sitzt Gott in seinem Lesesessel. Du hättest wirklich mitkommen sollen, sage ich. Es war schön, es hat nicht einmal geregnet. Ich setze mich auf die Armlehne und schiebe meine Füße unter Gottes Hintern, er mag das nicht, wenn man ihm so nah kommt. Aber es ist schön warm. Und?, fragt die Inquisition, wie war denn dein Treffen gestern? Du bist spät nach Haus gekommen. Sehr gut, sage ich. Hervorragend. Polydoros ist wirklich ein Gentleman. Gott scheint das zu bezweifeln. Was habt ihr denn noch geregelt nach eurer völlig harmlosen Fahrt?, fragt er wie nebenbei. Ihm ist also auch die etwas sonderbare Ausdrucksweise auf der Karte aufgefallen. Och, nix, sage ich. Alles bestens. Wir sind nur ein bisschen durch die Gegend gekurvt, er fährt schnell! Und gut. Haben ein bisschen gegessen. Was man halt so macht. Und worüber habt ihr gesprochen?, fragt Gott, als ob ihn das etwas anginge. Dies und das, sage ich lapidar. Ich werde Gott nämlich nicht berichten, dass Polydoros mich über ihn aushorchen wollte. Ich als Meisterspionin habe aber so gut wie keine Information rausgerückt, nicht, was er nicht selbst schon wusste. Lieber habe ich ihn reden lassen. Er weiß ziemlich viel über Gott. Auch über die Patin weiß er Bescheid. Er ist ein Querulant, den man nicht unterschätzen sollte, sagt Gott gerade. Denk ich auch, schweige dazu aber lieber. Er hat schöne Augen und dieses Kinn, die hohe Stirn, sage ich stattdessen. Ich seufze. Wirst du ihn wiedersehen?, fragt Gott. Natürlich! Hasta la vista, baby, sage ich.


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