Sonntag, 25. Januar 2015

Sonntag. Schlechte Laune.



"Für Routinebesprechungen mit nichtärztlichem Personal steht dem Arzt über die Visite nach ...xyvbnuz kein Honoraranspruch zu usw. usf." Und trotzdem, ärger ich mich, habe ich hier diese Rechnung von, mal nachschlagen ... Immerhin,gebe ich mich beeindruckt, gar keine kleine Summe. So! Und das bedeutet? Ich muss mal wieder nachsetzen, hinter den Dingen herlaufen, denn ganz egal, was wo passiert, man wird einfach immer ... Nun, sicher haben die sich einfach nur in der Nummer geirrt. Die werden bestimmt einen Weg finden, die Rechnung umzuschreiben, damit das ja bereits überwiesene, offensichtlich nicht rechtmäßig abgerechnete Honorar auf dem Konto bleibt. Bestimmt! Ich bin geladen. 
Treiben sich der Chief und ich lieber ein wenig in Feld und Flur herum, bevor wir uns noch mehr ärgern. Und treffen? Auf den letzten Weihnachtsbaum. Der ist aber schön, sage ich, der Chief interessiert sich weitaus mehr für die Leckerlis in meiner Tasche. Sind noch welche da?, fragt er. Vielleicht. Muss ich immer betteln?, fragt er. Unsinn. Du solltest nur nicht so ein Vielfraß sein, sage ich. Spencer war viel dicker, schwärmt der Chief von ausreichender Kalorienzufuhr, und ich nicke. Und er hat verdammt gut abgenommen, erinnere ich an denr kleinen Winston Leonard Spencer, wie ich ihn, nachdem wir den Namen so oft geändert hatten, und er endlich auf Spencer hörte, nennen wollte. Und zwar nach wem? Ja sicher, Churchill, der indes als Bulldogge bekannt wurde? Nun, ich habe jetzt mal mit der Hunde-Bossin gesprochen, oh ja, die gibt es auch. Und die meinte, wir brauchen einen ganz ruhigen Hund neben dem Chief, damit die beiden draußen richtig Spaß haben können, sich drinnen aber in Ruhe lassen. Es ist zunächst einmal also egal, was der Kleine erlebt hat, so einen aufgedrehten Kerl, nicht kastriert dazu, können sie eingewöhnen, aber ... Sagt sie gedankenvoll. Wir alle zusammen werden dann niemals glücklich werden?, vollende ich den Gedanken. Sie zuckt die Achseln und? Nickt. Okay. Und dabei war ich doch sicher selbst ganz gerührt von meiner eigenen Herzensgüte. Uns einen Hund, den ich nie genommen hätte, einen kleinen, uralten aufgedrehten Taschenhund andrehen lassen. Unter falschen Angaben. Und ihn trotzdem umgehend ins Herz schließen. Was bin ich für ein guter Mensch, habe ich sicher gedacht. Tja. Dämlich. Bevor ich mich mal wieder ordentlich über mich selbst ärger, schlage ich lieber mal die Zeitung auf. Was meine Laune nicht verbessern kann, dabei habe ich noch nicht einmal mit dem Lesen begonnen. Den Titel-Aufmacher überblätter ich direkt, die Generation Zuviel müsste mich natürlich interessieren, aber da ich heute eh schon geladen bin, kümmern wir uns später um solch brisante Thesen. Und ja, Meinungsmache gehört zu gutem Journalismus schließlich dazu. Konzentriere ich mich also auf das, was mich wirklich interessiert 'Vegan und Wahn' - das klingt nicht schlecht. Hochbrisant fast. 'Wie uns die Öko-Revolution hysterisch macht', und damit sind wir schließlich alle ständig konfrontiert. Überall. Überreizte Öko-Freaks, wer kennt sie nicht. Doch auch hier blättre ich umgehend mit gerunzelter Stirn weiter, nachdem ich mich im Kästchen über die 'Bio Toten' informiert habe. Denn: 'Die meisten Deutschen haben Angst vor chemischen Schadstoffen im Essen', wird da behauptet. Ich glaube das nicht. Befürchte eher das Gegenteil. 'Doch die schlimmste Lebensmittelkatastrophe wurde 2011 ... durch Biosalat ausgelöst', wird sodann Tacheles gesprochen. SO! Ehec. Sprossen. Ja, wie kurz kann man denn denken? Wenn man sich mit der 'grünen Hysterie' beschäftigen will? Und bei wem ist die eigentlich ausgebrochen? Es gab doch da dieses besondere Viertel in Berlin, Dokus wurden bereits darüber gedreht. Ein Viertel, in dem ehrgeizige vermeintliche Öko-Eltern ihre Kinder schon vor dem Kinderhort mit asiatischen Fremdsprachen- und Violinenunterricht drillen sollen. Man munkelt so einigges. Vielleicht ist der Öko-Hysterie-Erreger dort ausgebrochen? Ich muss den Artikel wirklich genau studieren. Demnächst. Habe aber jetzt schon keine Lust dazu. Öffne ich lieber den Wirtschaftsteil, da, in der Ökonomie! weitaus mehr als in der Ökologie, liegt schließlich die Crux. Immer. Und dort steht es auch kritisch, klar! Die Elite ist überfordert - logisch, die gehört ja auch inzwischen vornehmlich zur Generation Zuviel. Über die wir noch nichts wissen, weil wir das nicht lesen wollten. Egal. Die Mächtigen fühlen sich mies und möchten sich läutern. Oder zumindest nicht mehr die Verantwortung tragen, meditieren, die Schuld anderen geben, die Welt ist nämlich vuca geworden. Der Artikel fasziniert mich. Wirtschaft ist eben immer - das Aufregendste! Vuca eben.- eigentlich ein alter Hut? Man kennt das schon lange, deshalb steht es ja auch nicht auf Seite 1. Und überhaupt - für ein Managergehalt kann man ein wenig Anpassung an die Gegebenheiten doch wohl erwarten, selbst wenn er ein verunsicherter Sprössling der Generation Zuviel ist? Blättre ich mich einfach weiter nach hinten, in den Kulturteil, wo mir Teenager das Phänomen Justin Bieber erklären. Oder sich selbst. Oder wer weiß. Miteinander plaudern, rätseln. Schön. Was hat das mit Kultur zu tun? Es ist Kunst. Bestimmt. Wenden wir uns lieber britischen Busen zu. Titten. Das ist schließlich auch Kultur. Und sehr oft sogar - keine Frage - Kunst. Und ich denke wieder an die Schwanzhosen, denn wenn man einmal zum Objekt geworden ist. Welcher manN würde, selbst in einer Schwanzhose steckend, es wagen, etwas über die dicken Möpse seiner Sitzpartnerin verlauten zu lassen. Der Blick aller würde sich sofort kritisch zwischen die Hüften senken. Und allzu oft würde man schmunzeln, und das Gespräch nähme eine ganz andere Richtung: Schon mal an ... Implantate gedacht? Nein? Sie sind zufrieden, so wie Sie sind? Mit ihrer Männlichkeit? Das ist gut. Bewundernswert. Ja, es ist schwierig, seit die Welt seit Jahrzehnten so phallogyn geworden ist. Und mit der Kultur wird's auch nicht einfacher. Oder eben doch, denn à propos phallogyn - eine Selbstschöpfung, da Männerfeindlichkeit ja in einer nicht misogynen Welt ein inexistentes Phänomen ist. Ich überblätter wieder einige Artikel über u. a. Gespräche über 'Homeland', was ich noch nie mochte, und Grünkohl und verlorene Stammesälteste. Und über Herrn Depp, den ich auch noch nie mochte. Um mich - wir haben den Kulturteil inzwischen hinter uns gelassen, kreuzen nun durch die Ecke mit 'Stil'! - im Männerclub wiederzufinden. Endlich. In Berlin darf manN nämlich wieder Mann sein! Das wurde aber auch Zeit. Und. 'Wenn Mann dann die Augen öffnet und in den Spiegel schaut, sich wie neu geboren (sie rasieren da nämlich) und doch von bewährter erwachsener männlicher Schönheit fühlt, dann war alles richtig.' Und das kriegen die da hin? Im Herrenclub. Famos, Ich bin tief beeindruckt und wünschte mir, ich wäre ein Mann. Fast ausgesöhnt mit so viel Information nach meiner vornehmlichen Lektüre-Verweigerung werfe ich noch einen ganz kurzen Blick auf den Mini-Besser-Leben-Teil. Um mich sodann an meinen Protestbrief zu setzen. Denn wenn sich so ein Chefarzt erst einmal ohne Nachfrage einen Patienten gekrallt hat, sollte er eventuell nicht gegen jedes Gesetz Gespräche unter Kollegen auf die Rechnung setzen. Da werden wir mal wieder Einspruch einlegen. Auch wenn Ärzte heutzutage am Hungertuch nagen. Einer muss ja das Geld zusammen halten. Das bin hier ich. Und ich bin heute eh geladen. Und werde mich gleich um die Wäsche kümmern, denn in der Rehabilitationseinrichtung möchten sie so viel Wäsche, dass ich erst einmal tütenweise einkaufen musste. Und waschen. Und bügeln. Und kochen. Und putzen. Ganz allein. Denn - Gott ist nach einem heftigen Streit, nein, nach einem heftigen Ausbruch meinerseits, den er aber selbst herausgefordert hat, finde ich zumindest - also, er ist dann einfach aufgestanden und gegangen. Einfach so. Ohne ein Wort. Und weil er mir fehlt, rufe ich ihn an. Und ähm, ja, ich, ja, ich war schon, also ... , irgendwie. Nicht, dass alles völlig aus der Luft gegriffen war, was ich ... Überspitzt formuliert vielleicht. Im Eifer des Gefechts. Oder so ... Ruf ich ihn halt an. Und stotter mich durch eine Art Entschuldigung. Vermisst du mich?, frage ich dann vorsichtig, denn Gott schweigt. Nein, sagt er. Kurz angebunden, legt aber nicht auf. Ich muss jetzt bügeln, sage ich. Gott schweigt. Gut, was soll er auch dazu sagen. Wenn du kommst, könnten wir gemeinsam ... Wir könnten z. B. Die Erbschaft ... weitergucken. Falls du. Also. Es fing ja ziemlich gut an. Dachte ich, verhaspel ich mich so vor mich hin. Und denke dabei vor allem an das Essen, das Gott kochen wollte, an die Zutaten, die im Kühlschrank liegen. Die er eingekauft hat. An sein Lachen. Über Witze, die ich nicht verstehe. Und wie er die Stirn runzelt, wenn er etwas Bedeutsames sagen will. Okay, es tut mir leid, sage ich also rasch. Wirklich, behaupte ich. Es war dumm. Und böse. Und unbeherrscht. Und - völlig aus der Luft gegriffen. Und ähm ... Kommst du?, frage ich. Und Gott? Seufzt. Mal sehen, sagt er. Dann legt er auf.


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