Dienstag, 9. Dezember 2014

Sleeping Beauty


Kennst du das?, frage ich Gott, der überlegt. Ich wollte das nämlich vielleicht mal sehen? Die 'Welt' befand damals: Julia Leigh erzähle "mit einer verblüffenden Passivität... das Ergebnis sei interessant anzusehen, aber letztlich zu brav." Manche fanden es toll - Kunst, klar! Andere wieder ... Na. Und in der TV-Zeitschrift befindet ein unbekannte Kritiker: 'Mehr deprimierende als erotische Dornröschen-Variante ...' Sag mal, frage ich Gott, was könnte daran erotisch sein, alten Säcken zuzuschauen, wie sie an komatösen Mädchen rumfummeln? Nun, Gott überlegt, er scheint verwirrt. Ich wollte netter zu ihm sein, ich rudere zurück. Ist es etwa... Derangierende Erotik? Die Frau als erniedrigter Altruist? Das Weibliche, die Jugend? Kapitulation? Vulnerabilität? In vielfacher Hinsicht? In Ästhetik? Beständige Rumination desselben Begehrens? Das sich vermeintlich nur durch Natur, Evolution, Psychologie, Perversion, man weiß das gar nicht genau, erklären lässt? Die Synkope als einziger Thrill? Als holistisches Fragment der Konfiguration von Welt und Subjekt? Das doch immer Objekt sein muss. Oder. Wie dieser Herr Baumgardt meint: “Julia Leigh legt mit ihrem ‘Sleeping Beauty’ das aufregendste Debüt der jüngeren Zeit hin und schuf ein atmosphärisches Meisterwerk, das auf faszinierende Weise verstört - ein schockierend schöner Film und eine echte Cannes-Entdeckung: düster, komplex, mutig und unwiderstehlich.” Ich bin mir nicht sicher, sagt Gott. Ist das nach dem japanischen Roman? Wie hieß der noch?, frage ich. 'Die schlafenden Schönen', sagt Gott, der einfach alles weiß. Aber offensichtlich steht der Film nur in Anlehnung zu diesem großen, so herausfordernden Thema? Wieso redest du heute so sonderbar, fragt Gott unerwartet. Nun, das kommt gut an, sage ich. Studiert, elaboriert halt. Wie wir eben sind! Ach! Unsinn. Lass es, tu's nicht, rät Gott, das ist völlig überflüssig, sagt er, ich nicke. Okay. Wollen wir den Film nun heute Abend anschauen? Och, sagt Gott, der, ich bin mir sicher, eine bessere Idee zu haben scheint. Prima.


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