Donnerstag, 22. Januar 2015

Könnte man sich nur ein Mal ...



Zerzaust, übel gelaunt und nachdenklich wie schon immer sitze ich am Frühstückstisch - dazumal übrigens in meinem liebsten Dänemark -, und grüble. Was ist los, fragt Gott. Aber warum soll ich mit ihm sprechen, die Geschlechter verstehen sich eh nicht, man sieht es hier. Ja, das Buch ist angekommen - über Paare, ein Paar. Alle Paare. M. Wolinski  hat übrigens zuvor seiner Frau auch ein Buch geschrieben, einen offenen Brief, Liebesbrief, sie scheinen eine sehr diskret öffentliche Beziehung geführt zu haben. Nun, ich werde es lesen, erst das eine, dann das andere, genau unter die Lupe nehmen. Schlechte Laune, fragt Gott, denn wenn wir schon in Klischees spielen wollen, Männer? Erkennen nie die Situation. Und ob man manchmal nicht einfach nicht nachfragen sollte. Die Anwältin hat angerufen, murmle ich. Schön, sagt Gott. Die Sekretärin, präzisiere ich. Sie haben gefragt, ob sie die Rechnung an diese Adresse senden dürfen. Gott scheint erstaunt, was machen sie sonst mit ihren Rechnungen?, fragt er. Nun, sage ich. Auf Familienrecht, Sozialrecht usw. spezialisierte Anwälte kennen sich mit prekären Situation aus, wenn eine Frau den Rat einer Anwältin sucht, und ihr Mann die Rechnung im Postkasten findet ... Gott nickt, ist die Mandantin zuweilen schneller unter der Erde, als genehm ist. Oder im Hospital, nicke ich. Aber in diesem Fall, sagt Gott, ich nicke. Immer her mit den Rechnungen, in diesem Fall ist nicht mit Ärger zu rechnen. Gewiss nicht. Und. Wenn mir einer krumm kommt, schick ich Gott voraus. Männer sind Beschützer, sage ich. Selbst wenn sie nur hinter einem hertrödeln, füge ich missmutig und einem Seitenblick an. Gott, der momentan mit dem Gott-Sein sowie mit seinem Bad-Boy-Image zu hadern scheint, seufzt. Dieser Wolinski, sage ich, war ja auch nicht ohne, Gott schaut auf. Sex meine ich, sage ich, und Gott runzelt die Stirn. Tja, es ist wirklich enorm kompliziert sich über die wichtigen Dinge zu unterhalten, ernsthaft!, meine ich. Es sind nicht nur die lapidaren Alltagskinkerlitzchen, die man nie geregelt bekommt. Schon gar nicht im Gespräch. Es sind auch die großen Dinge, die die Welt bewegen, die man aber einfach nicht zu fassen kriegt. In Worten? Und dass alle immer wissen, sage ich, was Sex bedeutet. Für einen Mann. Millionen von Prostituierten - wir sehen eine hier, und ich liebe dieses Cover, denn es ist? Echt! Sexarbeiterinnen also. Nur wegen ... Männern, die immer können, aber nicht dürfen, weil Frauen ja schließlich. Oder weil sie eben ... Nicht können, genau, nicke ich. Oder nur ganz. Miserabel, stimmt Gott ins Lamento ein. Und Moralitäten. Alte Männer, sagt Gott, aber ich winke ab. Zeitgeist, verdrehe ich die Idee etwas. Weißt du, beginne ich dann weise, hätten sich damals die Schwanzhosen, wir sehen hier ein besonders ausgefeiltes Modell, hätten die sich also damals durchgesetzt, gleich nachdem manN den schmalen Lendenschurz abgelegt hatte, wäre alles anders gekommen. Gott scheint unschlüssig. Doch, beharre ich. Viele böse Überraschungen blieben einem erspart. Und bei den Herren der Schöpfung ist das mit den Proportionen auch ganz anders. Sehr selten, dass Frauen mit riesigem Busen nicht auch sonst etwas üppiger gebaut sind. Was indes sogleich den weiblichen Formen - nach heutigen Maßstäben zumindest - widersprechen soll. Bei Männern ist das aber anders, ganz anders, da können die mickrigsten Exemplare zuweilen die größten Geräte auspacken. Größe, sagt Gott abwertend. Aber zu viel deutet darauf hin, dass Männer sich von ihr beeindrucken lassen. Außerdem, spinne ich lieber meine Idee weiter, ihr würdet euch die Penis-Hosen ausstopfen, behaupte ich. Und nicht mit alten Socken. Wonder-Cocks würden erfunden! Push it, sagt Gott. Und mit Implantaten würdet ihr nachhelfen. Auch wenn man am Ende mit dem Dings nix mehr anfangen kann, Hauptsache. Es sieht gut aus. Denn, wenn man erst einmal ein Objekt ist, sage ich. Wenn es nur so einfach wäre, sagt Gott. Ist es. Wenn man Mensch ist. Und die Welt nicht versteht, sie sich aber zu erklären sucht. Feiert ihr eigentlich immer noch Orgien, da oben!, frage ich spitz. Und ich meine den Olymp, oder wo immer sie es so wild treiben. Mythen, sagt Gott. Menschen und ihre Mythen. Und da man sich eben einfach nie, nie, niemals, nicht mal ein Mal ernsthaft mit ihm unterhalten kann ... Was wollen wir jetzt machen? Die Doku über Wolinski schauen? Den klugen Mann? Den Erotomanen? Den Phallokraten? Warum nicht.


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