Montag, 24. November 2014

In grünen Tüchern


Experten unter sich
Da ich heute - schon wieder! - ganz miese Laune habe, und meine früheren engsten Berater zur Zeit nur schwer erreichbar sind, schaue ich rasch bei Gott vorbei, denn Gott ist weise und stets von heiterem Gemüt. PoAH, sage ich anstelle einer Begrüßung und werfe mich in Gottes Chefsessel. Gott selbst steht wie so oft nachdenklich am Fenster und schaut über die Stadt. Jetzt, da du so viel Macht hast, wie machst du das bloß?, frage ich. Wenn keiner macht, was er tun muss? Ja, Gott nickt, delegieren, sagt er. Was macht eigentlich Phibs?, fragt er dann überraschend. Wer ist Phibs, frage ich. Phibs van Vaan, sagt Gott, und ich schlage mir mit der flachen Hand an die Stirn.Big H, ich sage: Big Aydsch, ganz weich. Was ist Big Aitzsch, fragt Gott. Henry, sage ich, Henry Gott und Phibs, ich nenne ihn Big H, aber man muss es schon weich aussprechen. Klar, Gott versteht. Bin ich der auch?, fragt er, und ich staune. Natürlich nicht, sage ich. Was für eine absurde Frage. Es gibt dich nicht, nur im Imaginären existierst du. Das ist selbstverständlich genauso real wie alles andere auch, das wissen wir ja. L'existance, sage ich klug, ist eine komplizierte Sache, da machen wir uns lieber keine Sorgen. Und Phibs, die gibt's nun wirkich nicht, ich lache ob dieser ebenfalls absurden Vorstellung. Das wäre ja ich. Und das ist kompletter Unsinn. Aber, schon wahr, über die zwei denke ich noch nach, es ist nämlich schwierig, auf einigermaßen gescheite Weise auch noch etwas Gescheites zu erzählen, das habe ich inzwischen begriffen. Immerhin, manche scheint das gar nicht zu interessieren, die schreiben einfach immer weiter, ohne Sinn fürs Ganze. Verträge mit Verlagen halt, da saugt man sich was aus den Fingern. Und ich seufze, der scharfe Nani sitzt auch immer noch im Knast. Die arme Lou, sage ich mit Bedauern in der Stimme, ich mochte sie, viel mehr als Anett. Und Phibs? Ich weiß nicht, mal sehen, ob wir die Vibes zu ihr finden. Nun, auch wenn wir vom Thema abgekommen sind, sieht man, wie goldrichtig die Entscheidung war, bei Gott vorbeizuschauen, denn? Die miese Stimmung ist wie weggeblasen. Fast vergessen, doch dann fällt sie mir wieder ein. Also? Wie machst du das? Delegieren, das auch ein Resultat herauskommt. Ich hab heute zum x-ten Mal versucht, diesen einen Vorgang abzuschließen. Erst rufen die beim Richter an, veranlassen diesen Unfug, weißt du noch - damals? Und jetzt brauchen wir eine Bescheinigung dazu. Und keiner will's gewesen sein. Seit Monaten! Also war ich jetzt beim Richter und hab mir das Schreiben vorlegen lassen. Und dann mal ordentlich Dampf rausgelassen. Es ist ja schließlich aktenkundig. Und ich weiß es nun. Niemand kann's mehr abstreiten. Und dann? Beim nächsten Telefonat merkt man erst, ich bin immer noch - viel zu aggressiv im Ton. Schwierig, Multitasking mit positiven Schwingungen, denn? Auch wenn man mal komplett eine Oktave tiefer, dabei nur wenig lauter, aber schärfer in der Aussprache werden muss, ist es ja meist doch so: C'est le ton qui fait la musique. Also, lieber freundlich weiteragieren. Tja, sagt Gott, mit solch profanen Dingen habe ich keine Probleme. Meine Leute spuren! Und wieder einmal bin ich zutiefst beeindruckt. Siehst du den da?, frage ich, springe vom Sitz auf, stelle mich zu Gott ans Fenster und deute mit einer Bewegung des Kopfes auf einen Typen, der über den Platz vor Gott's Fensterfront spaziert. Den großen?, fragt Gott beeindruckt. Der ist ja bestimmt - über 2 Meter. Und das ist ein Phänomen, dem man häufig begegnet, Männer scheinen sich tatsächlich von der Größe beeindrucken zu lassen. 2,08, sage ich also, schließlich weiß ich Bescheid. Er hat es mir gesagt. Der neben ihm, rücke ich weitere Größenangaben und noch etwas mehr Information heraus, der Kleine, der auch besser aussieht, ist nur 1,83. Hat er mir auch gesagt. Reicht ja auch für den Notfall. Wissen - worüber man halt so spricht. Egal, wende ich mich meinem eigentlichen Gedanken wieder zu. Der Große also, den musste ich mal so richtig zusammenstauchen. Der hatte so einen Mist repariert, da ist bei uns alles kaputt gegangen. Und dann aber - musste ja einer mal eine echte Ansage machen. Gott nickt, 2,08, sagt er. Hörst du mir zu?, frage ich. Echte Ansage, nickt Gott. Und da hat sich dann herausgestellt, dass dieser große Mann, sage ich, ein ultimatives Diplomatietalent ist. Ich bin immer noch schwer beeindruckt von diesem Typ, der so viel Unfug fabrizieren kann. Und sich so unvorstellbar klug, charmant elegant quasi aus allem herausreden kann. Ohne ein lautes Wort, selbst ich wurde immer freundlicher. Handwerker, sage ich. Von dem kann man echt was lernen! Der Mann ist perfekt für jede spontane Krisenintervention. Großartig. Und während ich schwärme, merke ich, wie gut es mir inzwischen geht! Der ganze Stress des Morgens - den ich trotz der wundersam wirkenden Maca-Pille verspürte -, scheint wie vergessen. Und weißt du, sage ich, wenn ich den Vorgang jetzt mal endlich abhaken kann, bin ich auch schon viel weiter. Aktenstau macht mich nämlich irre. Seit September sitze ich da dran, schon bevor wir nach Frankreich gefahren sind, hab ich versucht das zu regeln. Aber jetzt - da ich mit dem Richter mal wieder Druck gemacht habe, geht es echt immer nur über den Richter? - haben sie es mir versprochen: Es ist alles in grünen Tüchern, haben sie versprochen. Im trockenen Bereich, gratuliert mir Gott. Und ich lächle, denn was ich nur nebenbei erwähnte, fördert meine gute Laune: Frankreich. Bald fahren wir schon wieder dorthin, schwärme ich. Wirst du mich vermissen. Wenn ich weg bin? Och, sagt Gott, ich dachte ... Ich dachte, diesmal fahr ich einfach mit!, sagt er. Wie? Äh. Ich denke kurz nach. Ja, nicke ich dann. Schöne Idee! Wir fahren diesmal aber wirklich an den Arsch der Welt, gebe ich zu bedenken. Da hat man seine Ruhe, weiß Gott. Ich hab auch wieder Geburtstag, ich brauche? Neue Meliorations-Gedanken, dränge ich mich meinerseits mal wieder etwas auf. Du hältst dich ja an keine meiner Empfehlungen, gibt Gott sich resigniert. Stimmt nicht! Ich nehme sie zur Kenntnis! Und handle ich dann dennoch im krassen Widerspruch zu einer göttlichen Inspiration -, geschieht dies immer in vollem Schuldbewusstsein! Da ist alles perfekt. Da müssen wir uns keine Sorgen machen. Du weißt doch. Grüne Tücher. Regeln lernen. Um sie zu brechen. Andere verkaufen das als Erfolgsrezept. 2,08 Meter, sagt Gott, ich seufze.



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