Dienstag, 6. Januar 2015

Düstere Wolken


Klar, in diesem Jahr wird alles besser, bloß ...
Da hat sich der kleine Zwerg so gut eingelebt, und wird immer frecher. Auch klar, große Grenzaustest- und erste Trotzphase. Wir merken nicht nur, dass er nicht kastriert ist, sondern erfahren auch, dass er noch gar nicht beim Tierarzt war, da ist denen wohl was durchgegangen. Na gut, kann immer passieren, ist erst mal egal, weil er so ein klasse, cleverer Hund ist. Bloß ... Dann gibt's ein Riesenproblem mit Chief Walks, wir ignorieren es, das müssen die Hunde unter sich regeln. So steht es in jedem Buch, so sagt es jeder vermeintliche Hundeexperte. Chief Walks scheint zu leiden, der Kleine ist permanent auf 180, glaubt, er sei der Chef, bewacht den Großen auf Schritt und Tritt, 'verteidigt' ihn, sobald man den Raum betritt. Trennt man die Zwei, ist der Kleine ein Engel. Na gut, lassen wir mal den Hundeprofi einen Blick darauf werfen. Der wird überall empfohlen und ist? Ein ganz klasse Typ, der kommt sofort, überblickt die Lage, übernimmt das Ruder. Nein, der Große leidet nicht, der versteht die Welt wohl momentan nicht mehr so ganz, aber dem geht's gut. Der liegt da ja ganz entspannt. Aber der Kleine ist völlig von der Rolle usw. usf. Der Kleine leidet also richtig. Völlig unter Dampf. So dass man zuerst auf eine Kastration warten sollte, die allerdings in dem hohen Alter eventuell gar nicht möglich ist. Vielleicht hätte man ihn uns als Pflege-Zweithund gar nicht vermitteln sollen? Den unkastrierten Rowdy? Am glücklichsten wäre er sicher in einer Familie ohne anderen Hund untergebracht. Oder, schlägt der Hundeboss vor, man sollte es mit Konditionierung versuchen, und er zeigt auch gleich, wie das geht, permanent den Kleinen vom anderen fernhalten, ihn seine daraus resultierende Frustration und Aggression an einem Besen oder ähnlichem Hilfsmittel mit Stiel abreagieren lassen. Ein paar Tage, eine Woche, harte, konsequente Arbeit, dann könnte es klappen. Vielleicht. Wahrscheinlich. Das probieren wir, der Mann hat Recht, das geht sogar ganz gut. Aber der Kleine bleibt hartnäckig, wird immer aufgedrehter, und dann kommt mal wieder ein anderer Notfall ... Eine Hirnblutung? Bitte, nicht schon wieder so einen Start ins Jahr hinlegen. Und ja, da zieht der Kleine tatsächlich den Kürzeren, was nicht richtig ist, er kann nichts für seine hormonell überflutenden Chefallüren. Ich würde ihn gern noch ein paar Tage permanent in den Besen beißen lassen, und dabei aufpassen, dass bloß nie eine Hand dazwischenkommt!, rät der Experte weise, ich mag den wirklich, er scheint Hunde ziemlich gut lesen zu können! Doch leider, schon wieder mehrere Härtefälle auf einen Schlag, so wie es immer kommt, sind schwierig zu handlen. Also? Klar, sagt der Experte, der Kleine ist klug, aber auch eine harte Nuss, der braucht die gesamte Aufmerksamkeit, da kann man nicht abgelenkt sein. Dafür haben Sie jetzt keine Nerven. Und ob es überhaupt sinnvoll ist bei zwei so alten Herren, die nicht harmonieren, bleibt fraglich. Manchmal passt es eben doch nicht. Dann ist ein kleiner Rabauke als Einzelhund eben doch zufriedener. Manchmal passt es nicht? Manchmal passt es nicht, sagt die Frau, die ihn uns als mit anderen Hunden komplett unauffällig herausgegeben hat. Und auch die Tierärztin, die ihn sich immer noch anschauen muss, folgt am Telefon demselben Wortlaut. Manchmal passt es also nicht, Sicher! Das stimmt. Und ärgert mich gerade. Maßlos. Auch die verdrehten Wahrheiten - mit den ärtzlichen Untersuchungen, die nicht stattfanden, der Kastration, die nicht stattfand, der vermeintlich völlig neutralen Verhaltensweise anderen Hunden gegenüber, die nicht der Wahrheit entspricht, auch nicht auf den Spaziergängen etc., denn letztlich gehen solche Dingen, simpel gesagt, vornehmlich auf Kosten des Hundes. Aber selbstverständlich stimmt es auch. Die Notfälle! Die passen einfach nie. Die will man immer lösen. Irgendwie. Widmen wir uns also unserer Patientin, hören, was die Untersuchungen ergeben. Muss sie verlegt werden? Operiert? Wann wissen Sie das? Genau? Wohin wäre das? Wir warten! Beraten mit den sehr hilfsbereiten Ärzten, die hoffentlich einfach mal wissen, was zu tun ist. Und wenn diese Notlage irgendwie wieder im Griff ist, und alle eigentlich von einem zweiten Integrations-Versuch mit Winston, den wir inzwischen Spencer nennen, weil er auf diesen Namen sofort hörte, abraten, weil es manchmal eben doch nicht passt, dann versuchen wir es mit dem Experten an der Hand demnächst noch einmal anders. Dann gibt es eben keinen Pflegehund, der - das war die Idee - uns einfach vom Pfleger empfohlen wird, weil er dringender als andere ein Zuhause braucht. Dann wird sich der Chief eben zusammen mit dem Hundeboss selbst einen Kameraden aussuchen. Der tatsächlich kastriert ist. Geimpft ist. Dessen Gesundheitszustand generell untersucht wurde. Und der nette Hundeboss überwacht mit mir zusammen die ersten Trotz- und Aufmüpfphasen beim Einleben, sodass wir vorab jedwede vermeintliche Allüre untersagen können. Und vielleicht gibt es auch einfach mal keine unerwarteten dramatischen Krankheitsfälle in der Familie, die einen immer wieder komplett aus der Bahn werfen. Wenn es also wirklich nicht passt, weil es manchmal nicht passt, weil es nicht sein soll?, dann wünschen wir dem kleinen Winston-Zwerg, den wir Spencer nennen, weil er auf den Namen hört, der so toll abgenommen hat, mit dem man so toll laufen und spielen und knuddeln kann, alles Liebe! Wenn es hier nicht sein soll, findet er hoffentlich das richtige Zuhause. Wo er der Chef sein darf, entspannen, und glücklich werden kann. Ich werde ihn auf alle Fälle im Auge behalten, mich nach ihm erkundigen. Denn den Kleinen - heftig schnief - wieder gehen lassen, ist verdammt schwer. Aber, sagt der coole Hundeboss, zwei Hunde - manchmal passt es einfach nicht. Bestimmt hat er Recht.




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