Sonntag, 11. Januar 2015

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Schaust du auch den marche républicaine in Paris, frage ich Gott. Nö, ich wollt gerade ..., sagt der und kramt in der Küche, er will was kochen oder so. Er glaubt, dann esse ich. Viel los, sage ich beeindruckt, immerhin würde ich da niemals hingehen, ich bin lieber im Wald. Katastrophen, da will jeder irgendwie dabei sein. Aber - toll ist es schon, sage ich und blättre in meiner liebsten Sonntagszeitung, wobei ich heute einige Artikel nicht verstehe. Wie so oft. Verstehst du die?, frage ich Gott. Ich bin beschäftigt, sagt der und hantiert mit dem Wein und einem Glas. Der gut vin Rouge also, na ja. Als hätten sie einfach nicht gewusst, was sie schreiben sollen?  Massenphänomene, die ganze Welt ist Charlie, eine Zeitschrift, die sie nicht kennen? Humor? Ich bin verwirrt. Wer einen Vertrag hat, muss liefern, stellt Gott klar. Und er hat Recht, das ist nicht nur im Boxring oder auf dem Fußballplatz so, wer bei Blitzeis z. B. als Journalist Sonntagsdienst hat und selbst einen Unfall baut und so nicht rechtzeitig vor Ort ist, muss sich am Ende im Hospital selbst den Arm eingipsen lassen. Nicht weil er gestürzt ist, sondern weil er zu spät ist, um ein anständiges Foto als Dokumentation für die vielen Knochenbrüche auf Glatteis zu knipsen, alles schon passiert. Dann greift man zum Äußersten, lässt sich von einer genervten Schwester schnell selbst eingipsen. und dann ganz schnell wieder runter mit dem Gips, damit man den Artikel noch flink tippen kann - bis zum Redaktionsschluss. Denn die Nachrichten von morgen ... Sind knallhart recherchiert. Egal, man soll nicht immer abschweifen. Zurück zum Witz, denn darum ging es? Der Artikel fasziniert mich, ich verstehe ihn nicht. Der Herr behauptet 'Terroristen seien keine Akademiker, sie hätten kein Organ für Hintersinn und Verfeinerung, verständen nur drastische Aussagen.' Woher weiß der das?, frage ich. Mit dem Fußvolk ist es nun einmal ..., beginnt Gott. Ach komm, sage ich, Akademiker und ..., ich lache. Hintersinn, jetzt lacht auch Gott. Terroristen sind also blöd - intellektuell zurückgeblieben?, sagt er das? So ungefähr? Der kennt sich mal wieder aus. Und kommt dann zu dem Schluss, diese zwei Brüder hätten letztlich einen Anschlag auf unser (- vermutlich meint er das westliche?) Unbewusstes verübt, er hat‘s nämlich mit Freud. Und das finde ich dann schon ... ziemlich ...also? Fürs hirnferne Fußvolk. Ein schlechter Gag? Ich les das lieber später selbst, sagt Gott. So klingt es sonderbar, du verdrehst bestimmt wieder alles. Bestimmt! Prima!, sage ich, dann kannst du es mir erklären. Ich verstehe die Franzosen auch nicht, sage ich dann, ich bin auch nicht Charlie, wie könnte ich, daher ist für uns Deutsche der ziemlich nach hinten gerutschte Artikel von Madame  Darrieussecq eventuell viel viel interessanter? Als habe sie eine Idee, wovon sie spricht, als kenne sie das Magazin, nicht nur ein paar Karikaturen, hätte verstanden, worum es denen ging? L'idée, nickt Gott. L'intellect, l'argumentation, sie regeln bekanntlich nicht alles, auch wenn der Westen daran glaubt. Aber. La révolution, liberté, l'éthique, L'humour ! Insolence - eine andere Annäherungsweise an Realitäten, ernste Dinge, des situations graves. Wie sagt man? Le rire de résistance !, sagt Gott.


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