Sonntag, 28. Dezember 2014

Der gute Rat


Hunde mit Zeitung
Ständig mäkel ich über das Format einer Zeitung, generell. Denn kleiner konstruierten Menschen macht das zu schaffen. Eine meiner liebsten Sonntagszeitungen hat sich bekanntlich darauf eingelassen und gleich eine Kompaktversion erstellt, wahrscheinlich nicht wegen mir, aber immerhin. Und ich? Kaufe dennoch die althergebrachte, kämpfe damit auf dem Tisch, räume extra noch ein paar Dinge ab, damit Platz ist, fluche innerlich, denn Fluchen wollen wir uns abgewöhnen, interessiere mich sofort für die Ankündigung 'Mut zur Lücke', die ich persönlich hege und pflege und selbst Gott immer wieder aufs Neue nahelege, greife unaufmerksam nach dem Glas mit dem gesunden energetisierten Wasser ... Und schon ist es passiert, das Malheur! 
Was soll's, war ja nicht anders zu erwarten. Die Hunde interessiert das wenig. Bislang gibt es diesbezüglich von keinerlei Malheur zu berichten. Ich hatte mir, wie meistens, Sorgen gemacht, überflüssige Sorgen, und noch am Abend, bevor wir den kleinen Zwerg geholt haben, Artikel studiert, wie man einen zweiten Hund integrieren kann usw. Das ist nämlich eine Wissenschaft für sich, wenn man das alles liest, und ihm Glauben schenken will, scheint es fast unmöglich. Ich dachte mir aber dann, Hunde sind vor allem Rudeltiere, die sollten das eigentlich unter sich ausmachen, wir warten einfach ab. Und so läuft es ziemlich gut. Gestern war sehr anstrengend, der Zwerg war nicht müde zu bekommen, nicht nach drei Spaziergängen, Gartenentdeckerei, Spielereien, durch rein gar nichts. Heute aber sind erwartungsgemäß alle müde. Der Chief mit seinem Sturkopf ignoriert den Kleinen, der immer noch viel zu frech zu ihm ist. Gib ihm einfach mal einen über die Mütze, rate ich, denn dann wäre Ruhe. Ist mir viel zu blöd, antwortet der Chief, der ganz schön arrogant sein kann, und so warten wir halt ab, wie die Zwei das unter sich regeln. Der kleine Winnie - ich muss ihn vorerst doch Winnie nennen, da Walker darauf nicht reagiert, bei dem Ruf Wins (wegen Walks?) aber immer sofort kommt, während Wins, der seinen Namen ja nicht kennt, nicht reagiert - der kleine Winnie also, der bislang auch nicht auf Winnie hört, ist auf alle Fälle besser erzogen als Walks, er kennt mehr Kommandos und gibt sich Menschen gegenüber alle Mühe, lieb zu sein. Es gibt noch ein, zwei kleinere Problemchen, ich hoffe, wir können sie lösen! Und bald wieder Zeitung lesen, wenn sie trocken ist. Beschränke ich mich also zunächst auf die erste Seite. In großen Lettern rät mir dort das Titelthema: 'Nehmen Sie sich nichts vor', gemeint ist wohl für das nächste Jahr. Pah, sage ich zu Gott, der gute Rat interessiert uns aber nicht! Gott wiegt den Kopf, ich bin sehr zufrieden, sagt er, was sollte ich ändern? Mir überhaupt vornehmen? Stimmt. Ich nehme mir aber immer was vor, sage ich. 
Weißt du noch, ein Jahr habe ich beschlossen, morgens eiskalt zu duschen, das war gar keine falsche Idee. Und 2012 war es, da habe ich mich entschlossen, nichts mehr auf Toilettenpapierrollen zu kritzeln. Das war auch eine sonderbare Angewohnheit, sagt Gott. Die ich problemlos loslassen konnte. Nie wieder habe ich mir auf diese Weise Notizen gemacht. Ich nicke zufrieden. Und 2014 habe ich wieder geraucht, aber es mir nicht angewöhnt, ich bin ein freier Nichtraucher, der auch mal paffen kann. Und ich hatte mir vorgenommen, das Jahr zu überstehen, ich wollte es besser machen, aber ... Gott nickt. Und für 2015 weiß ich genau, was ich will. Wenn der kleine alte Winnie, denn er ist alt trotz aller Quirligkeit, und er gilt als kaum vermittelbar, weil er so alt ist, wenn wir mit dem noch seine zwei kleineren, hoffentlich kleineren Problem lösen können, wenn das also klappen sollte, dann wird der erst einmal Familienmitglied. Weil es uns allen gut täte, nicht nur ihm. Auch wenn er ein Zwerg ist. Ein alter Zwerg. Und vor allem! Ich werde wieder mehr lesen, kündige ich drohend an. Der neue Zeltserman ist endlich erschienen! Anscheinend die richtige Lektüre für von Herzen und mit allen Sinnen antiintellektuelle Menschen wie mich, wenn ich das richtig verstanden habe. Die sich von schriftstellernden Faulkner-Fans nicht so einfach beeindrucken lassen wollen, tja. Gott seufzt. Wir sprechen aber nicht weiter über Krakenmänner, am Ende gibt es nur wieder Streit! Und was meine Vorsätze betrifft, kommt es ja auch noch viel besser: Und!, kündige ich weiter an, dann werde ich auch noch Poetin! Feministische Poetin versteht sich! Halb zumindest, im Ansatz. Nicht auch das noch, sagt Gott. Dabei hat er mich inspiriert. Und ich zitiere inbrünstig: Ihr könnt mich nicht ficken, ich blicke zu Gott - ungeduldig, abwartend. Der runzelt die Stirn, denn ich bin schon gefickt, beendet er dann endlich nach einiger Überlegung die Zeile. Wir wiederholen dieses Statement einige Male, immer euphorischer. Ihr könnt mich nicht finden, knüpfe ich dann in aggressiverem Ton an, denn ich bin längst verloren, zitiert Gott, der seinerseits immerhin inzwischen den Faden gefunden hat, nun etwas schneller. Und dann? Ich fluche, denn dann weiß ich selbst nicht mehr, wie es weitergeht. Gott überlegt. Weiß es indes auch nicht, also? Lauschen wir noch einmal der famosen Künstlerin selbst. Die ist echt superklassse, flüstre ich Gott zu, der nickt. Aber der Typ, sage ich. Ein Frauentyp, nickt Gott. Aber wie so oft, weiß ich es besser! Der? Dieser Ray? Niemals. 


Winnie. Endlich müde!
 
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