Montag, 1. Dezember 2014

Liebesgaben


Früher gab's immer viele kleine Gaben im Advent, selbstgebastelte Adventskalender, ja, sehr süß! Mit ganz vielen kleinen Überraschungen. Und andere Dinge, und man erkennt sofort, sie stammen von ganz unterschiedlichen Geschenketypen, der Selbermacher, der Egoist, der Musische. Und heutzutage? Im Alter? Nicht mal einen Schoko-Kalender habe ich bekommen. Bevor mich solch Ungemach jedoch zu tief ins Grübeln bringt, fahre ich rasch beim Juwelier vorbei, denn das Armband meiner Uhr löst sich langsam auf. Vor mir wird ein Mann bedient, der sich nicht zwischen fünf mikroskopisch kleinen Silberherzchen entscheiden kann. Auf die Entfernung des Höflichkeitsabstands scheinen sie mir alle recht ähnlich - zumindest in der Form, in der Minigröße sieht man eh nicht viel. Es soll sie ja auch nicht erschlagen, sagt er, der Juwelier ist seiner Meinung. Obwohl er sicherlich auch größere Anhänger verkaufen würde. Sie überlegen, der Kunde möchte das mit den Perlen, es gibt keins mit Perlen, sagt der Juwelier verwirrt. Beide beugen sich vor, stoßen mit den Köpfen aneinander. Und das hier? Eingestanzt, erklärt der Juwelier, das ist nur eingestanzt. Vielleicht das?, fragt der Kunde unsicher. Warum nicht, bleibt der Juwelier zurückhaltend vage. Wir könnten die zwei ja mal am Kettchen probieren?, fragt der Kunde. Am Ende gefällt es ihr nicht. Das wäre fatal!, denke ich und schweige. Nikolaus ist schon was Besonderes, sagt der Mann, und ich mag ihn sofort wieder gern. Die zwei Männer wenden sich nun den Kettchen zu, die machen aber mindestens so viele Probleme wie die Anhänger selbst. Nicht, dass es zu tief hängt, fürchtet der Kunde. So ein Geschenkekauf ist wirklich eine Nervenprobe. Dürfen wir es einfach mal an Ihnen ausprobieren, fragt er dann. Sie haben einen schmalen Hals, die Größe stimmt auch. Tjoa, warum nicht. Wenn es (dann schneller geht und) jemanden glücklich macht. Probieren wir also die unterschiedlich langen Kettchen, an denen die sich so ähnelnden Herzchen hängen, direkt um meinen Hals. So sieht man es viel besser, findet der Kunde. Viel, bestätigt der Juwelier. Ich schau auch mal in den Spiegel und verkünde eine Expertinnen-Meinung. Ich wär schon für das hier!, sage ich. Ja? Ja! Mann glaubt mir! Fall erledigt! Prima. Und das alles nur, um sodann festzustellen, dass ein rustikales Band, wie Sie es möchten, ist nicht mehr modern. Das hat die Firma aus dem Sortiment genommen. Und jetzt? Ich schenke Ihnen dies hier, das ist nicht so schön, - stimmt! - aber ihr Band fällt ja auseinander. Und dann für die Modeldienste, er zwinkert. Und vielleicht finden Sie ja mal eins, das Ihnen besser gefällt! DANKE! Und dann noch schnell drei Kurven gefahren und bei ihr, hinter dem dunklen Wald, einen Besuch abgestattet. Wie schaut's? Ja, ich weiß, du hast den Tanzkurz belegt. Den Shit-Tanzkurs? Wieso? Ach! Schwanger? Ich setze einen vorwurfsvollen Blick auf. Ich hoffe, es kommen nur die Klugen, die Hübschen und die Reichen in Frage?, erkunde ich dann erfahren das Terrain. Nur der Dings und der ..., klar! Tja, und du bist dir ganz sicher? Ich hatte nämlich mal einen Test, der wurde auch von O-Saft positiv, lieber noch mal prüfen. Aber nein, auch der inzwischen fünfte Test verkündet dieselbe Botschaft, der Gegentest beweist, die Dinger schlagen auf O-Saft nicht an. Also vermutlich ... erst mal abwarten! Bloß nicht aufregen. Wir trinken jetzt mal einen Tee, schlage ich vor, das hilft in jeder Situation. Und schauen. Wie sich alles so entwickelt ... Mit der Liebe!


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