Freitag, 28. November 2014

Immer wieder freitags


... lösen wir die letzten Probleme der Woche. Was ist das?, frage ich Gott und schiebe ihm einen Packen Briefe über den Tisch. Bezügeermittlung, steht doch da, sagt der. Runzelt die Stirn, liest, denkt nach, wiegt den Kopf. Bezügeremittlung, sagt er dann noch einmal. Offensichtlich versteht er es auch nicht. Ich rufe da mal besser am Montag an, sage ich. Kommt mir irgendwie sonderbar vor, was die da zusammengerechnet haben. Gott nickt. Und dann wenden wir uns - wie immer am letzten Arbeitstag der Woche - der Zukunft zu. Was bist du für ein Sternzeichen, frage ich, aber Gott winkt ab. Dann eben nicht, der alte Besserwisser, soll er doch rätseln, wie's um ihn steht. Pass auf, sage ich und reibe voller Freude meine Handflächen, bei mir wird sich Großes tun! Mein Horoskopler weiß schließlich Bescheid, auf den kann man sich verlassen, der lag - bei allem, was er so einwerfen muss, so gut wie noch nie ... Der hat's wirklich drauf. Und heute prognostiziert er, ich lese vor: 'Im richtigen Moment umgeben sie sich mit den richtigen Leuten, die nichts Besseres vorhaben, als Ihre Karriere zu fördern!' Na, sage ich und nicke stolz, von meiner eigenen Zukunft beeindruckt. Glaubst du das?, frage ich dann Gott. Klingt durchaus etwas ... unwahrscheinlich, sagt der, ich wiege den Kopf. Was willst du denn eigentlich werden? Wo soll's hingehen? Den Unsinn, den du zur Zeit so treibst, willst du ja wohl ... Stimmt, ich überlege, ist alles sehr unlukrativ. Selbst wenn sich die richtigen Leute zusammenrotten würden, um meine Karriere zu fördern, sage ich, wir lachen. Ergo?, fragt Gott. Tja, mal überlegen. Ein Hotel möchte ich haben. Eine Pension vielleicht. In Frankreich. Ich weiß noch gar nicht, ..., ich will ja immer wieder in den Süden, wollte dieses Jahr unbedingt nach Montpellier, und genau als wir in Frankreich waren, hingen da die Autos in Montpellier in den Bäumen, so bös hatte es geunwittert. Monsieur war froh, dass wir woanders waren. Vielleicht bleiben wir also lieber oben, Cotentin hat mir sehr gut gefallen, direkt gegenüber ist England. Das ist praktisch, der Golfstrom, herrlich mildes Klima. Überhaupt, die Normandie ist schön, ich mag sie lieber als die Bretagne. Etwas weiter nördlich als das abgelegene Cotentin ist alles mondäner, Honfleur, Deauville, très chic ! Da hab ich früher gelebt, da sind wir immer ins Casino gegangen, da angeln sich die klugen Frauen die reichen Pariser, die am Wochenende über die Strandpromenade flanieren. Und ständig drehen sie da Filme, man hat die Auswahl, Ärzte, Juristen, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker, Philosophen, sie haben da viele Philosophen... Ich war aber in einen Müllmann verliebt, der sah so gut aus. Jean René, der hat immer .... Schon klar, unterbricht Gott, der sich wie immer auf das Wesentliche konzentriert. Eine Pension in der Normandie - das ist ein schöner Plan, fasst er zusammen. Und ich finde das auch. Jetzt müssen sich nur noch die, die nichts Besseres vorhaben, zusammensetzen. Und diesbezüglich meine Karriere auf Vordermann bringen. Prima!  Und morgens in der Früh spazierst du am Meer entlang zum Bäcker, male ich das Kommende in verführerischen Farben aus, und kaufst noch warme Croissants,  frische Baguettes, die vielen kleinen Tartes. Herrlich. Und am Tag werkelst du am Haus und im Garten, ich beginne zu schwärmen. Gott schaut auf seine zwei linken Hände, und ich mache einen Vermerk: 'Einen Handwerker suchen!', notiere ich. Schreib 'intellektuell' dazu, rät Gott. Einen intellektuellen Handwerker?, frage ich nach. Sonst langweilst du dich, sagt Gott, weil der Mann so klug ist. Ich verstehe und notiere: 'Verwegen intellektuellen Handwerker auftreiben!' Die Sache läuft. Bis dahin aber, bis wir das erledigt haben, musst du ran, räume ich ein. Ich hab nämlich auf Anraten des Schornsteinfegers, der meint, wir bekämen bald eine Wärmelücke im System - da ist sie wieder! Die böse Lücke, die gestopft werden will - Dachfolie besorgt. Sehr klug habe ich das gemacht, ich bin nämlich, ebenfalls auf Anraten des Schornsteinfegers ein wenig rumgefahren, bis ich einen Dachdeckerwagen entdeckt habe. Und dann sofort gebremst, ein bisschen rumgequatscht und den netten Dachdeckern ein paar Meter, - nein, ich brauche ja wirklich nicht viel! - UV-beständige, wasserfeste, 50 Jahre! haltbare Dachplane für ein Trinkgeld abgeschwatzt. Schön! Und die, sage ich, die tackerst du jetzt unterm Dach fest. Sonst hat das Wärmesystem eine Lücke, die sich bald im Portemonnaie manifestieren wird. Wieder als Lücke! Die Sachen stehen schon alle oben. Und Gott fügt sich in sein hartes Los. Was willst du dazu hören?, rufe ich rauf, denn zu allem, was wir tun, hallt natürlich ein passender Sound durchs Haus. Mit einem lauten Knall fällt oben irgendwas zu Boden, wahrscheinlich der Tacker, und Gott flucht. Pet Shop Boys, ruft er dann runter. Sehr gute Wahl, rufe ich zu ihm rauf, schließlich ist das unser Motto. Andererseits - Langeweile, wie denn bloß? Es gibt immer so schrecklich viel zu tun ...


~


   

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen