Sonntag, 30. November 2014

Den 1. Advent


wieder verpennt? Das macht ja nichts, bis zum Abend bleibt ja noch ausreichend Gelegenheit, ein wenig besinnliche Gemütlichkeit ins Haus zu zaubern. Bloß, alteingesessene LV-Leser erinnern sich an einige vorweihnachtliche Deko-Desaster, (an das Lichterketten-Inferno z. B. sowie an den Tag, als der Postbote klingelte, nur um auf meinen mit Äpfeln dekorierten Tannenzweig zu zeigen und den weisen Rat kundzutun: 'Hol das besser wieder rein, da stimmt was nicht!), traurige Tiefpunkte, die uns zuletzt gänzliche aufs Schmücken verzichten ließen. Doch dieses Jahr wird alles besser. Zunächst treffe ich mich mit Gott im Café zur Lagebesprechung. Bei einer Vanilla-Latte? - Nimmst du auch eine? Ach, klar, nur was für Mädchen, - bei einer Vanilla-Latte und einem doppelten Espresso also beraten wir unser Advents-Mission-Vorgehen. Im Player läuft sonderbarer Weise er, und Gott singt leise mit, ich bin zufrieden, es geht gut los! Und lese nebenbei in meiner kompakten Lieblingssonntagszeitung über eine 24-jährige Bloggerinnen, die Bücher schreibt. Die Heldin hat Dates auf Tartandecken mit einer Thermoskanne Tee. Ich lese vor: 'Ein tolles Date, rezensiert der 'Telegraph', wenn man 83 ist.' Wie bei uns, sage ich. Immerhin, wer weiß schon, wer hier richtig liegt, auf alle Fälle machen wir's nicht falsch, behaupte ich. Tee trinken auf Decken sitzen. Wie die Jungspunde ganz old fashioned. Über den Sex-Skandal in Londons feinsten Kreisen blätter ich mal weg, glaubst du, dass es so entsetzliche Dinge nun nicht mehr gibt?, frage ich, denn das Schöne am Entsetzen ist ja, dass das alles in grauer Vorzeit passierte. Wir sind gefeit ... Gott lässt die Frage kalt, er konzentriert sich auf das nächste Lied. Und da in dem Artikel über sozialen Aufstieg eine der bahnbrechenden Ideen ist, man solle, um eine Konversation in Gang zu halten, Komplimente aussprechen, probier ich dieses als wunderbares Werkzeug gepriesene Zaubermittel gleich aus. Du siehst heute verdammt gut aus!, sage ich. Wirklich! Und tatsächlich! Gott schaut mich an, lächelt weise und nickt im Takt der Musik. Er hat gute Laune. Als erstes gehen wir zum Markt auf der Burg, sage ich, dort ist es immer schön, dann durch die kleine Stadt. Und wenn wir nichts finden, noch schnell ins Blumencenter, Gott seufzt, denn das ist definitiv kein Plan für einen gemütlichen Sonntag, das klingt nach harter Arbeit, schon klar! Wider Erwarten ist der Markt an der Burg dann gar nicht ganz so schön, wie gedacht. Gott trinkt einen Glühwein, ich stöbere auf dem Buchbasar, Gott findet einen vergriffenen Klassiker und freut sich. Schön, aber! Deshalb sind wir nicht hier! Also, ab und über den Markt. Und dann durch den Park, wo sie die Fitness-Zone gebaut haben. Ich mache eine paar Übungen, aber für Hyperbewegliche ist das Kinderkrams.


Dann flink ins Schnellrestaurant, da ich plötzlich enormen Hunger auf Fritten habe. Hier sind nur Prolls, stellt Gott fest, und wieder einmal hat er Recht. Etwas sonderbar kam's mir auch vor. Schau mal da rüber, sage ich und mache große Augen. Der Ghetto-Typ mit Goldkette, fragt Gott. Ich nicke, der gerade zu seinem Kumpel sagte, er solle mit seinem besoffenen Kopp nicht gleich vom Hocker fallen, schau mal genau hin, er hat ein Madonnengesicht. Ich bin völlig beeindruckt, hin und weg. Erstaunlich, sagt Gott. Wie ein junger Gott, sagt Gott. Aber dann können wir seine feine Schönheit nicht länger bestaunen, wir müssen weiter ins Gartencenter, denn ich merke, nicht nur Gott verliert langsam die Lust an unserem straffen Programm. Dort packt Gott schnell paar Sachen in den Wagen und endlich daheim wird die Ausbeute im Raum verteilt, wir haben: einen Läufer mit Lichterkette! Famos!



Du solltest ihn bügeln, sagt Gott. Aber, das legt sich von allein. Machen wir lieber weiter, hängen wir dies Ding auf, wo früher die schöne Glaskugel hing, die ich beim Fensterputzen zerschmettert habe:


Gab es kein rotes Band?, piesepampelt Gott. Musste es ostergelb sein? Das gibt es überhaupt nicht, ostergelb, sage ich, ebenfalls missgelaunt. Und was ist das für ein hässlicher Aufkleber?, fragt er. Das ist das Om, sage ich vorwurfsvoll. Ich weiß noch nicht genug darüber, aber es ist heilig. Ich bin ganz am Anfang des spirituellen Weges. Aber - Om, mein Physio hat mir sogar gesagt, dass der Ton die Schwingungen der Herzfrequenz wiedergibt. Das wurde gemessen. Gut, der Aufkleber, der müsste da vermutlich nicht hängen, aber wir müssen mehr über das Mantra wissen. Vielleicht wirkt es schon so, aber lernen!, sage ich. Demnächst, sagt Gott und wendet sich meinem nächsten Werk zu, hier hing einst die Schnellball-Lichterkette. Und nun hat Gott so ein seltsames Blätterfunkenwerk ausgesucht: 


So inspirationslos kannst du nicht dekorieren, wenn du erst die Pension und Gäste hast, seufzt Gott, steigt auf die Leiter und hängt das sonderbare Ding hochinspiriert um. Die Pension! Da mach ich mir gar keine Sorgen mehr, sage ich. Man sagt doch, es fügt sich das eine immer ins andere. Und kaum sagt der Horoskopler so etwas völlig Unglaubliches voraus, orakelt von Förderern und Karriere usw., schon stoße ich in der Zeitung auf folgende Anzeige: 'Millionär, gutaussehend, in den besten Jahren sucht Sie. Ich möchte dich unterstützen und dir mit Rat und Tat zur Seite stehen! Zuschriften bitte mit Bild.' Das klingt gut! Da solltest du dich umgehend melden, nickt Gott und scheint immer noch unzufrieden mit seinem hängenden Blattwerk. Oh ja, ich nicke. Schließlich klingt die Anzeige nun wirklich viel versprechend! Und jetzt, sage ich, wenn du da mal endlich fertig wirst, machen wir noch draußen den Zaun, das hab ich hinten bei dem schönen Bauernhaus am Feld gesehen. Es wirkt toll, wenn man jeden Meter so eine Schleife aufhängt:


Gott nickt, bindet Schleifen, während ich draußen das Grün schneide. Ganz nett, sagt er dann, fast ein wenig zufrieden klingt das. Und mir fällt ein, wir haben ja ganz den Adventskranz vergessen! Viel zu old-school, weiß Gott. Und so setze ich eine Kerze zwischen ein paar güldene Kugeln:


Schieb noch etwas Moos dazwischen, sagt Gott. Und mäkelt weiter. Hattest du keine neue Kerze? Nein! Schluss jetzt. Feierabend, beschließe ich! Denn so viel Deko! Hatte ich noch nie. Gut gemacht, wollen wir uns jetzt auf eine Decke setzen und Tee trinken? Prima, sagt Gott.


~


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen