Mittwoch, 9. Juli 2014

Verdammter Druck?


Letztens waren wir wieder dankbar, da hatte ich diesen Tee aus gerösteten, japanischen Ästen ausprobiert, und den meisten Probetrinkern wurde mal wieder etwas übel. Also habe ich flink in den Kundenrezensionen nachgeschlagen, und "Schaust du mal, da steht's", sagte ich zufrieden zu Monsieur. Denn dort stand: "Wirkt famos! Kein Placebo, auch wenn die Wirkung schwer nachweisbar ist! Und schmeckt gut! Aber Vorsicht! Man muss erst etwas rumexperimentieren, wer zu stark dosiert (wie ich erst - zwinkerzwinker) dem kann fast übel werden." Womit erneut bewiesen wäre, wie hilfreich Kundenrezensionen wirklich sind. Zu hoch dosiert, zu wenig rumexperimentiert. Den Höllentee fast schon aussortiert. Viel zu früh! Die Wirkung abwarten. Usw. Tja. Und letztens las ich von einem sinnlichen Cover, da waren die Buchstaben nämlich in einem fast 'samtig anmutenden Papier eingestanzt' so dass man mit den Fingerkuppen einfach darüber streichen musste. Leider weiß ich nicht mehr, welches Buch das war. Ich habe nämlich so ein ganz komisches fotografisches Gedächtnis, das sich immer nur die Nebensächlichkeiten merkt, Wort für Wort, wenn es sein muss. Egal, das mit den Buchstaben und dem samtig anmutenden Papier klingt natürlich wirklich clever - als Verkaufstrick! Doch seit wir alle wissen, dass Autoren und Rezensenten sich offensichtlich ganz gern mal über die eigene Kundschaft lustig machen, schlimmer noch als Ärzte? In der Öffentlichkeit gar? Ganz ohne Scheu? Sich dazu selbst noch gratulieren. Was mag dazu verleiten? Der Druck? Nun, da ist klar, dass viele Dinge besser ungesagt bleiben sollten. Schließlich sind wir eigentlich alle Intellektuelle. Die großen feingeistigen Schweiger aber am meisten, und an denen nehmen wir uns gern ein Beispiel. Coverbeschreibungen sollten also eventuell auch unterlassen werden? Naiv anmutende Coverbeschreibungen vor allen Dingen? Letztens kam aber ein Buch, gestern, glaub ich, das alle weise Erkenntnis fast vergessen ließ. Zunächst habe ich das so unerwartet eingetroffene Buch gleich eingesteckt und mitgenommen, wollte ich doch eh mal wieder - ein Buch und so - in der Hand halten. Fang ich also gleich an zu lesen, weil beim Doc die Geräte mal wieder heißgelaufen sind, und Wartezeit immer sinnvoll genutzt werden sollte, lese ich und leg's dann bei meiner Rückkehr im Eingang auf das hässliche Kommödchen, das mich seit Jahren ärgert. Und Monsieur greift sich das Buch sofort und fragt: "Ist das Cover von Daniel Richter?" Weiß ich nicht. "Wer ist Daniel Richter?" "Ein weltbekannter Künstler", sagt Monsieur vorwurfsvoll, weil ich mich mal wieder als Kulturbanausin selbst enttarnt habe. "Der hat damals für die Band 'Angeschissen' das Cover gemacht", dies hier nämlich. "Das neueste Projekt des Sängers sollte 'Verdammter Druck' heißen, nennt sich jetzt aber leider nur 'Alte Sau'", sagt Monsieur und scheint die Namensgebung zu bedauern. Somit haben wir also wieder einiges gelernt, aber ob das Cover vom Buch nun vom Künstler Richter ist? Ich schlage nach und denke nicht. Schau mir aber nun das Cover mal genauer an, das ganze Buch wende und drehe ich in den Händen. Das Werk - die äußere Gestaltung - auf sich wirken lassen. Und es ist in sonderbar verwaschenem Altrosa aufgemacht, dazu Schrift in Gurkengrün und Hellblau. Da würde ich am liebsten sofort nachfragen: "Wer hat sich das ausgedacht? Was war der Plan? Von echten Kerlen für echte Kerle? Für Baldgebärende, die sich vom Geschlecht des Kindes überraschen lassen wollen?" Aber das lass ich lieber bleiben, ich, als unkundig staunende Kulturbanausin weiß ja inzwischen, dass man einfach nicht immer alles sagen sollte. Darf! Fragen schon gar nicht. Neugierde ... "Sag mal", sage ich zu Gott, "das hier ist strange, hast du dir schon mal genauer die Farben...?" "Lies!", sagt Gott. Und klar! Mach ich, fängt gut an. Und dazu hören wir? Logen.


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