Freitag, 16. Januar 2015

Unverantwortlich


Als ganz hervorragend hat sich mein gemixter Supafood-Drink herausgestellt. So viel Power in einem kleinen Gläschen, und ja, manN muss schlucken, zum Genießen ist es nicht gedacht. Aber selbst Gott gab sich beeindruckt, nachdem er sich mit der Ingredienzienliste näher beschäftigt hatte, ich sage nur: Hanfprotein, Maca usw. usf. Aber am Wochenende koche ich doch lieber wieder, sagt er überraschend, und ich klatsche in die Hände. Prima, er hat Zeit, ist die Patin schon wieder abgereist? Gab es Streit? Ich will nicht indiskret sein, bin aber neugierig, also frage ich unschuldig: Hattest du nicht etwas andres vor? Ach, winkt er ab. Die Frau hat nur krumme Geschäfte im Sinn und ... Ja, die Patin - de sang froid, sage ich voller Bewunderung, denn als Patin sollte man schon mit einer gewissen Kompromisslosigkeit vorgehen. Gott gibt sich aber ganz gern mal als Moralapostel, der das Böse nicht verstehen kann, aber ergründen will. Sie ist eiskalt, sagt er. Ich lache, Frauen, willkommen in der Realität. A propos, M. Wolinksi wurde beigesetzt. Da schöne, kluge Männer immer interessant sind, habe ich mir das Buch seiner Frau - man sieht hier, was für ein schönes Paar sie sind - Georges, si tu savais bestellt, man kann hier mehr lesen, er muss ein charmanter Macho gewesen sein, ein großer Schweiger, der keiner war. Ein Buch voller Indiskretion, das nie indiskret ist, ich bin gespannt, es soll ihm gefallen haben, klar! Ein schönes Buch über Paare, soll er dazu gesagt haben. A voir ! A lire ! Aber es gibt trotz all des Hypes immer mehr Stimmen, die das Journal kritisieren, sagt Gott. Ja, ja, wie früher, härter noch, selbst aus den ehemals eigenen Reihen, und Wolinksi selbst wird da auch zitiert. Viel Kritik, viele Anfeindungen, Anschuldigungen. Wer sich Unverantwortlichkeit auf die Fahnen schreibt, sagt Gott. Wieso nur? Easy, Krawallmacher. Selbstinszenierer, Freigeister! Die allerdings nur noch mit richtig Krawall auffielen? Oder. Weil die Verantwortungsbewussten so viel Müll produzieren? Dass man mal drauf hinweisen sollte. Die Gutmenschen. Denken wir daran, wie es mit dem kleinen Spencer gelaufen ist. Weil sie uns nicht die Wahrheit gesagt haben, weil sie ihn unterbringen wollten - um jeden Preis, weil sie etwas Gutes tun wollten? Weil ihnen alle Gelder gestrichen werden? Weil sie der Mindestlohn in den Ruin stürzt? Weil das Gute ... Weil ich so unvorstellbar blöd war, irgendeinem Hund, der es braucht, HELFEN zu wollen, ich lache. Anstatt einen zu suchen, der zu uns passt. Verantwortung ist eben - unverantwortbar. Sie hatten also selbst Zweifel? Auch das war das Programm, wir haben es bereits letztens in Wolinskis Zitat gelesen - "den Zweifel pflegen". Was stand unter seiner letzten Zeichnung? Man sieht sie hier - ein  Prosit auf ein heikles 2015. "Ist es der richtige Weg? Ich werde es erst am Ende wissen", legt er da seinem Präsidenten den Zweifel in den Mund. Steinchen und dicke Brocken aus dem Sandkasten werfen und nicht wissen, ob das richtig ist. Nun, was willst du kochen?, frage ich und notiere schon einmal den guten Vin Rouge, der beim Schaffungsprozess ganz offensichtlich Kreativität wie Genialität zu fördern weiß. Ich dachte, sagt Gott, ich mache dir eine kleine Portion Moules. OH! Dein heißgeliebtes Gratin dauphinois ! AH! Mit Lammkeule. HMM! Und dann ... Parfait ! Und bis dahin? Knabbre ich an meinen Cracotte, die habe ich mir zum Glück aus Frankreich mitgebracht - Nervennahrung für böse Zeiten. In schlechten Zeiten kann man monatelang davon leben, ich hab's bereits probiert. Und ich esse Weißbrot mit filet américain, ein belgischer Yam-Snack. Ist das dieses lecker gewürzte Tatar?, fragt Gott. Ich nicke, man kann 5 Brote damit essen und hat noch nicht genug. Rohes Fleisch, sagt Gott, das gibt Darmkrebs. Und Rauchen? Lungenkrebs! Oder Hirnblutung. Und Unverantwortlichkeit ...


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