Mittwoch, 16. Juli 2014

Leidenschaft.


"I can never think and play at the same time. It's emotionnally imposible." (Lennie Tristano). Muss ich drüber nachdenken. Ist es Leidenschaft? Können? Unvermögen? Hingabe? Gefühle. Spielen ist selbstverständlich eine andere Nummer als die Ausdenkerei. Aber wenn Texte oder Filme, die nichts anderes sind als Bildtexte, wie ausgedacht klingen oder aussehen, und das tun sie ja leider oft, sind sie immer Mist. Mein Lieblingsmoderator, den ich ja erst kürzlich als solchen erkannt habe, ich hab mal kurz geschaut, man kann ja heutzutage einfach alles sehen, findet, er sei ein toller Moderator. Prima, find ich auch, meistens. Und er mag keine Moderatoren, die gekünstelt klingen. Genau, und er liest oft Bücher nicht aus. Klasse! Mach ich auch sehr gern, weil entweder das Buch zu schlecht ist, oder uns interessiert die Lücke nicht? Oder eben gerade diese, soll die mal schön offen bleiben. Je aufregender sie ist, desto besser der Text. "'What's your name?' she asked.
'I don't know I said. 'I mean, I don't know how to answer that.'
I was suddenly afraid of losing the anonymity that existed between us, as if once we knew our names the erotic focus we were falling into would dissolve. I curled my lower lip.
'We're overloaded as it is.'
'Yeah, you're right', she said." (Rudolph Wurlitzer) Ja, und ich blätter grad in der Mittagshitze durch den Dings, den Rosenbaum, weil's manchmal vielleicht hilft. 
Kunst. Oder Unterhaltung. Authentisch, weil's immer so klingen sollte, als sei's direkt erlebt, nicht nachvollziehbar, selbst erlebt, bis in den Wahn, die dunkelsten Winkel, wenn's denn sein soll. Und nicht wie von einem tristen Gemüt in düster langen Stunden ausgedacht. Wie beim Radio? Das auch nur dann gut klingt, wenn's authentisch wirkt? Ist nämlich irgendwie kein simpler Job, die einen machen ihn trotzdem und klingen auch so. Mit den anderen sitzt du quasi auf dem Sofa, und selbst wenn du sie blöd findest, könnte das als gelungen angesehen werden. Echt eben. Bei dem neuen Buch, wie heißt es eigentlich?, mit dem sonderbaren Farbmix auf dem Umschlag, da grübel ich auch noch, denn der Autor kann natürlich famos schreiben, der Text ist ganz sicher auch genial übersetzt, auch wenn die Übersetzer da bestimmt ordentlich ins Schwitzen gekommen sind. 'Puh, warte, wieder einen Satz geschafft, ich les mal laut. Oh! Klingt überraschend gut!' Und Übersetzen ist echt schwer, auf engstem Raum muss man mit der größten Freiheit jonglieren. Schwierig! Wenn man es nicht verhunzen will. Ja, und der Autor, wie heißt der noch?, frag ich Gott, der mixt so zwei Stile, die überhaupt nicht zusammenpassen wollen. "Doch tun sie", behauptet Gott. "Nein", widerspreche ich, auch wenn ich noch etwas weiterlesen sollte. Also er nimmt den coolen Sound und haut dazwischen so Stendhal-Passagen, würd ich das mal nennen, obwohl ich Stendhal nie wirklich mochte. Immerhin - sehr literarisch. "Warum macht er das?", frag ich Gott, der aber lieber weiterlesen möchte, außerdem begrüßt er es, wenn jeder selbst nachdenkt. "Ich finde, der Text klingt nicht, als wäre er mit Leidenschaft geschrieben", hake ich nach. "Aber mit Wucht!", sagt Gott. Und hat Recht, schreiben kann der. "Aber er hat beim Schreiben nachgedacht", ich bin mir sicher. "Deine Nicht-Denkerei ist ja auch nicht sonderlich erfolgreich", sagt er. Stimmt. Schon wahr, aber ich bin mir dabei selbst auf der Spur. Was ich nicht gedacht hätte, "weißt du eigentlich, was das einzige Thema ist, das mich wirklich interessiert?", frage ich. "Macht", sagt Gott.



~

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen